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Weltgemeinschaft brüskiert Kim Jong Un lässt Langstreckenrakete abfeuern

Das nordkoreanische Regime hat erneut eine Langstreckenrakete getestet - trotz scharfer Kritik. Der Uno-Sicherheitsrat kommt noch am Sonntag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

Machthaber Kim Jong Un gab nach Angaben der staatlichen Medien persönlich den Befehl zum Abschuss der Rakete. Nordkorea feuerte am frühen Sonntagmorgen eine Langstreckenrakete ab - und das nur einen Monat nach seinem Atomtest. Das Regime feierte den Abschuss als Erfolg.

Die Rakete habe den "Erdbeobachtungssatelliten Kwangmyongsong 4 erfolgreich in die Umlaufbahn gebracht", verkündete eine Nachrichtensprecherin des Staatsfernsehens. Kwangmyongsong bedeutet "Leuchtender Stern".

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Raketenstart in Nordkorea: Kim Jong Un provoziert erneut

Foto: YONHAP/ AFP

Die Rakete sei gegen 9 Uhr (Ortszeit, 01.30 Uhr MEZ) von der Abschussrampe in Sohae an der Westküste abgehoben, erklärte die nordkoreanische Raumfahrtbehörde. Der Satellit habe 9:46 Minuten nach dem Start den Orbit erreicht. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es zunächst nicht.

Die Behörde verteidigte den Start gegen Kritik. Pjöngjang habe lediglich sein "legitimes Recht auf die Weltraumforschung zu unabhängigen und friedlichen Zwecken" ausgeübt. Das Land werde in Zukunft noch mehr Satelliten ins All schießen.

Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats

Das nordkoreanische Regime hatte den geplanten Start der Rakete schon vor einigen Tagen angekündigt, den genauen Zeitpunkt aber offengelassen. Nordkorea behauptet, dass sein Raumfahrtprogramm rein wissenschaftlicher Natur sei.

Südkorea, Japan und die USA befürchten, dass Pjöngjang vor allem die Technologie atomar bestückter Interkontinentalraketen testen will - damit würde das kommunistische Land gegen Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats verstoßen. Die drei Länder beantragten eine Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats in New York, die für Sonntagvormittag 11 Uhr (Ortszeit; 17 Uhr MEZ) angesetzt wurde.

Hier die Reaktionen im Überblick:

  • Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye warf dem kommunistischen Regime in Pjöngjang eine schwere Provokation vor, die nicht toleriert werden könne. Sie forderte harte Sanktionen des Uno-Sicherheitsrats gegen Nordkorea. Südkorea erwägt angesichts der Bedrohung, ein Raketenabwehrsystem zu installieren. Sein Land werde mit den USA darüber verhandeln, kündigte ein hochrangiger Vertreter des südkoreanischen Verteidigungsministeriums an.

  • Frankreichs Regierung sprach von einer "sinnlosen Provokation" und verlangte eine "schnelle und harte Reaktion".

  • Die USA nannten den Raketenabschuss "destabilisierend, provokativ und eine eklatante Verletzung" zahlreicher Uno-Resolutionen. Die Vereinigten Staaten setzten sich für "ernste Konsequenzen" ein, erklärte US-Sicherheitsberaterin Susan Rice. Auch Außenminister John Kerry betonte, die USA würden mit ihren Partnern und Mitgliedern des Uno-Sicherheitsrates weiter an "bedeutenden" Maßnahmen arbeiten, um Nordkorea zur Rechenschaft zu ziehen.

  • Der Abschuss sei eine Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit der Welt, sagte Japans Regierungssprecher Yoshihide Suga. Ministerpräsident Shinzo Abe übte ebenfalls scharfe Kritik und sprach von einem Verstoß gegen Uno-Resolutionen.

  • Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte auch in seiner Eigenschaft als amtierender Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE): "Der Raketenstart ist eine verantwortungslose Provokation, die völkerrechtlich bindende Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats missachtet und die regionale Sicherheit zum wiederholten Male aufs Spiel setzt." Diese offene Herausforderung der Weltgemeinschaft dürfe nicht ohne spürbare Konsequenzen bleiben.

  • Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilte Nordkoreas Raketenstart. Damit verletze die Regierung in Pjöngjang fünf Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats. Stoltenberg rief die Führung des kommunistischen Landes auf, keine weiteren Raketenstarts anzudrohen oder durchzuführen und von "jeglichen weiteren provokativen Handlungen" abzusehen.

  • Nordkoreas wichtigster Verbündeter China "bedauerte" nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua den Start der Langstreckenrakete.

  • Russland distanzierte sich ebenfalls von Pjöngjang. Der Raketenstart verschärfe die Lage auf der koreanischen Halbinsel und in der gesamten Region, teilte das russische Außenministerium mit.

  • Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Raketenstart, der bestehende Resolutionen des Sicherheitsrats verletze.

Südkorea, Japan, China und die USA hatte die Pläne Nordkoreas schon im Vorfeld scharf kritisiert. Erst vor einem Monat hatte der vierte Atomtest Pjöngjangs weltweit Empörung ausgelöst.

heb/dpa/AFP
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