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Ausschreitungen in Nordirland: Provokation und Krawalle

Foto: Peter Morrison/ AP

Nordirland Katholiken liefern sich Straßenschlacht mit Polizei

Auf die Provokation folgten die Krawalle: In Belfast ist der protestantische Oranier-Orden durch ein katholisches Viertel marschiert - als Reaktion zündeten irische Nationalisten Autos an und bewarfen Polizisten mit Flaschen und Steinen.

Belfast - Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel: Im Anschluss an einen Marsch des protestantischen Oranier-Ordens ist es am Donnerstag in einem katholisch geprägten Teil Belfasts zu Ausschreitungen gekommen. Dabei griffen irisch-katholische Extremisten im Bezirk Ardoyne die Bereitschaftspolizei an, indem sie ein brennendes Auto in Richtung der Beamten schoben, während andere mit Steinen und Flaschen warfen.

Zuvor hatten Zehntausende Mitglieder des Oranier-Ordens für die Provokation gesorgt: Sie waren in einer Demonstration der Stärke durch nordirische Städte und Ortschaften marschiert. Bereits in der Nacht hatten sich Protestanten zu Hunderten Freudenfeuern versammelt, wo antikatholische Lieder gesungen und irische Flaggen in die Flammen geworfen wurden.

Bei den Krawallen wurden nach Behördenangaben mehrere Polizisten leicht verletzt, als Steine, Ziegel und Flaschen nach ihnen geworden worden seien. Zehn Personen wurden festgenommen. Bereits in den vergangenen Jahren war es in Ardoyne, einer Hochburg irischer Nationalisten im Norden Belfasts, wiederholt zu Unruhen mit zahlreichen Verletzten gekommen. Vorsorglich hatte die Polizei dort am Morgen gepanzerte Fahrzeuge in Stellung gebracht.

Die britische Regierung hatte versucht, die erwarteten Zusammenstöße zu verhindern. Sie setzte eine Paradekommission ein, die anordnete, dass die Oranier in diesem Jahr drei Stunden früher als üblich durch Ardoyne ziehen sollten. Außerdem wurde eine Gegenparade der Bewohner von Ardoyne erst 90 Minuten später genehmigt. Der Vorsitzende der katholischen irisch-nationalistischen Sinn-Fein-Partei, Gerry Adams, rief beide Seiten dazu auf, Straßenkämpfe mit der Polizei zu vermeiden.

Die Oranier-Umzüge finden alljährlich am 12. Juli statt, dem Jahrestag der legendären Schlacht am Fluss Boyne nordwestlich von Dublin. Dort bezwang der Protestant Wilhelm von Oranien 1690 den englischen König Jakob II., einen Katholiken, und wurde dessen Nachfolger. Am Jahrestag der Schlacht kam es in der Vergangenheit regelmäßig zu Ausschreitungen - auch deswegen, weil Mitglieder des Oranier-Ordens bei ihren Paraden durch katholische Viertel ziehen.

fdi/dapd