SPIEGEL ONLINE

Luxuszüge der Kim-Dynastie Rail Force One

Holzfußboden, Hummer, französischer Rotwein: In den Zügen der nordkoreanischen Diktatorenfamilie soll es luxuriös zugehen. Einer davon ist nun nach China gefahren - vielleicht sogar mit Kim Jong Un an Bord.

Die Brücke, die die chinesische Stadt Dandong und das nordkoreanische Sinuiju verbindet, heißt offiziell "Freundschaftsbrücke". Sie führt über den Fluss Yalu, Fußgänger sind darauf nicht erlaubt. Fast alle Nordkoreaner, die vor der Diktatur in ihrer Heimat flüchten, versuchen es über diesen Fluss nach China - im Sommer schwimmen sie, im Winter hoffen sie, dass das Eis dick genug ist.

In der Nacht zum Montag fuhr auch der grün-gelbe Zug der nordkoreanischen Führung über den Yalu nach China. Wer genau an Bord saß, ist nicht klar. Fest steht hingegen, dass der Zug bis nach Peking fuhr. Der Branchendienst Bloomberg zitierte mehrere ungenannte Quellen, wonach Kim Jong Un persönlich die Reise angetreten hatte. Bestätigt ist das nicht. Es könnte sich ebenso um seine Schwester Kim Yo Jong handeln, die ihn schon bei der Winterolympiade in Pyeongchang vertreten hatte. Für beide wäre es der erste offizielle Besuch in der chinesischen Hauptstadt. (Eine Analyse dazu lesen Sie hier.)

Vor allem die Parallelen zu den Reisegewohnheiten von Kim Jong Il, dem Vater des heutigen Machthabers, heizten die Spekulationen an. Kim Jong Il soll unter Flugangst gelitten haben und ließ deshalb eine kleine Flotte luxuriöser Züge bereitstellen, mit denen er bis nach Russland reiste. Höchstgeschwindigkeit: etwa 60 Stundenkilometer. Berichten zufolge verfügte er über sechs Züge mit insgesamt 90 Abteilen, 20 Stationen sollen eigens für ihn gebaut worden sein. Einem nordkoreanischen TV-Sender zufolge starb er 2011 an einem Herzinfarkt an Bord einer seiner Züge.

Fotostrecke

Züge aus Nordkorea: Kims grüne Giganten

Foto: Primorsky Regional Administration Press Service/ AP

Kurz zuvor war er damit noch ins ostsibirische Ulan-Ude gefahren. Ein russischer Diplomat beschrieb das Innere der Züge laut "South China Morning Post"  hinterher als sehr luxuriös. Es habe lebende Hummer und französische Weine gegeben, das Arbeitszimmer des Machthabers sei mit Holzboden, einer beigefarbenen Couch und einem massiven Tisch ausgestattet gewesen. Der Zug soll zudem über Satellitentelefone, Flachbildschirm-Fernseher und Internet verfügt haben. Zwei Mercedes-Fahrzeuge seien mittransportiert worden. Die Wände waren schusssicher.

Offizielle Aufnahme aus dem Zuginneren von 1989

Offizielle Aufnahme aus dem Zuginneren von 1989

Foto: AP/ KNS

Als Vorsichtsmaßnahme fuhren immer drei Züge gleichzeitig, wobei der erste eventuelle Hindernisse oder sogar Sprengsätze auf dem Weg aufspüren sollte und im letzten die Sicherheitskräfte und weitere Mitarbeiter saßen, schildert die südkoreanische Zeitung "Chonsun Libo" . Im zweiten reiste der nordkoreanische Machthaber. Bevor die Kolonne an einer Station eintraf, wurden demnach alle anderen Gleise blockiert, damit sich kein unbefugter Zug nähern konnte. Im aktuellen Fall gibt es allerdings nur Berichte über einen einzelnen Zug.

Auf diese Art besuchte Kim Jong Il 1983 das erste Mal das Nachbarland China. Ein Jahr zuvor soll er gesehen haben, wie ein Jet des Regimes bei einem Testflug explodierte. Der Grund dafür soll menschliches Versagen gewesen sein - daraufhin traute Kim Jong Il den nordkoreanischen Piloten angeblich nicht mehr. Sein Vater Kim Il Sung hatte ebenfalls eine Vorliebe für Züge und machte einen davon zu seinem Hauptquartier während des Koreakrieges.

Im Gegensatz dazu entwickelte Kim Jong Un offenbar eine Passion für das Fliegen. So soll er angeordnet haben, Ultraleichtflugzeuge bauen zu lassen. Im April 2015 veröffentlichte das Regime Bilder von Kim Jong Un im Cockpit eines Flugzeugs. Ob er dieses tatsächlich selbst steuerte oder nur für das Bild posierte, ist nicht klar. Das Foto wurde als Versuch Kims gewertet, sich als moderner Führer zu präsentieren. Nun könnte er mit der Zugreise doch wieder an die Familientradition anknüpfen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.
Merkliste
Speichern Sie Ihre Lieblingsartikel in der persönlichen Merkliste, um sie später zu lesen und einfach wiederzufinden.
Jetzt anmelden
Sie haben noch kein SPIEGEL-Konto? Jetzt registrieren