Nordkorea gegen USA "Wird in wenigen Minuten zertrümmert"

Nordkorea feiert den 105. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung - und stößt Drohungen gegen Donald Trump aus. Laut einem Medienbericht erwägen die USA einen Präventivschlag gegen das kommunistische Land.

Nordkoreanischer Soldat (an der Grenze zu China)
AFP

Nordkoreanischer Soldat (an der Grenze zu China)


In Nordkorea finden am Samstag die Feierlichkeiten zum 105. Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung statt. Im Vorfeld hat das nordkoreanische Militär martialische Erklärungen verbreitet. Sollten die USA das kommunistische Land angreifen, werde es "atomaren Donner und strafende Blitze" geben, die Feinde würden einen "echten Krieg" erleben.

Konkrete Drohungen wurden ausgestoßen gegen US-Stützpunkte in Südkorea sowie gegen den Präsidentenpalast in Seoul. Dieser könne bei einem Militärschlag Nordkoreas "in wenigen Minuten zertrümmert" werden.

Die Erklärung aus Pjöngjang richtete sich auch persönlich gegen US-Präsident Donald Trump. Der habe mit seinem Raketenangriff in Syrien "den Weg der offenen Drohung und Erpressung" gegen Nordkorea betreten, erklärten die Streitkräfte.

"Verdächtige Aktivitäten"

Weltweit wird befürchtet, dass die nordkoreanische Führung unter Machthaber Kim Jong Un - dem Enkel Kim Il Sungs - am Samstag anlässlich des Jahrestages einen neuen Atomwaffentest vornehmen könnte.

Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität in den USA zeigen Satellitenbilder "verdächtige Aktivitäten" auf dem Testgelände Punggye Ri. Dem US-Auslandssender Voice of America zufolge wurde bereits ein atomarer Sprengsatz in einen Tunnel geschoben.

Es wäre der sechste verbotene Test seit 2006. Das stalinistisch geführte Land verstößt mit den Tests gegen diverse Uno-Resolutionen.

Die USA kündigten an, wegen der Gefahr aus Nordkorea "militärische Optionen" zu prüfen. Präsident Trump hatte in den vergangenen Wochen mehrfach damit gedroht, das Atomprogramm Nordkoreas notfalls im Alleingang zu stoppen.

US-Zerstörer sind angeblich bereit

Der US-Sender NBC berichtet unter Berufung auf mehrere Mitarbeiter von US-Geheimdiensten, dass die USA darauf vorbereitet seien, einen Präventivschlag gegen Nordkorea auszuführen, sollten sie davon überzeugt sein, dass Pjöngjang einen weiteren Atomtest vornehmen wolle.

Zwei US-Zerstörer mit Marschflugkörpern halten sich demnach in der Nähe der koreanischen Halbinsel auf. Einer davon sei etwa 480 Kilometer vom Atomtestgelände entfernt. Der Bericht wurde offiziell nicht bestätigt.

Am Donnerstag hatte das US-Militär in Afghanistan im Kampf gegen IS-Terroristen erstmals die sogenannte Mutter aller Bomben eingesetzt - die größte nicht-nukleare Waffe der amerikanischen Streitkräfte. Auf die Frage, ob der Einsatz der Bombe auch als Warnung an Nordkorea gedacht sei, antwortete Trump, dies mache keinen Unterschied. "Ich weiß nicht, ob das eine Botschaft sendet. Es ist auch egal, ob es das tut oder nicht. Nordkorea ist ein Problem. Das Problem wird gelöst werden."

Russland und China besorgt

Die Regierung in Moskau zeigte sich angesichts der wachsenden Spannungen auf der koreanischen Halbinsel besorgt. "Wir rufen alle Länder zur Zurückhaltung auf", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Vizeaußenminister Sergej Rjabkow mahnte, es könne nur eine politische Lösung des Konflikts geben.

Der russische Militärexperte Wladimir Dworkin warnte, ein Präventivschlag der USA könne einen großen Militärkonflikt auslösen. Sein Kollege Sergej Modestow hingegen hielt einen Angriff der USA auf Nordkorea für unwahrscheinlich. "Der US-Präsident lässt die Muskeln spielen, aber er wird es kaum wagen", sagte er der Agentur Interfax. Denn die Nordkoreaner seien unberechenbar. So könnten sie als Reaktion auch Verbündete der USA wie Japan oder Südkorea angreifen.

China rief alle Beteiligten zur Zurückhaltung auf. "Wir fordern ein Ende der Provokationen und Drohungen, bevor die Lage nicht mehr zu retten ist", sagte Außenminister Wang Yi.

Als Demonstration der Stärke haben die USA bereits ihren Flugzeugträger "USS Carl Vinson" entsandt. Er wird zusammen mit einem Flottenverband am Wochenende in den Gewässern nahe der koreanischen Halbinsel erwartet. Am Ostersonntag kommt außerdem US-Vizepräsident Mike Pence in die südkoreanische Hauptstadt Seoul.

wal/AFP/dpa



insgesamt 156 Beiträge
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jkleinmann 15.04.2017
1. Lasst sie doch testen, wie sie wollen.
Als wenn der dicke Säbelrassler jemals seine Macht gefährden würde, indem er einen konkreten Konflikt mit anderen Staaten führt. Ignorieren wäre die schlimmste Sanktion für ihn.
movfaltin 15.04.2017
2. Präventivschlag?
Warum denn bitte einen "Präventivschlag"? Eine Angriffshandlung der USA ist das dann, genau wie in Syrien. Für die USA wird in beiden Fällen keinerlei ernsthafte Gefahr bestanden haben (zumindest bis zu deren kriegerischen Aggressionen). Hat Nordkorea oder Syrien etwa jemals das Staatsgebiet der USA attackiert? Eben. Billige völkerrechtsverachtende Angriffskriegereien seitens der USA sind das. Das sollten gerade wir Deutschen aus der Geschichte gelernt haben, dass Angriffskrieg eben Angriffskrieg bleibt, auch wenn ihn die sympathischere oder nähere Seite vollzieht.
j.vantast 15.04.2017
3. Nicht nur Nordkorea ist unberechenbar
Auch Trump ist unberechenbar. Mir ist momentan die Zahl der unberechenbaren Staatsoberhäupter einfach viel zu gross. Soll die Welt wirklich in einem Atomkrieg zugrunde gehen, nur weil ein paar geistig verwirrte Narzissten in manchen Ländern an der Macht sind? Ich hätte nicht gedacht dass ich einmal China und Russland zu ihrer Haltung beglückwünschen würde.
claude 15.04.2017
4. armes Seoul
Die USA würden wohl nicht derart mit dem Säbel rasseln, wenn ihre eigene Hauptstadt einen Steinwurf von der Nordkoreanischen Grenze entfernt wäre, wie Seoul. Es ist völlig unvohersehbar, was nach einem Präventivschlag passieren würde, ein Davonlaufendes Miltiär wie im Irak, oder ein schwerer Angriff auf das nahe Seoul, man möchte es sich nicht vorstellen.
wahrscheinlichwahr3 15.04.2017
5. Trump unberechenbar
Trump wird den Präventivschlag wagen, da bin ich mir irgendwie ziemlich sicher. Nur dann wird die Koreanische Halbinsel nicht mehr das sein, was sie jetzt ist, sondern ein Haufen Schutt. Und vielleicht nicht nur dort......
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