Krise in Fernost Nordkorea brüskiert Verbündeten China

Nordkorea intensiviert seine Drohungen - und richtet sie auch gegen seinen eigentlichen Partner China: Das Regime hat offenbar Peking empfohlen, seine Botschaft in Pjöngjang zu evakuieren. In der Sonderwirtschaftszone Kaesong bleibt die Lage angespannt.
Krise in Fernost: Nordkorea brüskiert Verbündeten China

Krise in Fernost: Nordkorea brüskiert Verbündeten China

Foto: AP/dpa

Pjöngjang - Nordkorea hat offenbar auch seinem Nachbarn China die Evakuierung seiner Botschaft in Pjöngjang nahe gelegt. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur dpa am Samstag und beruft sich auf informierte Kreise. Es gebe aber noch keine Entscheidung, wie sich die chinesische Regierung verhalten werde.

Pjöngjang hatte mehreren Ländern erklärt, dass man die Sicherheit der Botschaftsmitarbeiter ab dem 10. April im Konfliktfall nicht mehr garantieren könne. Bis dahin könne noch bei einer Evakuierung der Diplomaten geholfen werden. Außer Deutschland und Großbritannien haben noch die EU-Länder Schweden, Polen, Rumänien, Bulgarien und Tschechien Botschaften in Nordkorea. Betroffen von dem Evakuierungsappell ist auch Russland.

Die Deutsche Botschaft hat offenbar noch nicht entschieden, was mit den rund 20 Mitarbeitern geschehen soll. Die Botschaft in Seoul erklärte den in Südkorea lebenden Deutschen, die gegenwärtigen Drohungen seien "wesentlich schärfer" als früher, aber blieben bisher auf verbale Attacken beschränkt. Eine konkrete Gefährdung deutscher Staatsangehöriger werde aber bisher nicht gesehen.

Südkoreaner verlassen Kaesong

Die USA hatten sich zuletzt betont gelassen zu den neuen Drohungen aus Nordkorea gezeigt. Die Sprecherin des Außenministeriums sagte etwa: "Das ist nur eine eskalierende Serie rhetorischer Stellungnahmen." Zugleich schloss man einen erneuten Raketentest Nordkoreas nicht aus.

Nordkoreas Militär hatte laut einem Yonhap-Bericht am Freitag eine zweite Mittelstreckenrakete an die Ostküste des Landes verlegt. Bereits am Vortag hatte das südkoreanische Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass Nordkorea eine Mittelstreckenrakete an die Ostküste verlegt habe. Die Flugkörper haben eine Reichweite von bis zu 4000 Kilometern und könnten Südkorea, Japan oder eine US-Militärbasis auf der Insel Guam im Pazifik treffen. Südkorea schickte daraufhin zwei Zerstörer mit Raketenabwehrsystemen vor seine Küsten.

Und auch die USA reagieren offenbar: Am Samstag berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo, dass Washington und Tokio die Verlegung einer Aufklärungsdrohne nach Japan in Betracht zögen. Die "Global Hawk"-Drohne ist ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug, das in großer Höhe operieren kann. Die Drohne solle auf einer US-Militärbasis in Japan stationiert werden.

Derweil verlassen immer mehr Südkoreaner die Sonderwirtschaftszone Kaesong, die gemeinsam von Seoul und Pjöngjang geführt wird. Seit Tagen ist der Industriepark abgeriegelt, Südkoreanern ist der Zugang zu ihren Arbeitsplätzen in den im Norden angesiedelten Unternehmen verwehrt. Rund 600 Südkoreaner befinden sich derzeit in Kaesong, immer mehr kehren allerdings heim: Es wird erwartet, dass im Laufe des Samstags rund hundert von ihnen Kaesong verlassen werden.

Zunehmende Eskalation

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel gilt seit dem dritten Atomtest in Nordkorea im Februar als extrem gespannt. Pjöngjang hatte als Reaktion auf die Ausweitung von Uno-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanische Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 aufgekündigt. Am Samstag rief Pjöngjang den "Kriegszustand" im Verhältnis zu Südkorea aus. Seit den fünfziger Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg.

Als weitere Eskalationsstufe drohte das kommunistische Regime den USA offiziell mit einem Atomschlag. Allerdings bezweifeln Experten, dass das Land auf Jahre hinaus in der Lage sein wird, das US-Festland mit einer Atomrakete zu treffen.

bim/AFP/dpa
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