Geplante Raketentests Trump sieht Nordkorea nicht als Gefahr für die USA

Nordkoreanische Raketen werden die USA nicht treffen, dessen ist sich Trump angeblich sicher. Warum, lässt er mal wieder offen - und beleidigt stattdessen China.
Donald und Melania Trump

Donald und Melania Trump

Foto: JONATHAN ERNST/ REUTERS

Der künftige US-Präsident sieht sein Land durch das Atomprogramm Nordkoreas nicht bedroht. "Nordkorea hat gerade verkündet, sich auf der Zielgeraden bei der Entwicklung einer Atomwaffe zu befinden, die Teile der USA erreichen kann. Das wird nicht passieren!", schrieb Donald Trump auf Twitter.

Staatschef Kim Jong Un hatte in seiner Neujahrsansprache gesagt, die Vorbereitungen für den Test einer Interkontinentalrakete seien "in der letzten Phase". Wann genau der Versuch erfolgen soll, blieb unklar. Nordkorea ist wegen seines Atom- und Raketenprogramms international isoliert.

Die Sprecherin des US-Außenamts hatte Nordkorea daraufhin aufgefordert, von provokativen Handlungen und aufrührerischer Rhetorik, die Frieden und Stabilität gefährdeten, Abstand zu nehmen. Stunden später kommentierte dann Trump die Ankündigung auf Twitter.

Wie in vielen Bereichen der Außenpolitik hat sich der künftige US-Präsident noch nicht zum künftigen Umgang seiner Regierung mit Nordkoreas Atomwaffenprogramm geäußert. Er ließ auf offen, warum Nordkoreas Raketen die USA angeblich nicht erreichen könnten - ob das Land aus seiner Sicht nicht in der Lage ist, solche Waffen zu entwickeln oder die USA unter seiner Regierung das militärisch verhindern würden.

Trump stichelt gegen China

Absehbarer ist hingegen seine Haltung zu China. Vieles deutet darauf hin, dass Trump eine härtere Gangart gegen Peking einschlagen wird. Auch gestern nutzte er Twitter erneut, um China zu kritisieren. Das Land habe seinen Reichtum von den USA durch einen "komplett einseitigen Handel erworben, aber will uns bei Nordkorea nicht helfen. Nett!"

Die Vorwürfe sind - abgesehen von der angeblich einseitigen Handelsbeziehung - nicht ganz unbegründet. China hat als wichtigster Verbündeter Nordkoreas noch den meisten Einfluss auf das Regime. Peking weist den Vorwurf Trumps dennoch von sich. Es sei bekannt, dass das Land intensiv an der nuklearen Abrüstung der koreanischen Halbinsel arbeite, teilte das Außenministerium mit. Ein Sprecher verwies zudem auf den Umgang der USA mit Taiwan: Man solle sich bewusst sein, dass es sich um ein sensibles Thema handele.

Trump hält sich die Möglichkeit offen, nach seiner Amtseinführung am 20. Januar Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen zu treffen. Es wäre ein weiterer Affront gegen China. Als erster neugewählter US-Präsident seit 1979 hatte Trump im Dezember mit der taiwanischen Regierung telefoniert und damit den Unmut Chinas auf sich gezogen. Nach Einschätzung von Experten war das Gespräch Trumps kein Zufall, sondern ein wohl kalkuliertes Signal an die Adresse Pekings.

brk/dpa