Atomkonflikt mit USA Kim Jong Un lobt sein Militär für Guam-Angriffsplan

Nordkoreas Militär hat Machthaber Kim Jong Un den Plan für einen Raketenangriff auf Guam vorgestellt. Der droht erneut in Richtung USA - will mit einer Entscheidung aber warten. US-Verteidigungsminister Mattis warnt vor Krieg.
TV-Übertragung mit Kim Jong Un in Japan

TV-Übertragung mit Kim Jong Un in Japan

Foto: Shizuo Kambayashi/ dpa

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un hat von seinem Militär einen Bericht über Pläne für einen Raketenstart Richtung US-Pazifikinsel Guam erhalten. Er werde die Handlungen der USA noch etwas länger beobachten, bevor er eine Entscheidung treffe, sagte er laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Kim habe das Militär angewiesen, jederzeit einsatzbereit zu sein, wenn er eine Entscheidung über einen möglichen Angriff auf Guam treffe.

Bei einem Besuch des Hauptquartiers der Raketentruppen unterstrich Kim die Bereitschaft zu einem solchen Angriff und lobte das Militär für den Angriffsplan. Die USA spürten bereits "den Strick um den Hals" durch ihren eigenen "rücksichtslosen militärischen Lärm". Die Amerikaner sollten angesichts der angespannten Lage auf der koreanischen Halbinsel "mögliche Gewinne oder Verluste mit klarem Kopf abwägen".

Kim verlangte laut KCNA von den USA ein sofortiges Ende der "arroganten Provokationen" und "einseitigen Forderungen".

Washington und Pjöngjang hatten die gegenseitigen Drohungen zuletzt immer weiter verschärft. Donald Trump hatte gewarnt, die USA würden "mit Feuer und Wut" auf neuerliche Raketentests reagieren. Nordkorea drohte daraufhin mit einem Angriff nahe des US-Außengebiets Guam, sein Militär präsentierte einen entsprechenden Plan. Auf der strategisch wichtigen Pazifikinsel unterhalten die USA einen Luftwaffenstützpunkt mit derzeit etwa 6000 Soldaten (mehr zur Bedeutung von Guam lesen Sie hier).

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Streit mit Nordkorea: Ein Konflikt - viele mischen mit

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USA haben "kein Interesse" an Sturz Kim Jong Uns

US-Verteidigungsminister James Mattis warnte Nordkorea davor, einen Krieg gegen sein Land zu riskieren. "Wenn sie die Vereinigten Staaten unter Beschuss nehmen, könnte das sehr schnell zu einem Krieg führen", sagte der Ex-General am Montag vor Journalisten.

Sollte ein Flugkörper US-Boden treffen, etwa auf der Pazifikinsel Guam, dann sei "Game on", wie Mattis sich ausdrückte. Das bedeutet in etwa so viel wie: "Dann geht es los." Die USA könnten die Flugbahn einer nordkoreanischen Rakete binnen Augenblicken abschätzen. Sollte die Rakete Richtung auf Guam nehmen, "werden wir sie außer Gefecht setzen".

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Mattis hatte zuvor gemeinsam mit Außenminister Rex Tillerson einen Gastbeitrag für das "Wall Street Journal"  verfasst. Darin schrieben sie, die US-Regierung habe "kein Interesse" an einem Sturz des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un. Washington strebe auch keine "beschleunigte Wiedervereinigung Koreas" an.

"Wir suchen auch keine Ausrede, um US-Truppen nördlich der entmilitarisierten Zone zu stationieren", die Nord- und Südkorea trennt. "Wir haben keinerlei Bedürfnis, das seit Langem leidende nordkoreanische Volk zu schädigen, das sich von dem feindlichen Regime in Pjöngjang unterscheidet."

Südkorea will Krieg "um jeden Preis verhindern"

Der südkoreanische Präsident Moon Jae In sagte, er wolle einen Krieg auf der Halbinsel "um jeden Preis verhindern". Seine Regierung werde die diplomatischen Bemühungen zur Lösung der Frage der atomaren Aufrüstung und der Raketen Nordkoreas verstärken. "Wir müssen die nordkoreanische Atomfrage friedlich lösen, egal wie viele Höhen und Tiefen es gibt."

Über einen militärischen Einsatz auf der koreanischen Halbinsel könne ausschließlich Seoul entscheiden, betonte Moon. "Niemand kann ohne die Zustimmung der Republik Korea über eine militärische Aktion entscheiden." Moon forderte Nordkorea auf, seine Provokationen einzustellen.

In Guam haben am Montag Dutzende Menschen für eine friedliche Lösung des Konflikts demonstriert. "Frieden, kein Krieg, dafür steht unsere Insel", riefen die Menschen. Allerdings droht schon in den kommenden Tagen neues Konfliktpotenzial.

Unterdessen warnte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) vor einer weiteren Eskalation der Lage. Er verurteilte Trumps Drohungen gegen Nordkorea scharf. Der US-Präsident bediene sich in dem Konflikt einer "unfassbar kriegerischen Rhetorik". Es bestehe die Gefahr, "dass solche Eskalationen mit der Sprache beginnen und mit einem Militäreinsatz enden", sagte der Vizekanzler dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

An diesem Dienstag begehen beide koreanische Staaten den Sieg gegen die japanischen Besatzer zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Regime in Pjöngjang könnte dies für eine weitere Demonstration der Stärke nutzen. In der kommenden Woche sollen zudem gemeinsame Militärmanöver der USA und Südkoreas beginnen, die Nordkorea als akute Bedrohung des Landes betrachtet.

aar/dpa/AP/Reuters
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