Nordirland Protestantenführer Paisley zieht sich zurück

40 Jahre war Ian Paisley eine prägende Persönlichkeit in Nordirlands Politik. Er galt als protestantischer Hardliner und führte später eine Regierung mit den einst verhassten Katholiken. Nun kündigt Paisley seinen Rückzug an - er verzichtet auf seinen Sitz im britischen Parlament.

Ian Paisley im März 2007: "Nebelhorn Gottes"
REUTERS

Ian Paisley im März 2007: "Nebelhorn Gottes"


Belfast - Einige Anhänger nennen ihn "das Nebelhorn Gottes", andere rufen ihn den "Big Man". Nach vier Jahrzehnten im britischen Parlament tritt der nordirische Protestantenführer Ian Paisley ab. Er werde bei der nächsten Parlamentswahl im Sommer nicht mehr kandidieren, sagte der 83-Jährige in einem Interview mit der Zeitung "Ballymena Guardian".

Paisley hatte seit 1970 den nordirischen Wahlbezirk Antrim Nord im britischen Parlament vertreten. Jahrzehntelang lehnte der Vertreter einer harten pro-britischen Linie jegliche Zugeständnisse an pro-irische Gruppierungen in der Provinz ab. Erst gegen Ende seiner Karriere schloss er sich den Friedensbemühungen an. 2007 wurde er Erster Minister in einer Regierung, in der auch die Partei Sinn Fein vertreten war, der einstige politische Arm der Untergrundorganisation IRA.

Nordirland wird seither von pro-britischen Protestanten und pro-irischen Katholiken gemeinsam regiert. 2008 gab Paisley das Amt des nordirischen Regierungschefs an Peter Robinson ab - der seinerseits durch eine Affäre seiner Frau jüngst in die Schlagzeilen geriet. Den Vorsitz der protestantischen Democratic Unionist Party (DUP) hatte Paisley 2008 ebenfalls niedergelegt.

Er bedauere seine Entscheidung nicht, zusammen mit der katholischen Sinn Fein zu regieren, sagte Paisley in dem Interview. "Nach einer langen Zeit harter Verhandlungen habe ich verstanden, dass die große Mehrheit der Nordiren das Abkommen wollte, als unsere Bedingungen erfüllt waren."

Paisleys Wahlkreis bleibt voraussichtlich in der Familie: Favorit auf seine Nachfolge bei der im Mai erwarteten Wahl ist sein Sohn Ian.

kgp/AFP/apn/Reuters



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