Gescheiterter Nordkorea-Gipfel Trump soll Übergabe der Atomwaffen verlangt haben

Die Gespräche von Donald Trump und Kim Jong-Un über das nordkoreanische Atomprogramm wurden ergebnislos abgebrochen. Nun heißt es: Grund soll laut Reuters ein forderndes Dokument des US-Präsidenten gewesen sein.

Donald Trump spricht mit Kim Jong Un
Leah Millis/File Foto/REUTERS

Donald Trump spricht mit Kim Jong Un


US-Präsident Donald Trump soll beim Gipfel vor vier Wochen den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un dazu aufgefordert haben, alle Atomwaffen an die USA zu übergeben. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Insider. Demnach überreichte Trump am 28. Februar ein entsprechendes Dokument.

In dem Papier, das Reuters vorliegt, wird unter anderem neben der Auslieferung der Waffen und Waffenteile auch ein vollständiger Abbau jeglicher nuklearer Infrastruktur, Zugang von US-Inspektoren sowie die Versetzung aller am Atomprogramm beteiligten Wissenschaftler in zivile Projekte gefordert. Es sei das erste Mal gewesen, dass Trump gegenüber Kim deutlich gemacht habe, was er unter Denuklearisierung verstehe, sagte der Insider.

Der Gipfel zwischen Kim und Trump in Vietnam Ende Februar war ohne Absichtserklärung zu Ende gegangen, ein Mittagessen der beiden Staatschefs wurde abgesagt. Beide Seiten kamen sich in der zentralen Frage der atomaren Abrüstung Nordkoreas und der Gegenleistungen der USA nicht näher. Nordkorea drohte seither mit einem Abbruch der Atomgespräche, während Trump offenbar versuchte, die Wogen wieder zu glätten. Nur: Über die genauen Gründe des Scheiterns des inzwischen zweiten Gipfeltreffens zwischen den Staatschefs drang bislang wenig nach außen.

Libyen als Vorbild für Nordkorea?

Auf den Bericht über das Papier Trumps reagierte das US-Präsidialamt bisher nicht. Das Außenministerium in Washington lehnte eine Äußerung zu einem als vertraulich eingestuften Dokument ab. Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton hatte im Anschluss an den Gipfel in Fernsehinterviews über das Dokument gesprochen, jedoch keine Details genannt.

Bolton gilt seit Langem als Vertreter eines harten Kurses gegenüber Nordkorea und als Befürworter eines "Libyen-Modells" zur Denuklearisierung. Libyen hatte seine Atomwaffen 2004 an die USA übergeben. Sieben Jahre später beteiligten sich die USA an einer Nato-Mission in dem nordafrikanischen Land, die zum Sturz der Regierung von Muammar al-Gaddafi führte.

Nordkorea lehnt ein Libyen-Modell ab, Vertreter des Landes verwiesen auf das "schreckliche Schicksal" Gaddafis. Die Regierung in Pjöngjang sprach sich wiederholt gegen eine einseitige Abrüstung aus und führt an, das Waffenprogramm sei zur Verteidigung des Landes nötig.

apr/Reuters



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Seite 1
Geopolitik 30.03.2019
1.
Tja, das Dokument wurde wohl von Bolton ausgefertigt und hat Trump nun um seinen Ruhm gebracht. Hoffentlich schwächt dies Bolton’s Einfluss.
s.l.bln 30.03.2019
2. An Naivität nicht zu überbieten.
Die haben doch nicht ernsthaft gedacht, Kim würde ohne Sicherheitsgarantien und vorherige Rücknahme der Sanktionen die komplette Nukleartechnologie des Landes übergeben, falls überhaupt je. Spätestens seit Gaddafi weiß jeder Herrscher eines Landes, das mit den USA quer liegt, daß er dringend Atomwaffen braucht. Besonders deutlich wurde das, als Pakistan offiziell Atommacht wurde. Sie sind von den USA massiv bedroht worden, bis sie Atomwaffen hatten. Ab dem Moment änderte sich die US Rhetorik schlagartig und man hörte plötzlich diplomatische Töne.
ihawk 30.03.2019
3. Verhandlungsstil
Nun, ich denke, Kim Jong-Un lässt sich Donald Trumps arroganten Ton nicht gefallen und ich denke, das ist auch gut so. Die USA können nicht nur fordern, sondern müssen m.E. Nord Korea umfassende Angebote machen. Was man nicht vergessen sollte, es besteht lediglich Waffenstillstand - völkerrechtlich besteht zwischen den USA / Süd Korea und Nord Korea nach wie vor Krieg.
aysnvaust 30.03.2019
4. Kim wäre schön blöd, dem nachzugeben...
...speziell mit dem Lybien Beispiel im Hinterkopf. Da muss ich dem Diktator (also nicht dem Möchtegern-Diktator) Recht geben, so sehr ich mir auch ein denuklearisiertes und, besser noch, wiedervereinigtes Korea wünsche. Dass Bolton da womöglich federführend war, verwundert nicht; wer seine Vita kennt, weiss das Bolton einer der schärfsten Falken (manch einer würde sagen "Kriegstreiber") in der US Regierung ist.
rainer_d 30.03.2019
5. Libyen
Naja, beim Gedanken an den aufgespiessten Kopf von Gaddafi ist dem lieben Onkel Kim sicher ganz warm ums Herz geworden. Kein Wunder, ist er gleich wieder abgereist.
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