Verhandlungen in Stockholm Nordkorea erklärt Atomgespräche für gescheitert - USA widersprechen

Mehr als ein halbes Jahr hatten die US-Unterhändler auf einen neuen Termin warten müssen. Nach dem ersten Verhandlungstag sah Nordkorea die Gespräche als Fehlschlag, die USA fanden sie dagegen "gut".

Norkoreas Unterhändler Kim Myong Gil gibt vor der nordkoreanischen Botschaft in Stockholm eine Erklärung ab.
Philip O'Connor / REUTERS

Norkoreas Unterhändler Kim Myong Gil gibt vor der nordkoreanischen Botschaft in Stockholm eine Erklärung ab.


Nach nur einem Tag sind die neuerlichen Atomgespräche zwischen Nordkorea und den USA zu Ende. Beide Seiten bewerten die achtstündigen Verhandlungen in Schweden jedoch gegensätzlich.

Nordkorea sieht die Gespräche als gescheitert an. "Wir sind enttäuscht von den USA. Die Verhandlungen haben unsere Erwartungen nicht erfüllt und wurden deshalb abgebrochen", sagte der nordkoreanische Unterhändler Kim Myong Gil nach Angaben der schwedischen Zeitung "Dagens Nyheter" am Abend im Anschluss an die Zusammenkunft in Stockholm vor Reportern. Die USA hätten nichts mit an den Verhandlungstisch gebracht. Nun liege es an Washington, den Dialog wiederaufzunehmen.

Die amerikanische Seite sieht das anders. Die mehr als acht Stunden langen Gespräche in Stockholm seien "gut" gewesen, erklärte das US-Außenministerium. Die Darstellung der nordkoreanischen Delegation gebe "den Inhalt und den Geist" des Treffens nicht wider. Die US-Vertreter hätten "kreative Ideen" mit in die Verhandlungen gebracht und "gute Gespräche" mit den Vertretern Nordkoreas geführt, betonte Ministeriumssprecherin Morgan Ortagus. Man habe die schwedische Einladung angenommen, in zwei Wochen zu einer weiteren Runde zusammenzukommen. Die USA und Nordkorea könnten nicht in einem Tag "70 Jahre Krieg und Feindseligkeit auf der koreanischen Halbinsel" beseitigen, hieß es.

Nordkorea provoziert mit Raketentests

US-Außenminister Mike Pompeo hatte sich vor dem Start der Gespräche noch zuversichtlich geäußert. Dieser erste Austausch solle nach langer Pause die Grundlage für Verhandlungen "in den kommenden Wochen und Monaten" bilden, um nachhaltige Fortschritte zu erreichen, sagte Pompeo während eines Besuchs in Griechenland. Die USA hätten zu den Gesprächen im schwedischen Stockholm eine Reihe von Ideen mitgebracht. Es sei daher zu hoffen, dass die Nordkoreaner mit gutem Willen und "dem Willen, Fortschritte zu machen" angereist seien, sagte Pompeo.

Es war das erste Mal, dass Delegationen beider Länder sich zu Gesprächen trafen, seit US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un im Juni einen Neustart der Verhandlungen vereinbart hatten. Ein Gipfel der beiden im Februar war ergebnislos beendet worden, mehr als ein halbes Jahr mussten die Unterhändler der USA auf einen Termin warten. Pompeo zufolge war die US-Regierung mit einem breit aufgestellten Team nach Stockholm gereist.

Die USA wollen den Verzicht Nordkoreas auf Nuklearwaffen erreichen. Die Führung in Pjöngjang pocht auf die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen. Am Mittwoch testete Nordkorea eine angeblich neuartige, U-Boot-gestützte ballistische Rakete. Das US-Außenministerium hatte Pjöngjang dazu aufgerufen, die Provokationen einzustellen und sich konstruktiv an den Abrüstungsgesprächen zu beteiligen.

yer/Reuters/AFP/dpa

insgesamt 59 Beiträge
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fraumarek 05.10.2019
1. Außer Spesen nichts gewesen
Trump kann nur eins: Billige Sprüche klopfen, aggressiv andere Nationen und menschen beleidigen, Schaumschlägerei betreiben und au ddem diplomatischen Parkett bewegt er sich schlimmer als ein Elefant im Porzellanladen. Von diesem sogenannten Präsident ist nichts konstruktives mehr zu eerwarten. Er ist nur noch damit beschäftigt, seine eigene Absetzung zu verhindern und gleichzeitig andere zu diffamieren und für alles verantwortlich zu machen. No hope !
chemiegott 05.10.2019
2. Warum sollte Kim irgendwas abgeben?
Er wird seine A-Bomben nie verschrotten, das hat er schon gelernt. "Gib nie Deine Bomben ab" ist leider die Konsequenz aus dem Handeln aller "Supermächte". Haben halt alle versagt.
Atheist_Crusader 05.10.2019
3.
Das sollte Niemanden überraschen. Die USA haben keinen Plan, kaum noch gute Diplomaten und einen Präsidenten der diesen auch noch regelmäßig per Twitter hereingrätscht. Nordkorea hat wenig zu bieten und definitiv keine Intention ihre Atomwaffen aufzugeben. Dieser ganze Versöhnungsblödsinn hat funktioniert, solange es nur um Schauwerte und leere Bekundungen ging. Jetzt wo man tatsächlich etwas handfestes vorlegen muss, sieht die Sache gänzlich anders aus.
nn280 05.10.2019
4. Er bewegt sich in der Welt
Zitat von fraumarekTrump kann nur eins: Billige Sprüche klopfen, aggressiv andere Nationen und menschen beleidigen, Schaumschlägerei betreiben und au ddem diplomatischen Parkett bewegt er sich schlimmer als ein Elefant im Porzellanladen. Von diesem sogenannten Präsident ist nichts konstruktives mehr zu eerwarten. Er ist nur noch damit beschäftigt, seine eigene Absetzung zu verhindern und gleichzeitig andere zu diffamieren und für alles verantwortlich zu machen. No hope !
wie ein Sheriff im Saloon der Cowboyfilme der fünfziger Jahre und hat nicht begriffen, daß "Amerika first" zu Ende geht.
Normaler Wutbürger 05.10.2019
5. Tja
Die Amis sollten lieber Atomgespräche mit Japan oder Südkorea führen. Und zwar wie man sie am schnellsten atomar aufrüstet. Dann würde China sich eventuell auch mal bewegen in der Sache. Ohne Krieg oder China wird sich Nordkorea nicht mehr abrüsten lassen. Wäre sogar die Frage ob das mit China überhaupt noch gelingen kann ... .
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