Nordirland Sinn Fein erkennt nordirische Polizei an

Jahrzehntelang haben nordirische Nationalisten die Polizei als Instrument britischer Herrschaft abgelehnt. Die Katholiken-Partei Sinn Fein hat in diesem Punkt nun eingelenkt und damit eine Bedingung für die Regierung mit den Protestanten erfüllt.


Dublin - Die große Mehrheit von 900 Delegierten eines Sinn-Fein-Parteitages stimmte damit am Sonntag in Dublin der Beteiligung an den Sicherheitsorganen der weitgehend autonomen Region Nordirland zu. Die "bedeutende Entscheidung" sei "im nationalen Interesse" gefallen, sagte Sinn-Fein-Chef Gerry Adams.

Applaus der Sinn Fein-Mitglieder: Schritt zur Autonomie Nordirlands
AP

Applaus der Sinn Fein-Mitglieder: Schritt zur Autonomie Nordirlands

Die Kooperation der irisch-nationalistischen Sinn Fein mit der überwiegend von probritischen Protestanten gebildeten Polizei ist einer der Hauptpunkte im neuen britisch-irischen Friedensplan für Nordirland. Im Gegenzug soll sich die Democratic Unionist Party (DUP) des radikalen Pfarrers Ian Paisley zur Zusammenarbeit mit Sinn Fein bereit erklären. Sinn Fein und DUP sind die jeweils größten Parteien der Katholiken und Protestanten in Nordirland. Ohne sie kann es keine Selbstverwaltung geben.

Adams sagte nach der Abstimmung, die Entscheidung gebe Sinn Fein politische Stärke. Nun müssten aber auch andere im nationalen Interesse handeln. Die Entscheidung war unter den nordirischen Katholiken sehr umstritten. Adams und sein Chefverhandler Martin McGuiness hatten im Vorfeld Morddrohungen erhalten. Anhänger katholischer Splittergruppen demonstrierten am Rande der Versammlung gegen ein Einlenken von Sinn Fein. Ein Bericht des Polizei-Ombudsmanns für Nordirland hatte wenige Tage zuvor ergeben, dass die nordirische Polizei in den 90er Jahren in mindestens zehn Mordfälle verwickelt gewesen sei und bei Verbrechen protestantischer Paramilitärs oft die Augen zugedrückt habe.

Protestanten und Katholiken hatten nach dem Karfreitagsabkommen von 1998 eine gemeinsame Regionalregierung gebildet, die allerdings im Jahr 2002 wieder aufgelöst wurde. Seitdem steht die Krisenprovinz wieder unter direkter Verwaltung Großbritanniens.

Sinn Fein ist der politische Arm der Untergrundorganisation IRA. Deren 30-jähriger gewaltsamer Kampf gegen die britische Herrschaft kostete nahezu 300 Polizisten das Leben. Insgesamt wurden während dieser Zeit mehr 3600 Menschen Opfer der Unruhen in Nordirland.

Die britische und die irische Regierung hoffen, dass eine neue Regionalregierung bis zum 26. März die Arbeit aufnimmt. Vor vier Jahren war die alte, parteiübergreifende Regierung nach einem Spionageskandal auseinandergebrochen. Die Regionalversammlung aus pro-britischen Protestanten und pro-irischen Katholiken wurde aufgelöst.

reh/dpa/AP/Reuters



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