Nach Raketentest US-Bomber überfliegen koreanische Halbinsel

Pjöngjang provoziert, Trump reagiert: Nach Nordkoreas erneutem Raketentest hat Donald Trump zwei Bomber in den südkoreanischen Luftraum geschickt. Auch gegen China erhebt der US-Präsident Vorwürfe.

REUTERS/ U.S. Air Force

Der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea spitzt sich weiter zu: Nach dem Test einer Interkontinental-Rakete in Nordkorea am Freitag hat US-Präsident Donald Trump zwei Air Force-Bomber über der koreanischen Halbinsel fliegen lassen. Die Bomber vom Typ B-1B starteten in Texas, überflogen den japanischen Luftraum und wurden über der Halbinsel von südkoreanischen Kampfjets begleitet. Der Einsatz dauerte etwa zehn Stunden.

Bisher hatten die USA mit Wirtschaftssanktionen und der Entsendung von Flugzeugträgern auf die atomaren Drohgebärden Nordkoreas reagiert. Trump appellierte außerdem erneut an China, den einzigen wichtigen Verbündeten des isolierten Staates, Diktator Kim zur Räson zu bringen.

"Ich bin von China sehr enttäuscht", erklärte Trump am Samstag auf Twitter. Seine Amtsvorgänger hätten Handel mit der Volksrepublik im Volumen von Hunderten Milliarden Dollar jährlich erlaubt. Dennoch hätten die Chinesen mit Blick auf Nordkorea nichts für die USA getan. "Das werden wir nicht länger zulassen. China könnte dieses Problem leicht lösen."

Ein Kommandeur der Air Force sagte, Nordkorea bliebe die größte Bedrohung für die Region. Zwar setze man weiterhin auf Diplomatie, doch die USA seien sich auch ihrer Verpflichtung gegenüber ihren Verbündeten bewusst und würden sich auch auf das Schlimmste vorbereiten.

Fotostrecke

4  Bilder
Nach Raketentest: US-Bomber über Südkorea

Nordkorea hatte am Freitag eine Rakete getestet, die Experten zufolge nicht nur die US-Bundesstaaten Alaska und Hawaii, sondern auch die Westküste des amerikanischen Festlands und damit Städte wie San Francisco und Los Angeles erreichen könnte. Die Aktion stieß international auf Kritik. Auch China hatte sich distanziert.

Machthaber Kim Jong Un hatte über die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA verbreiten lassen, seine Rakete habe während ihrer 47-minütigen Flugzeit 998 Kilometer zurückgelegt und eine maximale Flughöhe von 3724,9 Kilometer erreicht. Trotz der hohen Temperaturen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre könne dieser Typ mit einem Atomsprengkopf bestückt werden.

Es war der zweite Raketentest innerhalb eines Monates: Schon am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, war eine Version der Interkontinentalrakete des Typs Hwasong-14 abgefeuert worden.

cpa/AP/Reuters



insgesamt 73 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
klausbacker 30.07.2017
1. Wenn US-Bomber
Südkorea überfliegen, dann ist das genauso als wenn ein deutsches Flugzeug Polen überfliegt.
Hamada 30.07.2017
2. Das alles macht keinen Sinn
Dieser Kim hatte sich einmal in etwa in einem Interview so geäußert: Wenn Nordkorea mit einer Rakete die USA erreichen kann, so wird sich die USA es sich zweimal überlegen ob sie (die USA) uns angreift oder nicht. Ich denke dieses Interview sagt alles über diesen Kim und seine Beziehung zu den USA. Den Gedanken den er dabei hat macht ja auch wirklich Sinn. Und wenn die USA "klug" wären, das sind sie leider nicht, würden sie sich mit Nordkorea an einen Tisch setzen und auf eine lange Verhandlung einstellen, die sicherlich Züge einer Therapie haben wird.
caty24 30.07.2017
3. Die USA in der Zwickmühle
Die Amis werden sich nicht mehr auf China wg.der Beledigungen und Russland wg der Sanktionen verlassen können.Greifen sie Nordkorea an,fallt der Dow Jones auf mindestens die Hälfte. Wird Nordkorea in Ruhe gelassen,werden Sie mit der Angst leben müssen, dass Seattle (Microsoft) oder LA samt Silicon Valley in Asche aufgehen.
doktorshivago 30.07.2017
4. Trump behauptet
China könnte das Problem Nordkorea ohne Schwierigkeiten lösen (easily). Ich bin mir da nicht so sicher. Haben die Chinesen wirklich entscheidende Einfluss auf Kim Jong Un, so wie Trump suggeriert? Oder treiben die Chinesen ein doppeltes Spiel, d.h sie verurteilen Kim Jong Un und dessen Raketenprogramm aber lassen ihn tatsächlich gewähren, um dem amerikanischen Einfluss in der Region herauszufordern? Kim Jong Un wird in den Medien oft als irrationaler Spinner dargestellt. Sein Ziel scheint eine atomar bestückbare Interkontinentalrakete zu sein, die amerikanisches Festland erreichen kann. Das ist keineswegs eine irrationale Strategie. Der US-amerikanischen Doktrin des "regime change" kann am wirksamsten mit einer atomaren Bewaffnung begegnet werden, wenn man denn nicht so enden will wie Saddam Hussein, Gadhafi und Konsorten.
bureau 30.07.2017
5. falsche darstellung
spon beschreibt das so als hätte n-korea zuerst provoziert und die usa reagieren (berechtigterweise?) darauf. obwohl es dem "westen" vielleicht nicht passt hat n-korea genau so viel recht einen raketentest durchzuführen wie zb die usa. daraus folgt: usa provoziert als erste mit dem überflug. und .... (das ist wichtig für den rest der welt:) usa behauptet für sich allein das recht zum raketentest, jede andere nation die das tut muss sich gefälligst erst mal die erlaubnis dazu bei den usa einholen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.