SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

07. August 2015, 12:33 Uhr

"Pjöngjang-Zeit"

Kim Jong Un führt eigene Zeitzone ein

In Nordkorea werden die Uhren bald um eine halbe Stunde zurückgestellt. Die von den "boshaften japanischen Imperialisten" auferlegte Zeit solle durch eine "Pjöngjang-Zeit" ersetzt werden, hieß es zur Begründung. In Südkorea sorgt das für Unmut.

Die Aktion soll den "unerschütterlichen Willen" des nordkoreanischen Volkes widerspiegeln: Machthaber Kim Jong Un lässt die Uhren in seinem Land um eine halbe Stunde zurückdrehen. In Kraft treten soll die Umstellung am 15. August.

Anlass ist der 70. Jahrestag des Endes der japanischen Kolonialherrschaft in Nordkorea, die von 1910 bis 1945 dauerte. Damals hatte Tokio verfügt, die Uhren um 30 Minuten vorzustellen, um die koreanischen Uhren an die japanische Zeit anzupassen. Kim macht das nun wieder rückgängig.

Die von den "boshaften japanischen Imperialisten" auferlegte Zeit werde abgeschafft und durch eine "Pjöngjang-Zeit" ersetzt, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA.

Durch die Zeitumstellung im Norden wird es dort demnächst eine halbe Stunde früher sein als in Südkorea. Das Land hatte ebenfalls seine Uhren 1954 auf die eigene Zeit gestellt. Nach dem Militärcoup fünf Jahre später wechselte Seoul aber wieder auf die japanische Zeit zurück.

Dass der Norden nun wieder seine eigene Zeit einführt, sorgte im Süden für Unmut. Kurzfristig seien Nachteile insbesondere für den gemeinsam auf nordkoreanischem Territorium betriebenen Industriekomplex Kaesong zu befürchten, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Vereinigungsministeriums. Langfristig würden dadurch auch Bemühungen zurückgeworfen, die Unterschiede zwischen beiden Staaten abzubauen.

vks/dpa/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung