Festgenommener Geistlicher Nordkorea führt kanadischen Pfarrer vor

Ein kanadischer Pfarrer soll versucht haben, das Regime in Nordkorea zu stürzen. Während einer Pressekonferenz in Pjöngjang hat Pastor Hyeon Soo Lim ein angebliches Geständnis abgelegt. Kanadas Regierung ist alarmiert.

Pfarrer Lim in Pjöngjang: "Mein Ziel war der Umsturz des Regimes"
AFP PHOTO / KCNA VIA KNS

Pfarrer Lim in Pjöngjang: "Mein Ziel war der Umsturz des Regimes"


Im Februar verschwand Pastor Hyeon Soo Lim während eines Aufenthalts in Nordkorea spurlos. Nun hat ihn das Regime Journalisten in Pjöngjang vorgeführt.

Nach Angaben der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA soll er während der Pressekonferenz "ehrlich all seine Verbrechen gestanden" haben. Demnach sei der Pfarrer, der einer der presbyterianischen Gemeinden mit 3000 Gläubigen in Toronto vorsteht, unter dem Vorwand humanitäre Arbeit zu leisten, ins Land gereist.

"Mein Ziel war der Umsturz des Regimes, indem ich die feindliche Politik der südkoreanischen Behörden umsetzte, um einen religiösen Staat aufzubauen", soll Lim vor Journalisten in Pjöngjang gesagt haben. Gemeinsam mit südkoreanischen und US-amerikanischen Behörden habe er zudem versucht, Nordkoreaner aus ihrem Heimatland zu entführen.

Nach Angaben seiner Kirche wurde der Pfarrer während einer Routinereise nach Nordkorea vom Regime festgesetzt. Der gebürtige Südkoreaner hat seit 1997 das Kim-Reich mehr als hundertmal besucht und dort nach Angaben seiner Kirche unter anderem ein Waisenhaus errichtet. Zudem soll er an zahlreichen Fabriken in Nordkorea beteiligt sein.

Lims Familie wollte die Vorwürfe und das angebliche Geständnis nicht kommentieren. Sie betonte jedoch, dass es dem Geistlichen nur darum gegangen sei, den Menschen in Nordkorea zu helfen.

Das kanadische Außenministerium äußerte sich "tief besorgt" über die Entwicklungen. "Wir arbeiten weiter daran, Zugang zu bekommen und seinen Fall zu lösen", sagte eine Sprecherin in Ottawa.

Kanada hatte seine diplomatischen Beziehungen zu Pjöngjang 2010 abgebrochen. In den vergangenen Jahren hatte das Regime von Kim Jong Un mehrfach christliche Entwicklungshelfer aus den USA festgesetzt.

syd/Reuters

insgesamt 54 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hschmitter 31.07.2015
1.
"Soll versucht haben" - das wird ja normalerweise geschrieben, wenn man von Verdächtigen in Staaten mit halbwegs funktionierenden Rechtssystemen schreibt. In dem Zusammenhang hier kann man es wohl problemlos weglassen und sagen "wird behauptet, daß er ...." - kein Mensch mit etwas Verstand wird es für glaubwürdig halten, daß ein kanadischer Pfarrer Nordkorea umkrempeln will.
brotherandrew 31.07.2015
2. Es ist ...
... verbrecherisch, einen Menschen derart unter Druck zu setzen, daß er so einen Schwachsinn "gesteht". Ich nehme an, daß ihm gedroht wird, daß sonst andere Menschen ermordet oder gefoltert werden. Das radikalatheistische Regime in Nordkorea, das die bedingungslose "Anbetung" der Kim-Dynastie fordert, beweist damit einmal mehr, was passiert, wenn das Grundrecht vauf Religionsfreiheit abgeschafft wird.
vwievendetta 31.07.2015
3. Klobürste of Death
Und wieder zeigt der teigige Nordkoreanische Eigenbarbier Sinn für die ihm eigene und plumpe Idiotie, von dem sich der Rest der Welt unkommentiert unterhalten lässt. Ich denke, er will nur einen neue Hinrichtungsart ausprobieren. Das letzte Mal Flak und nun? Kreuzigen? Legt diesem Pilzkopf der Hölle endlich das Handwerk.
medienzar1 31.07.2015
4. Beim besten Willen...
...fehlt mir das Verständnis. Wer als Pfarrer in das Land reist, muss doch damit rechnen, festgesetzt zu werden. Jetzt ist der Jammer wieder groß und irgendwelche Altpräsidenten dürfen nach Nordkorea reisen, um ihn da rauszuholen. Maximale Publicity für Kim. Gut gemacht Herr Pfarrer...
schwerpunkt 31.07.2015
5.
"Regime"? Lässt sich die nordkoreanische Regierung tatsächlich bei den diktierten Geständnissen so nennen? Also wenn ein einzelner Pfarrer auf einsamer Mission in NK tatsächlich den Sturz des gesamten Regimes bewirken könnte, dann kann es mit deren Stabilität ja nicht weit her sein. Dann hätte ich an Stelle von Kim Jong Un auch Angst demnächst in Seoul Hartz4 beantragen, oder was auch immer es dort an entsprechendem gibt. Wobei er sicherlich mit Vorträgen, Büchern und Auftritten in Talkshows im Westen eine Menge Geld verdienen könnte.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.