Nordirlandkonflikt IRA nimmt Abrüstungsgespräche wieder auf

Nach neunmonatiger Auszeit kommt langsam wieder Bewegung in den Nordirlandkonflikt. Die IRA sucht jetzt wieder das Gespräch in Sachen Abrüstung.


Belfast - Kurz vor dem Beginn neuer Verhandlungen zwischen den wichtigsten Konfliktparteien Nordirlands teilte die "Irisch-Republikanische Armee" mit, ihr Beauftragter habe den Kontakt zu der internationalen Entwaffnungskommission wieder hergestellt. Diese unabhängige Beobachtergruppe unter Leitung des kanadischen Generals John de Chastelain soll die Entwaffnung aller paramilitärischen Gruppen in Nordirland überwachen.

In der Nähe von Belfast verhandelten am Donnerstag der britische Premierminister Tony Blair und dessen irischer Amtskollege Bertie Ahern sowie die Spitzenpolitiker der britisch-protestantischen und der republikanisch-katholischen Parteien Nordirlands. Sie wollten erstmals seit Herbst vergangenen Jahres wieder gemeinsam nach einem Ausweg aus der Sackgasse suchen, in die der 1998 beschlossene Friedensprozess geraten ist. Politiker aller Seiten hatten vor den Verhandlungen am Runden Tisch klar gemacht, dass sie noch nicht mit einem Durchbruch rechnen.

Die pro-britischen Unionisten unter Führung der Ulster Unionist Party von David Trimble fordern vor allem, dass die IRA sich bereit erklärt, ihre Waffen abzugeben. Wegen der bisherigen Weigerung der IRA, die Gespräche mit General de Chastelain wieder aufzunehmen, hatte Trimble als Chef der nordirischen Regionalregierung zwei Minister der IRA-nahen Sinn-Fein-Partei von routinemäßigen Gesprächen mit der Republik Irland ausgeschlossen.

IRA und Sinn Fein werfen der britischen Regierung vor, nach wie vor eine Reform der nordirischen Polizei, die protestantisch dominiert wird, zu verhindern. Sie fordern auch einen Abzug der britischen Soldaten aus Nordirland.



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