Nordkorea vs. USA Auf die harte Tour

Mitten in der Irankrise geraten auch die Atomverhandlungen der USA mit Nordkorea ins Stocken. Das Prestigeprojekt von Donald Trump beruhte auf einer großen Fehleinschätzung.
Trump und Kim im Juni 2019 an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea

Trump und Kim im Juni 2019 an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea

Foto: KCNA/ REUTERS

Das neue Jahr begann in Pjöngjang mit einem Feuerwerk - und der Gewissheit, dass die nordkoreanische Führung auf eine harte Linie einschwenkt. Machthaber Kim Jong Un hat den Dialog mit US-Präsident Donald Trump zwar - noch - nicht vollständig für beendet erklärt. Nach 18 Monaten aber scheint Trumps ganz eigene Form der Nordkorea-Diplomatie gescheitert. Es ist angesichts der Eskalation im Konflikt mit Iran vielleicht gerade nicht ganz oben auf der Prioritätenliste Trumps, aber es ist ein Rückschlag für ein Prestigeprojekt.

Es war die unberechenbare Art des US-Präsidenten, die Gespräche mit Pjöngjang überhaupt möglich gemacht hatten:

  • Erst flößten Trumps martialische Drohungen 2017 Nordkorea offenbar Angst ein und erhöhten den Druck auf das Regime.
  • Dann war er bereit, Kim persönlich zu treffen und eröffnete damit den Dialog.

Vor der glitzernden Skyline von Singapur im Juni 2018 sollte seine große Friedensinitiative beginnen. Statt "fire and fury" setzte er nun auf "überrumpeln und kumpeln". Etwa als er vor einer verblüfften Weltöffentlichkeit im Juni 2019 neben Kim nordkoreanischen Boden betrat. Trump brach mit diplomatischen Konventionen. Und im Fall Nordkoreas sah es so aus, als könne er damit erfolgreich sein.

Handschlag mit dem Diktator: Trump und Kim im Juni 2018 in Singapur

Handschlag mit dem Diktator: Trump und Kim im Juni 2018 in Singapur

Foto: Evan Vucci / AP

Das Problem: Nur sein Stil war neu. Die Forderungen der US-Regierung an das Regime in Pjöngjang folgten der bisherigen Logik. Trump beharrte darauf, dass Nordkorea vollständig und überprüfbar atomar abrüsten solle, bevor nächste Schritte wie Sanktionserleichterungen überhaupt diskutiert werden. Er verkannte damit die Realität des Regimes von Kim Jong Un.

Trump überschätzte die Macht von wirtschaftlichen Anreizen

Denn Kim wird seine Atomwaffen nicht aufgeben. Solange er darüber verfügt, kann sein repressives Regime überleben. Sie sichern seine Macht nach innen und nach außen. Kein anderes Land würde sich trauen zu intervenieren, wenn es einen Aufstand in Nordkorea gäbe.

Und wie wenig ein Atomabkommen wert sein kann, hat ihm ausgerechnet Trump selbst vorgeführt, als er den Vertrag mit Iran kündigte. Wer garantiert Kim, dass ihm kein ähnliches Schicksal widerfährt, wenn ein neuer Präsident im Oval Office Platz nimmt?

Trump überschätzte zugleich die Macht von ökonomischen Anreizen. Da konnte der US-Präsident in der Vergangenheit noch so sehr von Immobilienprojekten an der Küste schwärmen ("Was für ein Blick! Was dort für Apartments entstehen könnten!"): Das nationale Sicherheitsinteresse Nordkoreas wiegt schwerer als die Aussicht auf einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Nordkorea will nicht, aber es kann weiter unter Sanktionen leben

Dies spiegelt sich auch in der Botschaft, die Kim zum neuen Jahr überbrachte: Nordkorea will nicht, aber es kann weiter unter Sanktionen leben. Es waren auch solche Fehlkalkulationen, die echten Dialog und Fortschritt verhinderten.

Die US-Regierung vermittelte den Eindruck, dass sich ein komplexes Thema wie atomare Abrüstung mit Gipfeltreffen von Spitzenpolitikern lösen lässt. Ein neuer Stil schließt aber nicht aus, auch traditionelle Diplomatie zu nutzen. Gespräche von Unterhändlern fanden selten statt, auch weil die Nordkoreaner mauerten.

Nordkoreanische Raketentests in einer Südkoreanischen Nachrichtensendung im Mai 2019

Nordkoreanische Raketentests in einer Südkoreanischen Nachrichtensendung im Mai 2019

Foto: Ahn Young-Joon/ dpa

Als Beleg dafür, dass es schon vorangehen würde bei der Denuklearisierung, diente Trump immer wieder seine "großartige Freundschaft" mit Kim. Selbst als Kim vor wenigen Tagen warnte, eine "lange Konfrontation mit den USA" stünde bevor, beteuerte Trump: "Ich mag ihn. Er mag mich. Wir verstehen uns." Ob solche Aussagen nun einem Kalkül folgen oder schlicht Selbstüberschätzung ausdrücken - sie können die neuen Feindseligkeiten nicht mehr überdecken.

Kim Jong Un testet wieder Kurzstreckenraketen. Experten vermuten, dass das Regime heimlich weiter Waffen entwickelt. Trump wäre nicht der erste amerikanische Präsident, dessen Nordkorea-Verhandlungen scheitern. Die besondere Tragik liegt darin, dass wieder einmal eine historische Chance vergeben worden ist, die koreanische Halbinsel zu befrieden. Das spüren besonders jene Menschen, die in Reichweite von Nordkoreas Waffen leben - die Südkoreaner.