Nordirland-Konflikt Neue IRA bekennt sich zu erstem Mord

Republikanische Splittergruppen in Nordirland machen Ernst: Die im Juli gegründete neue IRA hat sich zu ihrem ersten Mord bekannt. Ihr Opfer ist ein 53 Jahre alter Gefängniswärter.
Trauerfeier für ermordeten Wachmann Black: Erschossen auf dem Weg zur Arbeit

Trauerfeier für ermordeten Wachmann Black: Erschossen auf dem Weg zur Arbeit

Foto: PETER MUHLY/ AFP

Dublin - Eine im Juli neugegründete IRA hat sich zu ihrem ersten Mord in Nordirland bekannt. Die Terrorgruppe teilte mit, Wachmann David Black erschossen zu haben, weil er im Vollzug des Hochsicherheitsgefängnisses Maghaberry südwestlich von Belfast gearbeitet habe. Das berichtete die Zeitung "Irish News".

Der 53 Jahre alte Gefängnisaufseher wurde am 1. November auf dem Weg zur Arbeit in seinem Auto erschossen. Etwa 40 Mitglieder der irischen Untergrundorganisation sind in Maghaberry inhaftiert. Sie protestieren seit mehr als einem Jahr gegen Leibesvisitationen, bei denen sie sich nackt ausziehen müssen.

Der Sinn-Féin-Politiker Gerry Kelly verurteilte die Tat der neuen IRA. Für derartige Gruppen gebe es in der Gesellschaft keinen Platz - egal, als was sie sich selbst bezeichnen, sagte er laut "Irish News".

Die Partei Sinn Féin galt einst als politischer Arm der IRA und spielte in den Friedensverhandlungen eine wichtige Rolle. 1998 hatte die Irisch-Republikanische Armee unter dem sogenannten Good Friday Agreement angekündigt, ihre Waffen abzugeben. Ein Ende des bewaffneten Kampfs folgte im Jahr 2005.

Mit der Gründung der neuen IRA im Juli dieses Jahres schlossen sich zum ersten Mal seit dem Friedensschluss zwischen Protestanten und Katholiken verbliebene terroristischen Organisationen Nordirlands zusammen. Hinter der neuen IRA stecken verschiedene republikanische Splittergruppen, darunter die sogenannte Wahre IRA, die Republikanische Aktion gegen Drogen und eine Koalition unabhängiger bewaffneter Gruppierungen. Nach Schätzungen beläuft sich das Personenpotential auf rund 600 Aktive. Die ursprüngliche IRA soll auf dem Höhepunkt bis zu 750 Personen unter Waffen gehabt haben.

sun/dapd