Propaganda-Projekt Nordkoreas Diktator feiert neue Stadt "als Inbegriff der modernen Zivilisation"

Skigebiet, schicke Hotels, moderner Stil: Glaubt man dem nordkoreanischen Regime, ist die neue Stadt Samjiyon ein "sozialistisches Utopia". Möglich wurde das Großprojekt aber nur durch Zwangsarbeit.

KCNA VIA KNS/ AFP

Wenn es um neue Projekte geht, neigt das nordkoreanische Regime eher nicht zu Untertreibungen. Das gilt auch für Samjiyon. So lautet der Name einer neuen Stadt, die Diktator Kim Jong Un in die Bergwelt nahe Mount Paektu bauen ließ. Nun wurde der Ort nach reichlich Verzögerungen eröffnet - und von der Propagandapresse auch gleich als "Inbegriff der modernen Zivilisation" gefeiert.

In der Gegend um Mount Paektu verortet der Kim-Clan seine Wurzeln, zuletzt ritt der amtierende Machthaber auf einem Pferd über den höchsten Berg des Landes. Und auch bei der Eröffnung von Samjiyon war Kim natürlich dabei. Die "Rodong Sinmun", eine vom Regime gesteuerte Zeitung, veröffentlichte Fotos, die Kim beim Durchtrennen eines festlichen roten Bandes zeigen. Dazu sind Aufnahmen der Stadt samt Feuerwerk zu sehen.

Kim Jong Un: Der Berg Paektu wird in Nordkorea als heilig verehrt
AFP/STR/KCNA VIA KNS

Kim Jong Un: Der Berg Paektu wird in Nordkorea als heilig verehrt

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA soll der Ort Platz für rund 4000 Familien bieten. Auf "Hunderten von Hektar" Land sollen außerdem Geschäftsgebäude entstehen. Das Projekt ist nach Angaben der staatlichen Medien als "sozialistisches Utopia" ausgelegt, mit Hotels, Skigebiet sowie Kultur- und Medizineinrichtungen.

Dabei wird geflissentlich verschwiegen, dass auch dieses Bauunterfangen - wie die meisten Projekte in dem bitterarmen Land - nur mithilfe von Zwangsarbeit entstehen konnte. Die internationalen Sanktionen gegen Nordkorea sorgten immer wieder für Engpässe bei der Baustoffversorgung.

Junge Menschen mussten für die Prestigebauten schuften

Die wiederholten Verzögerungen hatten das Kim-Regime auf sogenannte Jugendarbeits-Brigaden zurückgreifen lassen. Regimeflüchtlinge und Menschenrechtsaktivisten haben diese längst als Vorwand zur Zwangs- und Sklavenarbeit entlarvt. Die Arbeiter werden nicht bezahlt, schlecht verpflegt und müssen auch sonst katastrophale Arbeitsbedingungen hinnehmen. Als Ansporn wird ihnen lediglich die Möglichkeit in Aussicht gestellt, bei guten Leistungen in die Arbeiterpartei aufgenommen oder an einer Universität zugelassen zu werden.

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Neue Stadt in Nordkorea: Kims Skiressort

Prestigebauten wie die neue Stadt kommen zudem meist nur einer sehr kleinen, eng mit dem Regime verwobenen Oberschicht zugute. Die Landbevölkerung leidet durch Misswirtschaft und Enteignungen immer wieder unter Hungersnöten. Lediglich in der Hauptstadt Pjöngjang versuchte das Kim-Regime bisher, einen Eindruck von Wohlstand und Fortschritt zu vermitteln.

jok/Reuters



insgesamt 27 Beiträge
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RDetzer 03.12.2019
1. Das haben wir
auch. Skigebiete, schicke Hotels, moderner Stil, Zwangsarbeit. Jetzt müssen wir nur noch Nordkorea einführen.
streckengeher 03.12.2019
2. Was ist nun das Besondere?
Dass Nordkorea der Inbegriff des Bösen ist, dürfte mittlerweile jeder Spiegelleser begriffen haben. Schön wäre gewesen, wenn man in diesem Artikel über die offenbar unverzichtbare Systemkritik hinaus auch noch erfahren hätte, was diese Stadt nun zu einem "sozialistischen Utopia" macht.
menkenke 03.12.2019
3. @1&2
Zwangsarbeit? An der Elbphilharmonie? Leute, ich verstehe ja, dass ihr unzufrieden seid und der Artikel ist wirklich etwas dünn, was Informationen angeht. Aber müssen wir wirklich darüber streiten, dass Zwangsarbeit in diktatorischen Regimen, aus denen die Bürger objektiv nicht ausreisen dürfen, nicht mit schlechten Arbeitsbedingungen a la Deutschland zu vergleichen sind? Und dass eine komplett regierungsgelenkte Presse etwas anderes ist als die hiesige, in der es nicht nur regierungskritische Berichte gibt bzw eben auch veröffentlichte Meinung, mit der man nicht konform geht?
arikimau 03.12.2019
4. Der arme Sozialismus
Fühlt sich eher nach einer "Neoliberalen Utopie" an. Kein Mindestlohn, kein freies Studium, keine Sozialleistungen und die Reiche Oberschicht zahlt keine Steuern.
Überflieger01 03.12.2019
5. Dem stimme ich zu
Siehe das Verhalten der Presse im VW-Diesel Skankal. Wurde da mal den betroffenen Autobesitzern geholfen um eine Entschädigung von VW zu erhlalten. Man hatte wohl Angst um sein Aktienportfolio
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