Nordkorea "Der Sieg im Nuklearkonflikt wird unser sein"

Die Kriegsrhetorik verschärft sich zusehends. Nordkorea "wird einen nuklearen Krieg gewinnen", droht das Regime den USA. Die Bush-Regierung arbeitet angeblich bereits an einem Sanktionsplan gegen Nordkorea.


Mächtiges Drohpotenzial: Atomreaktor Kumho in Nordkorea
AFP

Mächtiges Drohpotenzial: Atomreaktor Kumho in Nordkorea

Seoul - Der amtliche nordkoreanische Radiosender meldete: "Der Sieg in einem nuklearen Konflikt wird unser sein und die rote Flagge einer Politik, in der die militärische Komponente Vorrang hat, wird umso energischer flattern", berichtet die südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. "Unser Sieg ist sicher und die Zukunft umso leuchtender", tönt es aus dem Radio.

Der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung warnte den Norden vor einem atomaren Wettrüsten. Nordkorea solle "nicht einmal im Traum daran denken, sich Atomwaffen zuzulegen." Kim Dae Jung rief die USA zu direkten Gesprächen auf, die auch Nordkorea fordert. Der Konflikt bestünde nur mit Amerika und könne auch nur mit einem direkten Gespräch gelöst werden, heißt es aus Pjöngjang.

Die internationalen Bemühungen um eine Lösung des Konflikts dauern an. Nachdem dieses Problem auch im Uno-Sicherheitsrat besprochen wurde, favorisiert dieser nun ein aggressiveres Vorgehen. Der Sicherheitsrat könnte Nordkorea Sanktionen aufbürden, die ständigen Mitglieder China und Russland sprechen sich als traditionelle Verbündete allerdings für eine diplomatische Lösung aus. Im Falle von Sanktionen droht Pjöngjang mit Krieg.

Nach Angaben der "New York Times" bereiten die USA schon Sanktionen gegen Nordkorea vor, die das Land zur Aufgabe seines Atomprogramms zwingen sollen. Unter Berufung auf Washingtoner Regierungsbeamte berichtet das Blatt, es werde daran gedacht, nordkoreanische Waffenlieferungen per Schiff zu stoppen und Geldsendungen von in Japan lebenden Koreanern in die Heimat zu unterbinden. Diese Sanktionen sollen aber noch nicht "bald" in die Tat umgesetzt werden - wegen des Widerstandes anderer pazifistischer Staaten. Die USA wollen diese Pläne aber für alle Fälle fertig haben, falls Nordkorea sein Atomwaffenprogramm weiter aggressiv vorantreibt.

Der Führer Kim Jong II beschuldigt die USA, einen Angriff auf das asiatische Land zu planen. Washington hingegen streitet dies ab, gibt aber bekannt, dass die USA im nächsten Monat, zusammen mit Südkorea, eine Militärübung ausführen werden. Es werde ein "Angriff von außen" geübt, wie die US-Streitkräfte mitteilten. In Südkorea sind 37.000 US-Soldaten stationiert.

Der englische "Sunday Telegraph" berichtete am Sonntag, dass die kommunistische Regierung vier neue Atomkraftwerke bauen will. Allerdings betont Kim Jong II, dass, ebenso wie in den bestehenden Kraftwerken, auch in den neuen keine Waffen gebaut werden sollen.

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AP

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Der Streit über Pjöngjangs Atomprogramm begann im Oktober vergangenen Jahres. Nordkorea gab zu, heimlich Pläne für eine Uran-Anreicherung zu verfolgen. Dann warf die Regierung die Waffeninspektoren aus dem Land und trat aus dem Atomwaffensperrvertrag von 1994 aus. Der erneute Beginn des Atomprogramms wurde mit einem Stromdefizit begründet, dass die Amerikaner zu verschulden hätten, da sie ihre Öllieferungen stoppten. Die Atomanlagen würden nur für Stromerzeugung genutzt, beteuert Nordkorea.

Nordkorea gilt als Land mit der militarisiertesten Gesellschaft überhaupt. Eine Million Soldaten bedeuten die fünftgrößte Armee der Welt. Jährlich verbraucht das kommunistische Land ein Militärbudget von über fünf Milliarden Dollar. Nach CIA-Angaben sind das über 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.



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