Konflikt in Fernost Nordkoreas gefährliches Spiel mit der H-Bombe

Gegenseitige Beleidigungen und Bedrohungen: Der Atomkonflikt mit Nordkorea könnte eine neue Eskalationsstufe erreichen. Kim Jong Un droht mit dem Test einer Wasserstoffbombe. Die wichtigsten Antworten.

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US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un haben den Atomkonflikt mit weiteren Beleidigungen und Drohungen noch einmal angeheizt. Als Reaktion auf Trumps kriegerische Töne kündigte der nordkoreanische Außenminister an, der nächste Atomtest Nordkoreas könne die "stärkste Explosion einer Wasserstoffbombe" im Pazifischen Ozean bringen.

Trump legte am Freitag nach: "Kim Jong Un, der offensichtlich ein Verrückter ist und dem es nichts ausmacht, seine eigenen Leute verhungern zu lassen, wird geprüft wie niemals zuvor!", schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter. Der Präsident spielte damit offensichtlich auf die neuen Sanktionen gegen Nordkorea an, die er am Vortag verhängt hatte.

Kanzlerin Angela Merkel bot am Freitag erneut an, in dem Konflikt zu vermitteln. "Wir alle sind beunruhigt, wenn wir sehen, was für Atomtests in Nordkorea durchgeführt werden", sagte sie bei einem Wahlkampfauftritt. "Aber auch hier, gerade mit Blick auf Nordkorea, sage ich ganz eindeutig: Hier gibt es nur eine diplomatische Lösung, alles andere führt ins Unglück. Deshalb ist Deutschland und auch Europa bereit, hier mitzuhelfen, diesen Konflikt zu lösen."

Ihr Regierungssprecher Steffen Seibert sprach von einer "Eskalation der Rhetorik". "Die Staatengemeinschaft habe sich aus guten Gründen schon in den Sechzigerjahren geeinigt, keine atmosphärischen Nuklearwaffentestes mehr durchzuführen." Wenn diese Einigkeit nun durchbrochen würde, wäre das "eine neuerliche und ungeheuerliche Steigerung des schon jetzt verantwortungslosen Vorgehens Nordkoreas".

Doch was würde passieren, wenn Nordkorea seine jüngste Drohung umsetzte - die wichtigsten Fragen im Überblick:

Wäre der Test eine neue Eskalationsstufe im Nordkorea-Konflikt?

Ja. Bisher hat Nordkorea sechs Atomtests unternommen - auf eigenem Territorium. Zwei Mal sollen dabei nach nordkoreanischen Angaben Wasserstoffbomben getestet worden sein. Der Uno-Sicherheitsrat hat jeweils mit der Verschärfung von Sanktionen gegen Pjöngjang reagiert. Die Verlegung eines Tests in den Pazifik wäre ein deutliches Warnsignal an die USA. Wo solch ein Test erfolgen soll, wie er technisch durchführbar wäre und ob über dem Pazifik oder unter Wasser, ist allerdings unklar.

Kim Jong Un inspiziert laut Nordkorea eine Wasserstoffbombe
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Kim Jong Un inspiziert laut Nordkorea eine Wasserstoffbombe

Was genau ist denn eine Wasserstoffbombe?

Die erste Wasserstoffbombe, auch H-Bombe genannt, wurde in den USA entwickelt und 1952 im Pazifik gezündet. Ihre Sprengkraft geht weit über die von Atombomben hinaus. Während diese ihre Zerstörungskraft aus der Spaltung von Uran- oder Plutoniumkernen beziehen, beruht das Prinzip der Wasserstoffbombe auf der Verschmelzung von Kernen des Elements Wasserstoff zu Helium - vergleichbar mit den physikalischen Prozessen auf der Sonne. Weil zur Zündung einer H-Bombe extrem hohe Temperaturen nötig sind, kommt eine Atombombe zum Einsatz. Allerdings ist fraglich, ob Nordkorea überhaupt über diese Massenvernichtungswaffe verfügt.

Was hätte das für Auswirkungen?

Neben den geopolitischen Konsequenzen wären von einem Test über dem Pazifik auch Mensch und Natur betroffen. Radioaktivität kann zu Zellmutationen und damit zu Krebs führen. Im Meer werden Fische und andere Lebewesen kontaminiert. Radioaktivität könnte so in die Nahrungskette gelangen.

Wie würden die USA und andere reagieren?

Das ist unklar. Washington hat Nordkorea mit einem Militärschlag gedroht, sollte es die USA oder einen Verbündeten angreifen. Eine mögliche Reaktion hängt davon ab, ob die Regierung von Präsident Donald Trump die Zündung als Provokation oder als Angriff werten würde. Auch für China wäre es die bisher gefährlichste Provokation Nordkoreas. Peking müsste reagieren und könnte die Sanktionen entscheidend verstärken. Südkorea hat sich bislang noch nicht zu möglichen Folgen geäußert.

brk/dpa



insgesamt 13 Beiträge
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balouchen 22.09.2017
1. keine diplomatische Lösung in Sicht
Ich denke eher, dass man diplomatische Lösungen mit China für den Fall finden sollte. Man sollte eher mit China einen Deal machen, dass Nordkorea nach einem Militärschlag entmilitarisiert bleibt, oder unter chinesische Verwaltung gestellt wird. Vielleicht könnte man unter diesen Voraussetzungen sogar die Chinesen dafür gewinnen, bei einem Militärschlag mitzuwirken. Ziel muss sein, das Kim-Regime möglichst chirurgisch auszuschalten. Die Übermacht muss einfach mörderisch sein, damit Nordkorea nicht wirklich reagieren kann. Ich denke, es.ist auch viel aufgepumpte Show bei der nordkoreanischen Militärmacht dabei. Auch beim Irak hat man gedacht, man würde auf extremen Widerstand treffen. Das Gegenteil war der Fall. Ich denke, auch hier wäre es so. Die nordkoreanische Armee hat zwar auf dem Papier viele Soldaten. Die Ausstattung der Armee dürfte aber eher jämmerlich sein..
rips55 22.09.2017
2. Alles hängt an China.....
Ich hätte das niemals für möglich gehalten aber ich denke, dass nur China in der Lage ist, die Situation wirklich zu entschärfen. China muss seinen Einfluss auf Pjöngjang nutzen und zur Not mit Ultimaten Druck aufbauen, um Kim zur Vernunft zu bringen. Es steht zu befürchten, dass dieser mit einer "alles auf eine Karte"-Haltung sein Gesicht wahren will und dafür sogar die Vernichtung seiner eigenen Bevölkerung in Kauf nimmt. Trump hat dagegen schon im Wahlkampf angedeutet, dass er die Atomwaffen auch durchaus mal einsetzen würde. Möglicherweise könnte hier eine Vermittlung durch China etwas Druck aus dem Kessel nehmen. Europa wird hier nichts ausrichten können - wir sind zum Zuschauen verdammt.
123Valentino 22.09.2017
3. Endlich ...,,
hat Trump einen Staatsführer gefunden, der sich auf gleichem Niveau mit ihm unterhält.
Japhyryder, 22.09.2017
4. Gefährliches Gerede
Wenn dieser Konflikt in einen atomaren Schlagabtausch eskaliert - dann "gute Nacht". Ich finde die Situation extrem gefährlich. Ich fürchte, dass dann Länder und Regionen hineingezogen werden, die sich jetzt noch vermeintlich sicher fühlen. Ein Atomkrieg hat globale Ausmaße. Es muß gelingen mit Nordkorea in einen Dialog zu treten.
MiniDragon 22.09.2017
5. Endlich
könnte dabei auch untersucht werden, welche Folgen so eine Wasserstoffbombenexplosion mit ihrem elektromagnetischen Impuls für die verschiedenen Smartphone- Typen hat. https://www.heise.de/tp/features/Schutz-vor-einem-EMP-Angriff-3222031.html
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