SPIEGEL ONLINE

Spekulationen über Nuklearversuche Nordkorea meldet "erfolgreichen" Wasserstoffbombentest

Die Provokation ist perfekt: Nordkorea verkündet erneut die nach eigenen Angaben erfolgreiche Zündung einer Wasserstoffbombe. Die USA und die Nachbarländer zeigen sich alarmiert.

Nordkorea hat nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe gezündet. Der Test sei ein "absoluter Erfolg" gewesen, meldete das nordkoreanische Staatsfernsehen am Sonntag.

Wasserstoffbomben sind potenziell besonders verheerende Nuklearwaffen, mit denen sich weit stärkere Explosionen erzeugen lassen als mit herkömmlichen Atombomben.

In der Nacht hatte es bereits Meldungen über mindestens ein Erdbeben gegeben, das durch einen Bombentest ausgelöst worden sein könnte. Nach Angaben des chinesischen Erdbebenamts hatte es die Stärke von 6,3 - die Behörde korrigierte damit anfängliche amerikanische Messungen, die zunächst 5,6 angezeigt hatten. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete von einem zweiten Erdbeben, das die Stärke von 4,6 gehabt haben soll. In der Vergangenheit waren auch erst seismische Aktivitäten gemessen worden, bevor festgestellt worden war, dass sie durch einen Atomtest ausgelöst worden waren.

Bilder der nordkoreanischen Medien zeigten am Sonntag ein Foto von Kim Jong Un und hochrangigen Parteifunktionären um einen runden silbernen Behälter, der angeblich den Sprengkopf für die Rakete zeigt. Er sei "stolz auf die unbezwingbare Stärkung" der Atomstreitkräfte, wurde Kim zitiert. Nach offizieller Darstellung lässt sich die Sprengkraft der neuen Waffe von Dutzenden Kilotonnen "bis mehrere hundert Kilotonnen" variieren.

Bereits im Januar 2016 hatte Pjöngjang erklärt, erstmals eine Wasserstoffbombe erfolgreich getestet zu haben. Damals bezweifelten Experten allerdings, dass es sich bei dem Atomtest tatsächlich um eine Wasserstoffbombe gehandelt habe. Solche Bomben sind technisch außerordentlich kompliziert herzustellen.

Vor der vermutlichen Zündung am Wochenende hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un verkündet, sein Land habe jetzt auch eine Wasserstoffbombe entwickelt, mit der eine Interkontinentalrakete (ICBM) bestückt werden könne. Kim habe bei einem Besuch im staatlichen Atomwaffeninstitut eine solche H-Bombe inspiziert, berichteten die Staatsmedien am Sonntag.

Es handele sich um eine "thermonukleare Waffe mit einer außerordentlichen Explosionskraft, geschaffen durch unsere eigenen Anstrengungen und eigene Technologie", zitierte die staatliche Agentur KCNA den Machthaber. Alle Komponenten der Wasserstoffbombe seien "zu 100 Prozent im eigenen Land hergestellt".

Telefonat von Trump und Abe

Der Test Nordkoreas ist eine gezielte Provokation: Das Land arbeitet derzeit offenbar daran, seine Bomben dermaßen zu verkleinern, dass sie als Sprengköpfe auf Interkontinentalraketen montiert werden könnten. Damit könnten sie auch die USA erreichen, die die Führung in Pjöngjang als ihren großen Feind sieht.

Die USA verfolgen die Entwicklung besonders mit Sorge, weil sie einen Schlag gegen amerikanisches Territorium befürchten. Die Bestückung einer ICBM wäre ein weiterer großer Fortschritt im Atom- und Raketenprogramm des Landes, das strengen internationalen Sanktionen unterworfen ist.

Das Weiße Haus teilte in der Nacht zu Sonntag mit, dass es ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Japans Ministerpräsident Shinzo Abe gegeben habe, um über weitere Möglichkeiten zu sprechen, Druck auf Nordkorea aufzubauen. Der Atomversuch folgte auf den Test vergangene Woche mit einer Rakete, die über Japan geflogen ist (Einen Überblick über das nordkoreanische Rüstungsprogramm finden Sie hier). Die USA beraten deswegen gerade schon mit Japan oder auch den Mitgliedern im Weltsicherheitsrat über Gegenmaßnahmen. Nach dem Atomversuch sind neue Sanktionen erst recht denkbar. Die Regierung in Peking spielt hier eine wichtige Rolle, weil rund 90 Prozent des Handels mit dem isolierten Land über China läuft.

Scharfe Kritik aus Südkorea und China

Südkorea und China kritisierten den erneuten Atomtest scharf. China rief das Nachbarland auf, die Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats zu respektieren. Die Aktionen seien falsch, teilte das Außenministerium am Sonntag mit. Sie würden die Krise verschärfen und seien nicht im Interesse des Landes. China appellierte an Nordkorea, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Südkorea forderte scharfe Reaktionen auf den neuen Test. Das könnten auch weitere Sanktionen des Uno-Sicherheitsrats sein, die das Land komplett abschotten. Südkorea habe mit den USA zudem über die Entsendung von strategischem US-Militärgerät nach Südkorea gesprochen, sagte der Sicherheitsberater des Landes. Die Regierungen in Südkorea und Japan beriefen jeweils ihre nationalen Sicherheitsberater zusammen.

Die Nordkorea-Krise überschattet auch den Sonntag beginnenden jährlichen Gipfel der Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika in der südostchinesischen Stadt Xiamen. Dazu wird auch Russlands Präsident Wladimir Putin in China erwartet. Vor allem in den bilateralen Gesprächen von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping mit Putin und den anderen Staats- und Regierungschefs dürften Nordkoreas Atomtests eine Rolle spielen.

yes/dpa/AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.