Nordirland Vier Verdächtige nach Autobombenanschlag freigelassen

Vier Männer, die im Zusammenhang mit einem Anschlag in Nordirland festgenommen wurden, sind wieder auf freiem Fuß. Ein Verdächtiger befindet sich weiter in Gewahrsam.

Tatort in Londonderry
DPA

Tatort in Londonderry


Am Sonntag waren fünf Männer nach der Explosion einer Autobombe im nordirischen Londonderry festgenommen worden. Nun sind vier von ihnen wieder auf freiem Fuß. Ein 50-jähriger Verdächtiger bleibe aber weiter in Gewahrsam, teilte die nordirische Polizeibehörde PSNI mit. Die Männer waren unter dem Verdacht festgenommen worden, der militanten Gruppierung Neue IRA anzugehören.

Der Sprengsatz war am Samstagabend im Zentrum Londonderrys vor einem Gericht detoniert. Verletzt wurde niemand - wohl auch deshalb, weil 15 Minuten vor der Explosion eine Warnung bei den Behörden eingegangen war und umliegende Gebäude geräumt wurden.

Videoaufnahmen zeigten, wie gefährlich die Lage war: Noch wenige Minuten vor dem Anschlag ging eine Gruppe von Menschen an dem Fahrzeug vorbei. Am Montag versetzte dann der Raub zweier Autos durch bewaffnete und maskierte Männer die Polizei erneut in Alarmbereitschaft. Einer der Wagen wurde vorsichtshalber kontrolliert gesprengt.

Das Geschehen in Londonderry erinnert an jene dunklen Jahrzehnte, während derer die IRA einen Guerillakrieg gegen den britischen Staat und protestantische Paramilitärs führte. Unklar ist, ob ein Zusammenhang mit den laufenden Brexit-Verhandlungen besteht. Befürchtet wird, dass die Einführung von Grenzkontrollen zwischen der auch künftig zur EU gehörenden Republik Irland und dem britischen Nordirland die Gewaltspirale in der Ex-Bürgerkriegsregion wieder in Gang setzt.

In Nordirland hatten sich jahrzehntelang irisch-katholische Nationalisten und protestantische Loyalisten bekämpft. 3500 Menschen starben in dem Konflikt. Die Stadt Derry, die von den Protestanten Londonderry genannt wird, war 1972 Schauplatz des "Bloody Sunday". Damals schossen britische Soldaten auf unbewaffnete Teilnehmer einer nicht genehmigten Demonstration. 14 Menschen wurden getötet.

Der Nordirland-Konflikt wurde 1998 durch das Karfreitagsabkommen beendet. Es sichert unter anderem eine Aufteilung der Macht zwischen Protestanten und Katholiken zu. Die IRA, die jahrzehntelang gewaltsam für eine Loslösung Nordirlands von Großbritannien gekämpft hatte, schwor der Gewalt 2005 offiziell ab.

cte/dpa



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