Chinas Botschafter im Uno-Sicherheitsrat "Werden keinen Krieg in Nordkorea zulassen"

Im Nordkorea-Konflikt mahnt China Pjöngjang, das Atomprogramm auszusetzen - die USA und Südkorea sollen ihrerseits auf Militärmanöver verzichten. Die USA konterten, Kim Jong Un "bettelt um Krieg".
Liu Jieyi

Liu Jieyi

Foto: imago/ Xinhua

Die USA drängen nach Nordkoreas Atomwaffentest auf härtere Sanktionen gegen Pjöngjang, China mahnt hingegen zu wohlüberlegten Schritten. Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen warb der chinesische Uno-Botschafter erneut für ein zweigleisiges Vorgehen: Pjöngjang soll sein Atom- und Raketenprogramm aussetzen und die USA sowie Südkorea gleichzeitig ihre gemeinsamen Militärübungen in der Region unterlassen.

Die USA sehen das allerdings anders: Aus ihrer Sicht sind ihre öffentlichen Manöver nicht mit den Waffenprogrammen Nordkoreas vergleichbar. Denn die sind geheim und dazu noch per Uno-Resolution verboten.

Der chinesische Uno-Botschafter Liu Jieyi forderte Nordkorea im Sicherheitsrat erneut auf, weitere "falsche Handlungen" zu unterlassen. Allerdings appellierte er an Nordkorea und die USA, Pekings Vorschlag zur Deeskalation doch noch zu überdenken. "Wir werden keinen Krieg und Chaos in Nordkorea zulassen", sagte er.

Die Sitzung erfolgte auf Antrag der USA, Frankreichs, Großbritanniens, Japans und Südkoreas, nachdem Nordkorea am Sonntag seinen sechsten und bisher gewaltigsten Atomwaffentest vorgenommen hatte.

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Ihre Geduld sei begrenzt, sagte Nikki Haley, US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Aus ihrer Sicht setzt Nordkorea weiter auf Provokation. Nur mit den "schärfsten Sanktionen" könne es gelingen, "dieses Problem auf diplomatischem Weg zu lösen", sagte Haley.

Haley wählte aber noch drastischere Worte: Nordkoreas Diktator "bettelt um Krieg", sagte sie. Die bisherigen Sanktionen hätten ihrer Ansicht nach kaum Wirkung gezeigt. Stattdessen sei das nordkoreanische Nuklearprogramm inzwischen noch weiterentwickelt worden und "gefährlicher als je zuvor". Krieg sei nie etwas, das die USA wollten. "Wir wollen den Krieg jetzt nicht. Aber unsere Geduld ist nicht unendlich."

Russlands Uno-Botschafter Wassili Nebensja sagte: "Wir müssen unbedingt einen kühlen Kopf bewahren und ein Vorgehen vermeiden, das zu weiteren Spannungen führen kann." Der Konflikt sei militärisch nicht zu lösen. Man dürfe sich nicht von Emotionen übermannen lassen. Der Konflikt habe ein gefährliches Stadium erreicht.

Merkel fordert Sanktionen

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert schärfere Sanktionen gegen das weitgehend isolierte Land. Merkel und der südkoreanische Präsident Moon Jae In hätten am Nachmittag miteinander telefoniert, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Sie verurteilten demnach "die erneute Provokation durch das Regime in Pjöngjang, mit der eine neue Dimension des Konflikts erreicht sei". Angesichts der "uneinsichtigen und konfrontativen Haltung Nordkoreas" hätten sich Merkel und Moon dafür ausgesprochen, dass die internationale Gemeinschaft "zügig weitere und verschärfte Sanktionen beschließt".

mho/Reuters/AP