Nordkorea Finanzpolitiker nach gescheiterter Währungsreform angeblich hingerichtet

Zwei nordkoreanische Politiker haben die von ihnen entworfene Währungsreform laut einem Zeitungsbericht mit dem Leben bezahlt. Die völlig fehlgeschlagene Neuregelung hat die Inflation weiter beschleunigt und das Volk gegen die Regierung aufgebracht.


Seoul - Sie haben teuer bezahlt, mussten als Sündenböcke ihr Leben geben. Der Finanzchef der Kommunistischen Partei und der stellvertretende Leiter der staatlichen Planungsabteilung sind laut der südkoreanischen Zeitung "Daily NK" hingerichtet worden. Beide seien am 12. März vor Parteimitgliedern und Wirtschaftsfachleuten in der Hauptstadt Nordkoreas von einem Erschießungskommando getötet worden, berichtete die in Seoul ansässige Zeitung unter Berufung auf eine nicht genannte Quelle aus Pjöngjang.

Über die Hinrichtung des Finanzchefs hatte es im März bereits erste Gerüchte gegeben.

Hintergrund für die Ermordung der beiden Politiker ist den Berichten zufolge die missglückte Währungsreform vom vergangenen November. Ziel war es, die Inflation und die aufkeimende Marktwirtschaft unter Kontrolle zu bringen. Stattdessen soll die Versorgung mit Lebensmitteln noch knapper geworden sein, was die Preise weiter nach oben getrieben hat. Viele Bürger nahmen das der Regierung übel.

Bei der Reform waren neue Geldscheine ausgegeben worden - die alten wurden ungültig. Aus tausend alten Won wurden zehn neue Won. Allerdings durfte niemand mehr als umgerechnet 200 US-Dollar wechseln. Alle höheren Vermögen waren damit auf einen Schlag verloren. Kurz darauf verboten die Behörden auch den Besitz ausländischer Währungen. Zudem mussten die Bauernmärkte für einige Wochen schließen, auf denen sich die meisten Nordkoreaner mit Lebensmitteln eindecken.

Der kränkelnde Regierungschef Kim Jong Il steckt nun in der Krise. Die nordkoreanische Führung ist dringend auf Rohstofflieferungen und Nahrungsmittel aus China angewiesen - über eine Auslandsreise Kims wird seit Wochen spekuliert.

Die nordkoreanische Wirtschaft hatte in den neunziger Jahren mehr Markteinflüsse erhalten, als eine Hungersnot 600.000 bis eine Million Menschen tötete - drei bis fünf Prozent der Bevölkerung. Dem Regime war der dadurch erlittene Kontrollverlust aber nie geheuer. Bereits mehrfach hatte es versucht, zum orthodoxen Sozialismus zurückzukehren.

ler/apn

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