Nordirland "Neue IRA" bekennt sich zu Anschlag in Londonderry

Eine Gruppe namens "Neue IRA" hat die Verantwortung für den Anschlag mit einer Autobombe im nordirischen Londonderry übernommen. Mit dem Brexit habe die Tat nichts zu tun, heißt es in einem Bekennerschreiben.

Tatort in Londonderry (Aufnahme vom 20. Januar 2019)
REUTERS

Tatort in Londonderry (Aufnahme vom 20. Januar 2019)


"Unser Kampf geht weiter": Die militante Gruppierung "Neue IRA" hat sich in einem Schreiben an die Zeitung "Derry Journal" zum Autobombenanschlag in der Stadt Londonderry in Nordirland bekannt.

Bei der Explosion der Bombe am 20. Januar im Zentrum der Stadt wurde niemand verletzt - wohl auch deshalb, weil 15 Minuten vor der Explosion eine Warnung bei den Behörden eingegangen war und umliegende Gebäude geräumt wurden.

In dem Bekennerschreiben "Neuen IRA" wird der Brexit als Motiv verneint. "Dieses ganze Gerede vom Brexit, harten Grenzen, weichen Grenzen hat keinen Einfluss auf unser Handeln, und die IRA wird nirgendwohin gehen", heißt es.

Im Zuge der Ermittlungen waren am vergangenen Wochenende fünf Männer festgenommen worden, vier von ihnen kamen aber später wieder auf freien Fuß.

Erinnerungen an den "Bloody Sunday"

Die "Neue IRA" hatte in den vergangenen Jahren immer wieder sporadisch Anschläge verübt. Die Nationalisten lehnen das 1998 geschlossene sogenannte Karfreitagsabkommen ab, das weitgehend einen Schlussstrich unter drei gewaltgeladene Jahrzehnte zog. Es sichert unter anderem eine Aufteilung der Macht zwischen Protestanten und Katholiken zu.

Der Anschlag Anfang des Jahres in Londonderry erinnerte an jene dunkle Zeit, während derer die IRAeinen Guerillakrieg gegen den britischen Staat und protestantische Paramilitärs führte. 3500 Menschen starben in dem Konflikt.

Die Stadt Derry, die von den Protestanten Londonderry genannt wird, war 1972 Schauplatz des "Bloody Sunday". Damals schossen britische Soldaten auf unbewaffnete Teilnehmer einer nicht genehmigten Demonstration. 14 Menschen wurden getötet.

Die IRA, die jahrzehntelang gewaltsam für eine Loslösung Nordirlands von Großbritannien gekämpft hatte, schwor der Gewalt 2005 offiziell ab.

als/Reuters



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ambulans 29.01.2019
1. my
god, dann muss ja u2 (sunday, bloody sunday) bis zum allerletzten schuften ...
zia-zaruba 30.01.2019
2. so ist der "Funke"
des religiösen Terrors in der neueren zeit aus dem "3.Reich" zu den Katholiken + Protestanten dann zu den IS und so übergesprungen und zurück. Der Zerfall ist unaufhaltsam und beschleunigt sich
ftraven 30.01.2019
3. Gottes geteiltes Land
Der Autor schreibt sehr oberflächlich. Die Gründe für die sog. Troubles sind sehr vielschichtig. Ab dem 12. Jhd. wurden die katholischen Iren von den Protestanten in Nordirland vertrieben und enteignet. Die Katholiken in Nordirland wurde massiv und vielfach diskriminiert.Alle Änderungen am kommunalen Wahlrecht, die die Unionisten ab 1920 vornahmen, richteten sich nicht nur gegen Katholiken, sondern generell gegen alle Nicht-Unionisten (wie zum Beispiel die Labour-Bewegung). Deshalb schafften die Unionisten auf kommunaler Ebene das Verhältniswahlrecht ab und führten das britische Mehrheitswahlrecht für Stormont ein. Verbunden mit nicht repräsentativen Wahlkreisziehungen begünstigte dies unionistische gegenüber nationalistischen Kandidaten in unverhältnismäßiger Weise. Das nordirische Wahlrecht war zudem stark an den Besitz von Wohnraum gebunden, was die zumeist ärmeren Katholiken, die zur Miete wohnten, ebenfalls diskriminierte. So stellte zum Beispiel Derry/Londonderry einen unionistischen Bürgermeister, obwohl die Nationalisten einen weitaus größeren Bevölkerungsanteil in der Stadt hatten. Durch all diese Maßnahmen sorgten die Unionisten dafür, dass Nordirland von 1921 bis 1972 ununterbrochen von nur einer Partei regiert wurde, der Ulster Unionist Party (UUP), die keine nennenswerte Opposition im Parlament fürchten musste. Des Weiteren gab es auch Diskriminierungen bei der Vergabe von Arbeitsplätzen oder der Zuweisung von Sozialwohnungen. Die Segregation der beiden Bevölkerungsteile wurde auch durch die Schulpolitik der Kirchen gefördert. Sah man bei der Gründung Nordirlands konfessionell gemischte Schulen vor, wurde dies von den Kirchen von Anfang an stark abgelehnt und hintertrieben. Alle diese Proleme führten zu den Troubles ab 1969. Die IRA sah es als ihre Aufgabe an, die Katholiken gegen die Protestanten zu beschützen und die in der irischen Verfassung verankerte Wiedervereinigung Irlands (die von Londen verhindert wurde) herbei zu führen. Die protestantischen Terrororganisationen, welche von der britischen Armee verdeckt unterstützt wurden, töteten bewusst katholische Zivilisten (vor allem die UVF).
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