Nordkorea Ältester Diktatorsohn stellt Kim-Dynastie in Frage

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il hat seinen jüngsten Sohn als Nachfolger auserkoren, seine Propagandamaschine inszeniert die Machtübergabe minutiös. Doch jetzt funkt ausgerechnet ein Familienmitglied dazwischen: Kims ältester Sohn kritisiert öffentlich die Erbdynastie.


Tokio - Diese Äußerung könnte dem ältesten Sohn von Nordkoreas Diktator Kim Jong Il Probleme einbringen: Der japanische Fernsehsender Asahi zeigte an diesem Dienstag eine Interview-Sequenz, in der Kim Jong Nam die Erbdynastie der Kims in Frage stellt. Das Gespräch wurde den Angaben zufolge am Samstag in Peking aufgezeichnet.

Demnach soll der Diktatorsohn gesagt haben, er sei gegen eine Vererbung der Macht in die dritte Generation seiner Familie. "Persönlich bin ich gegen eine erbliche Nachfolgeregelung über drei Generationen. (...) Aber ich denke, es gibt einen internen Grund dafür. Wenn das so ist, müssen wir das wohl befolgen", wird Kim Jong Nam zitiert.

Seine Erklärung hat einen aktuellen Anlass: Erst vor wenigen Wochen war auf einem großen Parteikongress in Nordkorea Kim Jong Ils jüngster Sohn Kim Jong Un zum General ernannt worden. Beobachter werten den Schritt als klares Zeichen dafür, dass Kim Jong Un als Nachfolger für den erkrankten Kim Jong Il in Stellung gebracht wird. Am Sonntag wurde Kim Jong Un schließlich bei einer pompösen Militärparade zum 65. Jahrestag der Gründung der kommunistischen Partei ins Rampenlicht gerückt.

Kim Jong Un soll offenbar nächster Diktator von Nordkorea werden - dabei war sein älterer Halbbruder Kim Jong Nam selbst lange für die Nachfolge vorgesehen. Er fiel allerdings mehrfach durch unangemessenes Benehmen auf und soll seinen Vater damit verärgert haben. So ließ er sich im Jahr 2001 dabei erwischen, wie er mit einem gefälschten Pass nach Japan einreiste - angeblich um mit seiner Familie das Disneyland in Tokio zu besuchen. In Berichten wird er als "Lebemann", "Halunke" und "Playboy" verspottet, der jahrelang in einem Luxushotel im südchinesischen Spielerparadies Macau lebte und in Drogenschmuggel- und Geldwäscheskandale verwickelt sein soll.

Mehreren Berichten zufolge soll der 39-Jährige inzwischen aber wieder in Nordkorea leben und angeblich auch ein Parteiamt innehaben. Im vergangenen Jahr soll er - ebenfalls bei einem Ausflug nach China - in einem Interview erklärt haben, er habe "kein Interesse" an der Nachfolge seines Vaters.

Kim Jong Nam entstammt einer Verbindung des Diktators mit der Schauspielerin Sung Hae Rim, die 2003 in Moskau starb.

anr/AP/AFP



insgesamt 18 Beiträge
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blackcyclist2010 12.10.2010
1. Kommunistische Monarchie
Diese Familie hat echt das Rad ab, das ist ungefähr so, als wenn die Flodders die Niederlande seit 30 Jahren regieren würden. Gummistiefel statt High Heels wären mittlerweile wohl Pflicht. Viel übrig hatte ich für das Kommunistenpack sowieso nie, aber kann mal jemand nachschauen, ob Marx im Grab rotiert? Erbmonarchie und feudalistische Verhältnisse in der letzten (bröckeligen) Bastion des Weltkommunismus, so hat er sich die Herrschaft der Arbeiterklasse bestimmt nicht vorgestellt. Wenn mann dann noch die feisten Gesichter der verkommenen Familie sieht, möchte man nur noch kotzen.
forumgehts? 12.10.2010
2. Ach wie schön!
Zitat von sysopNordkoreas Diktator Kim Jong Il hat seinen jüngsten Sohn als Nachfolger auserkoren, seine Propagandamaschine inszeniert die Machtübergabe minutiös. Doch jetzt funkt ausgerechnet ein Familienmitglied dazwischen: Kims ältester Sohn kritisiert öffentlich die Erbdynastie. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,722560,00.html
Gift oder Dolch? Und wer wen? Wir warten!
dilletantes 12.10.2010
3. Antititel
Ist er nun sauer über die Erbfolge, weil er frisches Blut in der Regierung haben will, oder weil er nicht den nächsten Regierungschef mimen darf?
dborrmann, 12.10.2010
4. Arm im Geiste....
unglaubliche Armut; man sollte es nicht für möglich halten, wie dort die Neurosen, Psychosen und Persönlichkeitsstörungen von wenigen Menschen mit ungeheuren Mitteln gezüchtet und gepflegt werden.
Skysurfer42 12.10.2010
5. *hust*
Wenigstens sind sie alle "wohlgenährt" und sind damit ein gutes Beispiel für ihre Untertanen sich auch reichlich und gesund zu ernähren...oh wait... Hübsch sind sie auch noch...der Vergleich oben mit den Flodders gefällt mir sehr hehe
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