Diplomatie und Sanktionen Trump will Druck auf Nordkorea aufbauen

Nordkorea soll zum Abbau seines Atomprogramms gezwungen werden - auf diplomatischem Weg: US-Präsident Trump setzt dabei auf Wirtschaftssanktionen und die Hilfe der internationalen Gemeinschaft.

US-Präsident Donald Trump
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US-Präsident Donald Trump


Am Mittwoch haben US-Präsident Donald Trump, Außenminister Rex Tillerson und Verteidigungsminister James Mattis sowie Streitkräfte-Chef Joe Dunford und Geheimdienstdirektor Dan Coats Mitglieder des Senats über den Konflikt mit Nordkorea informiert.

An dem ungewöhnlichen Briefing im Weißen Haus - sonst werden die Senatoren in kleineren Gruppen in abhörsicheren Räumen des Kapitols informiert - hat nach Angaben des TV-Senders CNN und der Zeitung "Washington Post" nahezu jeder der 100 Senatoren teilgenommen. Allerdings bekamen sie bei dem rund einstündigen Termin den Angaben zufolge nicht viel Neues zu hören. Trump selbst soll nur die ersten Minuten anwesend gewesen sein, ehe er an seine wichtigsten Sicherheitsberater übergab.

Später wurden auch die Abgeordneten des Repräsentantenhauses im Kapitol unterrichten. Die Parlamentsvertreter äußerten sich anschließend allerdings zurückhaltend, einige bemängelten das Fehlen einer klaren Strategie. Auf die Frage von Journalisten, ob die Regierung eine solche Strategie habe, sagte etwa der republikanische Vorsitzende des Streitkräfte-Ausschusses im Senat, John McCain: "Sie entwickeln eine."

USA weiterhin zu militärischen Maßnahmen bereit

Nach dem Treffen mit den Senatoren teilten Tillerson, Mattis und Coats mit, Trump wolle Druck aufbauen, um Nordkorea zum Abbau seiner Atomraketen und ballistischen Flugkörper zu zwingen. Die US-Regierungsmitglieder riefen "verantwortungsbewusste Mitglieder der internationalen Gemeinschaft" dazu auf, den diplomatischen Weg mitzugehen und die kommunistische Führung zur Deeskalation und zur Rückkehr zum Dialog zu bewegen. Damit war vor allem China gemeint. Die USA gehend davon aus, dass Peking großen Einfluss auf Pjöngjang hat. Washington setze dabei auf eine Verschärfung von Wirtschaftssanktionen und diplomatische Maßnahmen "mit unseren Verbündeten und regionalen Partnern".

China hatte zuvor vor "unvorstellbaren Konsequenzen" gewarnt, sollte ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel ausbrechen. Es sei deshalb im Interesse Chinas, "dass wir diese kriegerischen Risiken wirklich eindämmen", sagte Außenminister Wang Yi.

Tillerson wird am Freitag nach New York reisen, um dort ein Ministertreffen der Länder des Uno-Sicherheitsrates zu leiten. Die USA erhoffen sich von dem Gremium eine Verschärfung der Sanktionen gegen Nordkorea nach dessen jüngsten Raketentests und den verschärften Spannungen in der Region.

Die USA seien offen für weitere Verhandlungen, um dem Ziel näher zu kommen, die koreanische Halbinsel atomwaffenfrei zu machen. "Wir sind jedoch auch weiterhin bereit, uns selbst und unsere Verbündeten zu verteidigen."

Nordkorea hat seit 2006 insgesamt fünf Atomwaffentests vorgenommen, davon allein zwei im vergangenen Jahr. Zugleich arbeitet die Führung in Pjöngjang an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten.

max/dpa/Reuters

insgesamt 25 Beiträge
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andreas_schaffer 27.04.2017
1. Positive Bemühungen der USA oder Vorantreibung der grausamen Militärdoktrin der
Man ist sich mittlerweile überhaupt nicht mehr klar, was die USA eigentlich konkret wollen. Die Koreanische Halbinsel Atomwaffenfrei zu machen, würde viel eher mit diplomatischen Mitteln erreicht werden und dem Versuch einer Öffnung Nordkoeras für die restliche Welt voranzutreiben. Das heißt dem Land wirtschaftlich mehrere Knochen hinzuwerfen und ihm Zuge dessen deren Führer auf diplomatischem Wege bitten das Atomprogramm einzustellen, ählich wie im Iran. Leider kann dieses plötzliche Engagement auch mit der USA´schen Militärdoktrin Joint Vision 2020 zusammenhängen, wo man inhaltlich ganz klar die Weltherrschaft "Full Spectrum Dominance" sowie einen "Win the Nation-Wars" bis 2020 anstrebt und schlussendlich ein Raketenschirm in Südkorea sehr praktisch wäre um vor allem Chinesische Langstreckenraketen auf dem Weg in die USA abzufangen. Denn selbst wenn der Konflikt mit Nordkorea befriedet wird, wird die USA dieses System kaum mehr abbauen, sondern weiter als Druckmittel gegen China einsetzen um in Zuge dessen irgendwann China zu zwingen ihr Atomprogramm aufzugeben. Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Joint_Vision_2020 http://pentagonus.ru/doc/JV2020.pdf
fxe1200 27.04.2017
2. Trump ist von allen guten....
Geistern verlassen. Bei der Unberechenbarkeit von Kim Jong-un, der sich nicht die Bohne um sein Volk schert, kann nur mit Diplomatie, Annäherung etc. agiert werden. Es ist alles zu tun, um einen Krieg in Korea abzuwenden und nicht etwa zu provozieren. Selbst wenn, die U.S.A den Krieg "gewinnen", die Weltgemeinschaft wird verlieren. Wie viele Menschenleben werden sterben müssen? Trump gibt ein sehr schlechtes Beispiel für die amerikanische Außenpolitik. Aber wann war diese schon mal gut, seit dem Marshall Plan?
tomrobert 27.04.2017
3. Die Bevoelkerung ist nocht nicht bereit
Im Kern sind die Hawks im Pentagon mehr daran interessiert China klein zu halten. Da erscheint Nordkorea eher als Vorspeise.Weder wird die Bevoelkerung in Suedkorea noch in einem anderen Land gefragt. Es richt nach Krieg um sich aus den wirtschaftlichen Schwierigkeiten heraus zu winden. Es riecht nach Weltkrieg!
Hank Hill 27.04.2017
4. Sanktionen
und militärische Präsenz. Mehr können die USA nicht machen. China übt ja auch Druck aus in dem sie keine Kohle und keinen Treibstoff mehr an Nord Korea liefern. Sie arbeiten eng mit den USA hier zusammen, auch im Sicherheitsrat. Es darf nicht sein, daß Kim Jong Un den Süden mit Raketen eindeckt.
olli08 27.04.2017
5. Vielleicht ...
... sollten USA und der Rest der Weltgemeinschaft einfach mal vor dem kleinen Irren in die Knie gehen und ihm sagen: "Großer Kim, wir wollen dein herrliches Nordkorea gar nicht angreifen, niemals! Bitte verschrotte nur einfach deine Atombomben und Raketen, und wir werden in Zukunft immer ganz still und artig alles toll finden, was du in deinem Land so machst!" Schöner Traum? Ja, weil dann nämlich die selben Foristen, die jetzt gegen die pösen Aggressoren USA und Co. wettern, eben diese beschuldigen werden, die armen Nordkoreaner mit ihrem irren Gefängnisaufseher alleine zu lassen ...
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