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Nordkorea: Bilder aus einem abgeschotteten Land

Foto: Fabian Muir

Bilder aus Nordkorea Freizeitspaß im Kim-Land

Soldaten, Raketen und ein Staatschef, der dem Westen trotzt: Mit solchen Bildern inszeniert sich das nordkoreanische Regime. Der Australier Fabian Muir ist durchs Land gereist - und hat ganz andere Fotos mitgebracht.

Nachrichten über Nordkorea haben selten einen positiven Dreh. Wie auch? Ein Diktator, der trotz Uno-Sanktionen daran festhält, sein bettelarmes Land weiter zu schröpfen, um es zur Atommacht aufsteigen zu lassen. Der nicht nur Gegner im eigenen Land hinrichten, sondern auch im Exil lebende Kritiker von Agenten jagen lässt und jüngst wohl sogar seinen eigenen Halbbruder am Flughafen von Kuala Lumpur umbringen ließ.

Da passen Familien, die sich im nordkoreanischen Spaßbad vergnügen, sich zum Picknicken verabreden oder traditionelle Feste feiern, nicht ins Bild. Der Fotograf Fabian Muir  aber hat genau diese Szenen festgehalten - und bricht so mit den gängigen Nordkorea-Klischees.

SPIEGEL ONLINE: Herr Muir, einige Ihrer Bilder sind sicherlich schönes Propagandamaterial für die Führung in Pjöngjang, andere zeigen Tristesse und Armut. Wie haben Sie das Land und die Menschen erlebt?

Muir: Ich hatte befürchtet, dass es in Nordkorea fotografisch nicht mehr viel Neues zu entdecken gibt. Aber die meisten Bilder, die man aus Nordkorea kennt, sind in der Hauptstadt Pjöngjang aufgenommen worden. Durch die Menschen vor Ort habe ich dann ganz neue Aspekte kennengelernt. Meine Fotos sollen das Land so facettenreich dokumentieren wie möglich.

SPIEGEL ONLINE: Was hat Sie besonders überrascht?

Muir: Man stellt sich Nordkorea ja wie eine einzige Militärparade vor, also ist alles andere schon überraschend. Das Bild, das wir von dem Land haben, ist sehr von dem geprägt, was die Regierung veröffentlicht und von den Medien aufgegriffen wird. Die Realität der Leute ist eine andere. Natürlich sind sie eingeschränkt, aber das beraubt sie nicht ihrer Menschlichkeit. Manche Dinge sind auch für Besucher künstlich arrangiert, man bekommt allerdings schnell ein Gefühl für das, was echt ist. Das bedeutet nicht, dass man seinen kritischen Blick auf all das verlieren sollte. Man sollte aber gleichzeitig für die Möglichkeit offen sein, dass die eigenen Annahmen nicht zutreffen.

SPIEGEL ONLINE: Wie würden Sie die Nordkoreaner beschreiben, die Sie auf Ihrer Reise getroffen haben?

Muir: Wenn man die Möglichkeit hat, die Menschen zu beobachten und sich mit ihnen zu beschäftigen, merkt man, dass sie sogar ein recht normales Leben führen. Sie haben einen guten Sinn für Humor, lieben Sport und Bier, und sie sind sehr großzügig. Läuft man an einem Picknick vorbei, wird man mit aller Wahrscheinlichkeit eingeladen, mitzumachen.

SPIEGEL ONLINE: Konnten Sie sich vor Ort frei bewegen?

Muir: Ich habe komplett unabhängig von der Regierung gearbeitet, wurde nicht eingeladen und habe auch keine Sonderbehandlung bekommen. Wirklich frei ist man als Ausländer dort aber nie, weil man mehrere Begleiter an die Seite gestellt bekommt. Wenn man sich mit ihnen gutstellt, können sie einem viel ermöglichen. Mir wurde nur ein paar Mal verboten, Fotos zu machen. Niemand hat meine Bilder noch einmal gecheckt, bevor ich wieder ausgereist bin.

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