Reaktion auf Nordkorea Trump verspricht Südkorea Rüstungsdeal in Milliardenhöhe

US-Präsident Trump hat sich mit Südkoreas Präsident und Bundeskanzlerin Merkel über den Konflikt mit Pjöngjang ausgetauscht. Das Ergebnis: Südkorea darf massiv aufrüsten. Merkel warb weiter für eine friedliche Lösung.

Getty Images

Nach dem nordkoreanischen Atomwaffentest wollen vor allem die USA mit den "härtestmöglichen Maßnahmen" gegen die Führung in Pjöngjang vorgehen - unter anderem mit einer massiven Aufrüstung Südkoreas. US-Präsident Donald Trump stimmte sich am Montag in Telefonaten mit seinem südkoreanischen Kollegen Moon Jae In und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ab.

Mit Moon Jae In verständigte sich Trump auf mehrere konkrete Schritte: Bereits am Samstag wurde vereinbart, die sogenannte Nutzlastbeschränkung für südkoreanische Raketen aufzuheben. Bislang galt für ballistische Raketen des Landes eine Obergrenze von 500 Kilogramm Nutzlast. Darüber hinaus gab das Weiße Haus am Montag bekannt, dass Seoul "für etliche Milliarden Dollar Rüstungsgüter" in den USA kaufen dürfen soll. Dafür habe Trump seine grundsätzliche Zustimmung gegeben. Eine genaue Summe und um welche Rüstungsgüter es sich handelt, wurde nicht bekannt. Unterdessen warb der südkoreanische Verteidigungsminister dafür, amerikanische Atomwaffen wieder auf die koreanische Halbinsel zu verlegen. Dies berichtete die "Washington Post".

South Korean Defense Ministry/Getty Images

Das Regime in Nordkorea hatte am Sonntag seinen sechsten und bisher stärksten Atomwaffentest durchgeführt, Angaben aus Pjöngjang zufolge soll es sich um eine Wasserstoffbombe gehandelt haben. Das Weiße Haus teilte dazu mit, Trump wolle zur Verteidigung der USA und ihrer Verbündeten "die volle Bandbreite der diplomatischen, konventionellen und nuklearen Möglichkeiten" einsetzen. Auf die Frage eines Reporters, ob er einen Militärangriff auf Nordkorea plane, entgegnete Trump am Sonntag: "Wir werden sehen."

Merkel: "Inakzeptable Eskalation"

Merkel und Trump seien sich bei ihrem Gespräch einig gewesen, "dass der Test einer Wasserstoffbombe eine neue und inakzeptable Eskalation bedeutet", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Beide hätten zudem die Auffassung vertreten, dass die internationale Gemeinschaft "den Druck auf das Regime in Nordkorea weiter erhöhen" und der Uno-Sicherheitsrat "rasch weitere und verschärfte Sanktionen beschließen" müsse.

Fotostrecke

6  Bilder
Konflikt mit Nordkorea: So bereitet sich der Süden vor

Merkel warb zwar weiterhin für eine friedliche Lösung des Konflikts. Sie bestätigte aber, dass sich Deutschland in der Europäischen Union für zusätzliche, harte Sanktionen gegen Nordkorea einsetzen werde. Ziel bleibe es, "Nordkorea von seinem völkerrechtswidrigen Verhalten abzubringen". Zuvor hatte auch Merkel mit dem südkoreanischen Präsidenten telefoniert.

Der Uno-Sicherheitsrat beriet am Montag in New York über mögliche neue Strafmaßnahmen gegen Nordkorea. China mahnte zu wohlüberlegten Schritten: "Wir werden keinen Krieg und Chaos in Nordkorea zulassen", sagte der chinesische Uno-Botschafter. Die Abstimmung über einen neuen Resolutionsentwurf der USA ist für den kommenden Montag geplant.

Nordkoreakonflikt - die Akteure

Für Details bitte die Länder klicken oder tippen.

Ihre Geduld sei begrenzt, sagte Nikki Haley, US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Aus ihrer Sicht setzt Nordkorea weiter auf Provokation. Nur mit den "schärfsten Sanktionen" könne es gelingen, "dieses Problem auf diplomatischem Weg zu lösen", sagte Haley. Dass die bisherigen Strafmaßnahmen keinen Erfolg gebracht haben, lässt für Haley einen Schluss zu: Nordkoreas Diktator "bettelt um Krieg".

Am Dienstag übte Südkorea diesen Ernstfall nochmals. Bei neuen Militärübungen hätten Kriegsschiffe Schießübungen im Japanischen Meer (koreanisch: Ostmeer) durchgeführt, wie die Marine mitteilte. Zweck der Manöver sei gewesen, sofort auf potenzielle Provokationen Nordkoreas antworten zu können. An den Übungen hätten unter anderem eine 2500-Tonnen-Fregatte, Raketenschiffe und Schnellboote teilgenommen.

Welche Möglichkeiten die Weltgemeinschaft jetzt noch hat und welche Rolle China spielt, lesen Sie hier im Überblick.

mja/AFP/dpa/Reuters

insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
winki 05.09.2017
1. Nun wissen wir es ganz genau
Die echten Kriegstreiber und damit auch Gewinner sind die Rüstungsindustrie der USA. Es wäre interessant mal zu hören wieviel hochrangige Politiker in Amerika mit diesem Industriezweig verbandelt sind. Wobei, hier ist dass nicht viel anders. Ein ehemaliger Verteidigungsminister sitzt im Aufsichtsrat bei Rheinmetall, Deutschlands Rüstungsschmiede Nummer 1.
markoschmidt 05.09.2017
2. Geschäft
Krieg ist ein Geschäft, das gilt heute in einer angeblich zivilisierteren Welt mehr denn je.
Pfaffenwinkel 05.09.2017
3. Noch mehr Waffen
und noch mehr Waffen. Etwas anderes fällt den Amerikanern nicht ein.
simonweber1 05.09.2017
4. Das
ist genau das Gegenteil von Diplomatie und den Versuch deeskalierend zu wirken. Das gleiche hat Trump schon mit Saudi Arabien vorexerziert. Auch hier milliardenschwere Waffendeals zu Gunsten der US Rüstungsindustrie. Besser wäre es Trump würde auf Russland und China hören und eine diplomatische Lösung bevorzugen.
dros 05.09.2017
5. Wie selbstlos von den USA
Einfach netterweise mal ein paar Waffen für ein paar Milliarden Dollar zu verkaufen. Wirklich echte Menschenfreunde.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.