Treffen von Kim und Trump "Good to see you"

Ein Tweet, dann angespanntes Warten - und schließlich ein Handshake: Das Treffen von Donald Trump und Kim Jong Un war spektakulär. Aber wie verlässlich ist der nordkoreanische Diktator?

Von , Seoul


Es waren wenige Schritte, die für ein historisches Ereignis reichten: Als erster amtierender US-Präsident hat Donald Trump am Sonntag den Boden des kommunistischen Nordkorea betreten.

Er tat dies an der Seite des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, mit dem er zuvor an der Demarkationslinie im Waffenstillstandsdorf Panmunjom zusammengetroffen war. Dort hatten die beiden Männer einige Worte gewechselt. "Good to see you", sagte Kim auf Englisch, "ich hatte nicht erwartet, Sie an diesem Ort zu treffen."

Trump und Kim schritten einige Meter in den Norden, schüttelten sich die Hand. Nach einer Minute ging Trump zurück und nahm dieses Mal Kim mit auf die südkoreanische Seite.

Donald Trump und Kim Jong Un in der DMZ
DPA

Donald Trump und Kim Jong Un in der DMZ

"Großartiges passiert gerade", sagte Trump. Er dankte Kim, dass er gekommen war, "das war alles sehr spontan". Der US-Präsident hatte am Samstag per Twitter Kim vorgeschlagen, ihn an der Grenze zu treffen und später klargestellt, es ginge ihm nur um einen Handschlag, "nur zwei Minuten".

Ob die Begegnung sich tatsächlich so spontan und ungeplant ergab oder schon länger organisiert war, ist unklar. Der Raum, in dem sich der amerikanische Präsident und der nordkoreanische Diktator dann unterhielten, war jedenfalls gut vorbereitet mit Flaggen beider Länder.

Da die Weltöffentlichkeit bis wenige Stunden zuvor nicht wusste, ob das unkonventionelle Treffen überhaupt stattfinden würde, war der Effekt umso größer, als beide Männer sich in der Demilitarisierten Zone die Hand schüttelten. Es war eine Begegnung ganz nach dem Geschmack des US-Präsidenten. "Das war ein großartiger Tag, ein legendärer, historischer Tag", sagte Trump später.

Im Video: "Das hätte keiner erwartet"

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53 Minuten unterhielt er sich mit Kim in einem Raum auf südkoreanischer Seite, um "einige Details auszuarbeiten". Denn seit dem gescheiterten Gipfel in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi sind Washington und Pjöngjang mit ihren Verhandlungen über die atomare Abrüstung Nordkoreas nicht vorangekommen.

Die amerikanische Seite betont schon seit Wochen, sie sei bereit. Das Treffen an der Demilitarisierten Zone (DMZ) soll die Gespräche nun wiederbeleben. Ob das gelingt, werden die kommenden Wochen zeigen.

Die innerkoreanische Grenze ist eine der am besten gesicherten der Welt

Die DMZ, in der sich Trump und Kim trafen, trennt Nord und Süd seit Ende des Koreakrieges vor 66 Jahren. Noch immer ist die innerkoreanische Grenze eine der am besten gesicherten der Welt. Doch seit vergangenem Jahr findet hier Bemerkenswertes statt. Wachtürme wurden abgebaut und Landminen geräumt.

Und mitten in der DMZ, auf dem Hügel Arrowhead Ridge, wo Südkoreaner, Amerikaner und Franzosen erbittert gegen Truppen aus dem Norden kämpften, finden nun Ausgrabungen statt. Seit Anfang April wurden die sterblichen Überreste von 70 Männern gefunden. Familien hoffen, ihre Angehörigen endlich begraben zu können.

Es ist ein Projekt, das erst mit der Aussöhnung der beiden koreanischen Staaten, die - wie die Annäherung zwischen Nordkorea und den USA - im vergangenen Jahr begann. Es zeigt jedoch auch, wie schwierig dieser Prozess sein kann. Denn die Ausgrabungen der DMZ waren als gemeinsame Anstrengung von Nord und Süd geplant - doch kein nordkoreanischer Soldat hat bislang dort mitgearbeitet.

Bislang kein Wandel durch Annäherung zwischen Nord- und Südkorea

Auch bei der Sportdiplomatie hakt es. Gaben die Winterspiele in Pyeongchang im Februar 2018 noch Anlass zu Hoffnung oder gar Euphorie, als bei der Eröffnungsfeier die Olympiamannschaften von Nord- und Südkorea unter gemeinsamer Flagge ins Stadion einmarschierten, folgt nun Ernüchterung.

Zur Schwimmweltmeisterschaft im südkoreanischen Gwangju im Juli wird offenbar kein einziger nordkoreanischer Athlet erscheinen. "Eintauchen in den Frieden" lautet das Motto des Wettkampfs. Gwangjus Bürgermeister Lee Yong Seop hofft, dass die Veranstaltung "mehr ist als ein Ort des Wettbewerbs um Medaillen", und "zum Frieden auf der koreanischen Halbinsel und auf der Welt" beiträgt.

Doch die Nordkoreaner reagierten weder auf einen Brief des Bürgermeisters noch auf Einladungen von zwei südkoreanischen Ministerien. Bei mehreren Sportkonferenzen soll die Beteiligung der Nordkoreaner angeregt worden sein, ebenso wie im gemeinsamen Verbindungsbüro in der Stadt Kaesong. Auch Anrufe oder schriftliche Anfragen des internationalen Schwimmverbands Fina blieben nach eigenen Angaben ohne Erfolg.

"Der einzige Weg, Frieden zu erreichen, ist Dialog"

Nordkorea zeigt wenig Interesse an Sport- und Kulturaustausch, drängt den Süden aber zu wirtschaftlichen Projekten. Weil diese aber unter den bestehenden Sanktionen gegen das Regime nicht möglich sind, hat sich das Verhältnis merklich abgekühlt. Vergangene Woche erklärte Pjöngjang ungewöhnlich deutlich, die Regierung in Seoul solle sich nicht mehr in die Gespräche zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten einmischen.

Darauf am Sonntag angesprochen, sagte Südkoreas Präsident Moon Jae In: "Der einzige Weg, Frieden zu erreichen, ist Dialog." Moon reiste später zwar mit Trump in die DMZ, hielt sich aber merklich zurück.

Obwohl er im vergangenen Jahr die Annäherung zwischen Trump und Kim wesentlich mit angeschoben hat, überließ er die große Bühne dem US-Präsidenten. Dieser sei, so Moon, ein "Friedensbringer" für die koreanische Halbinsel.

Die Gefahr aus dem Norden bleibt real

Seit seinem Amtsantritt 2017 bemüht sich Moon, eine Aussöhnung mit dem Norden voranzutreiben, zwischen Washington und Pjöngjang zu vermitteln und potenziell gefährliche Spannungen zu vermeiden. Wer verstehen möchte warum, muss Seoul nicht einmal verlassen. Im Zentrum der Metropole erinnert das Kriegsdenkmal daran, wie fragil Frieden und Wohlstand sein können.

Kampfjets und Panzer aus dem Koreakrieg sind mitten im Bezirk Yongsan aufgebaut. Auch ein Flugzeug steht dort, mit dessen Hilfe ein nordkoreanisches Kommando aufgespürt werden sollte, das 1968 nach einem missglückten Angriff auf den südkoreanischen Präsidentenpalast in die Berge floh. In einem kleinen See schwimmt ein Semi-Submarine, das nordkoreanische Spione 1983 vor die Küste Busans steuerten.

Um das Boot wachsen jetzt Seerosen, eine Entenfamilie paddelt vorbei und lässt es fast wie die Ausstattung eines James-Bond-Films wirken. Doch die Kriegsgeräte machen deutlich, dass das Regime im Norden über Jahrzehnte eine Gefahr für den Süden geblieben ist.

"Was wir heute tun, ist ein Schritt in die richtige Richtung"

Außerdem: Hinter der Grenze - und der DMZ - stehen Raketenbasen, von denen aus Seoul wohl jederzeit angegriffen werden könnte. Wie groß die Kriegsgefahr auf der koreanischen Halbinsel 2017 tatsächlich war, ist bis heute umstritten. Doch für die Menschen in Südkorea fühlte sich die Bedrohung real an.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum Moon mit Trump übereinstimmte, als dieser am Sonntag sagte: "Was wir heute tun, ist ein Schritt in die richtige Richtung." Denn die erklärten Ziele von Moons Präsidentschaft lauten: "Wohlstand und Frieden."



insgesamt 58 Beiträge
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apetri1 30.06.2019
1. Und wie verlässlich ist Trump?
Auch diese Frage hätte in den Teaser gehört, nicht wahr? Schöne TV-Show! Aber nur bis der eine wieder den anderen feuert. Fragt sich nur, ob es auch in dieser Show der Sowmaster Trump ist. Zweifel sind angebracht.
draco2007 30.06.2019
2.
Ich sage es erneut, das ist KEIN gutes Signal an den Rest der Welt... Kaum hat Nordkorea die Atombombe fertig kommen die großen USA und verhandeln auf Augenhöhe mit dem kleinen, völlig irrelevanten Nordkorea... Was ist das für ein Signal an den Iran? Vielleicht sollte sich Monaco auch ein paar Atombomben zulegen, vielleicht gibts dann ein paar gute Immobiliendeals mit dem POTUS....
fottesfott 30.06.2019
3. Es geht Trump nur noch
um die Macht der Bilder für den Präsidentschaftswahlkampf 2020. Ich persönlich glaube aber nicht, dass er mit dem Schritt über die innerkoreanische Grenze in der Allzeit-Bilderhitparade den Kniefall von Willy Brandt in Warschau oder auch nur das Treffen von Gorbatschow und Kohl im Kaukasus überflügeln kann. Es ist halt zu durchsichtig...
Palmdale 30.06.2019
4. Eher Trump...
Ist der Wackelkandidat. Es ist leider zu befürchten, dass das wieder nur eine Möglichkeit der Selbstinszenierung des selbst ernannten größten Dealmakers der Geschichte ist. Bisher hat er nichts zustande bekommen und ist nur dann als Retter in Erscheinung getreten zu Konflikten, die er selbst angezettelt hat. Es wäre wirklich wünschenswert, wenn sich Nord und Südkorea sich annähern würden, aber ich glaube Trump kein Wort.
bigroyaleddi 30.06.2019
5. Das kann er halt, der Donald
mit Mördern und Diktatoren shakehanden und sich dann selber so richtig in Pose stellen. Es wäre wirklich schön, wenn dann auch mal was positives bei rauskommen würde. Und nicht immer nur diese Schönwetterbilder ohne jeden Handlungserfolg.
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