Trotz Sanktionen Nordkorea feuert mehrere Kurzstreckenraketen ab

Eben hatte US-Außenminister Tillerson Pjöngjang noch dafür gelobt, dass es keine weiteren Provokationen gab. Doch nun könnte sich der Konflikt erneut verschärfen: Nordkorea setzt seine Raketentests fort.

Bericht über den Raketentest im südkoreanischen Fernsehen
Lee Jin-Man/AP/dpa

Bericht über den Raketentest im südkoreanischen Fernsehen


Trotz der großen Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hat Nordkorea mehrere Kurzstreckenraketen abgefeuert. Sie seien in nordöstliche Richtung geflogen, teilte das Büro der Vereinigten Stabschefs von südkoreanischem und US-Militär mit.

US-Streitkräfte fanden eigenen Angaben zufolge drei Geschosse. Die Tests seien aber gescheitert. Eine der Raketen sei unmittelbar nach dem Start nahe Kittaeryong in der östlichen Provinz Kangwon explodiert. Zwei weitere Raketen seien etwa 250 Kilometer weit geflogen und an der Ostküste des Landes ins Meer gestürzt. Sie hätten weder eine Gefahr für die USA noch für die US-Pazifikinsel Guam dargestellt.

Zuletzt hatte Nordkorea Ende Juli zwei Interkontinentalraketen getestet, die Experten zufolge auch die USA hätten erreichen und mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden können. Daraufhin kam es zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen der Staatsführung in Pjöngjang und US-Präsident Donald Trump. Trump drohte mit "Feuer und Zorn". Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte zuvor angekündigt, den militärischen Vorposten der USA im Pazifik, Guam, angreifen zu wollen.

Uno-Resolutionen verbieten Nordkorea Tests mit ballistischen Raketen. Pjöngjang hatte mit den Tests der Interkontinentalraketen weltweit Empörung ausgelöst. Der Uno-Sicherheitsrat verhängte deshalb die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen das diplomatisch isolierte Land. Die USA verhängten zuletzt auch weitere Sanktionen gegen russische und chinesische Firmen, weil sie mit Nordkorea zusammenarbeiten sollen.

Südkorea und die USA halten zurzeit Militärübungen ab, dabei wird unter anderem mit Computern ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel simuliert. Nordkorea wertet dies als Angriffsvorbereitungen. Die Übungen laufen noch bis zum 31. August.

Das US-Präsidialamt erklärte, Trump sei über die jüngsten Raketentests informiert, wolle sich aber zunächst nicht dazu äußern. Nordkoreanische Staatsmedien berichteten nun ihrerseits von Militärübungen, die von Nordkoreas Staatschef Kim geleitet wurden - und sich gegen Modelle richteten, die südkoreanischen Inseln nachempfunden worden seien.

Mit den jüngsten Tests und den Manövern könnte die zwischenzeitliche Hoffnung auf Entspannung schwinden. US-Außenminister Rex Tillerson hatte sich zuvor erleichtert gezeigt, dass Nordkorea seit der Verhängung der neuen Sanktionen in diesem Monat keine "neuen Provokationen" unternommen habe.

apr/Reuters/dpa



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