Streit um Atomprogramm Nordkorea droht USA mit frostigem "Weihnachtsgeschenk"

Nach dem jüngsten Raketentest forderten die USA Nordkorea zur Wiederaufnahme des Dialogs auf. Das Regime in Pjöngjang sieht darin einen "törichten Trick" - und verweist auf eine Frist bis Jahresende.
Kim Jong Un im südkoreanischen Fernsehen: Was will er mit seiner Frist bewirken?

Kim Jong Un im südkoreanischen Fernsehen: Was will er mit seiner Frist bewirken?

Foto: AP/Lee Jin-man

Frostige Adventsgrüße aus Pjöngjang: Nordkoreas Regierung hat die USA erneut aufgefordert, vor Jahresende Zugeständnisse im Atomstreit zu machen. Es sei "ganz den USA überlassen, zu wählen, welches Weihnachtsgeschenk sie erhalten", sagte Vizeaußenminister Ri Thae Song der staatlichen Nachrichtenagentur KNCA zufolge. Nordkorea habe es nicht mehr nötig, "zu verbergen, was es von nun an tun wird". Details nannte er allerdings nicht.

Das Regime von Kim Jong Un, das unter harten internationalen Sanktionen leidet, hat den USA im festgefahrenen Dialog um eine Lösung des Atomkonflikts eine Frist bis Jahresende gesetzt, um Zugeständnisse zu machen. In der vergangenen Woche hatte Nordkorea mit einem neuerlichen Raketentest provoziert. Die USA forderten daraufhin die Wiederaufnahme "nachhaltiger und substanzieller Gespräche".

Ri bezeichnete den Wunsch der Regierung in Washington jedoch als "törichten Trick" mit der Absicht, innenpolitisch von den Gesprächen zu profitieren.

Experte rechnet mit "Vorbereitungen für Aktivitäten nach dem Neujahr"

Nordkorea-Experten und Medien in Südkorea werteten die Erklärung als Drohung, dass Nordkorea sein Moratorium für Atomversuche sowie den Test von Langstreckenraketen aufheben könnte. Experte Ankit Panda schrieb auf Twitter, Ris Äußerungen könnten "Vorbereitungen für Aktivitäten nach dem Neujahr andeuten, die leicht von Satelliten beobachtet werden können, zum Beispiel die Vorbereitung eines Satellitenstarts in Sohae".

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Nordkoreas Vizeaußenminister unterstellte den USA, mit ihrem Wunsch für einen Dialog tricksen zu wollen. Die US-Regierung wolle Nordkorea hinhalten und den Dialog für eigene politische Interessen nutzen.

Die Führung in Nordkorea hatte zuletzt in mehreren Erklärungen deutlich gemacht, an neuen Atomgesprächen mit den USA nicht interessiert zu sein, solange Washington keine neue Vorschläge mache. Pjöngjang setzte eine Frist dafür bis zum Ende des Jahres.

Die Verhandlungen sind seit dem gescheiterten Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un im Februar in Vietnam nicht mehr vorangekommen. Beide Seiten konnten sich nicht über den Abbau der nordkoreanischen Atomwaffen einigen. Anfang Oktober brach Nordkorea Gespräche auf Arbeitsebene ab.

Propagandaprojekt Samjiyon

Mit großem Pomp hat Kim Jong Un am Dienstagmorgen die neue Stadt Samjiyon eingeweiht: Laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA soll der Ort Platz für rund 4000 Familien bieten. Auf "Hunderten von Hektar" Land sollen außerdem Geschäftsgebäude entstehen. Das Projekt ist, wie die staatlichen Medien berichten, als "sozialistisches Utopia" ausgelegt, mit Hotels, Skigebiet sowie Kultur- und Medizineinrichtungen.

SPIEGEL ONLINE

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mes/dpa/Reuters