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Drohungen Richtung USA Nordkorea protzt mit Militärparade

Soldaten im Stechschritt, Panzer und Interkontinentalraketen: Nordkorea feiert den 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung mit einer riesigen Militärparade - und verstärkt seine Drohungen gegen die USA.

Nordkorea hat den USA mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht, sollten sie ihre "Provokationen" gegen das asiatische Land nicht einstellen. Die "militärische Hysterie" der Regierung von Präsident Donald Trump habe eine "gefährliche Phase erreicht, die nicht länger übersehen werden kann", hieß es in einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA.

Nordkorea sei bereit, einen "totalen Krieg mit einem totalen Krieg zu beantworten", sagte auch die Nummer zwei des stalinistisch geführten Landes, Choe Ryong Hae, in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Rede in Pjöngjang. "Und wir sind bereit, auf jeden Atomangriff mit einem Atomangriff zu reagieren".

Interkontinentalraketen präsentiert

Choe hielt die Rede kurz vor dem Beginn einer großen Militärparade zu Ehren des 105. Geburtstags des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung. Angeführt von einer Militärkapelle marschierten Soldaten im Stechschritt im Zentrum der Hauptstadt, gefolgt von Panzern und anderem militärischem Gerät, darunter Interkontinentalraketen.

Aufnahmen des Staatsfernsehens zeigen, wie Machthaber Kim Jong Un - der Enkel des Staatsgründers - einer Limousine entsteigt, seiner Ehrengarde salutiert und über einen roten Teppich schreitet. Anschließend steigt er auf ein Podium und applaudiert Tausenden Soldaten und Zivilisten, die an der Parade teilnehmen.

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Nordkoreas Militärparade: Drohungen am "Tag der Sonne"

Foto: AP/ KRT

Auf weiteren Bildern sind Raketen zu sehen, die wahrscheinlich zu den Typen KN-08 und KN-14 gehören. Militärexperten gehen davon aus, dass die Sprengkörper eines Tages weit entfernte Ziele, etwa in den USA, erreichen könnten. Noch jedoch wurden keine Flugtests mit diesen Raketentypen dokumentiert. Weitere Aufnahmen zeigen mehrere Raketenwerfer sowie Feststoffraketen, die von U-Booten gestartet werden können.

Weiterer Atomwaffentest befürchtet

Kims Geburtstag, der "Tag der Sonne", ist der höchste Feiertag des Landes. Weltweit wird befürchtet, dass die nordkoreanische Führung unter Machthaber Kim Jong Un - Enkel des Staatsgründers - anlässlich des Jahrestages einen neuen Atomwaffentest vornehmen könnte. Es wäre des sechste derartige Test. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität in den USA zeigen Satellitenbilder "verdächtige Aktivitäten" auf dem Testgelände Punggye Ri.

Die USA hatten angekündigt, wegen der Gefahr aus Nordkorea "militärische Optionen" zu prüfen. Präsident Trump hatte in den vergangenen Wochen mehrfach damit gedroht, das Atomprogramm Nordkoreas notfalls im Alleingang zu stoppen und den Flugzeugträger "Carl Vinson" in die Region um die koreanische Halbinsel beordert. Er wird zusammen mit einem Flottenverband am Wochenende in den Gewässern nahe der koreanischen Halbinsel erwartet.

China und Russland rufen zur Zurückhaltung auf

Angesichts der Machtdemonstration der USA und der Drohungen aus Pjöngjang rief China zur Zurückhaltung auf. China ist der einzige Verbündete seines weitgehend isolierten Nachbarlandes, lehnt aber dessen hochumstrittenes Atomprogramm ab. Die Regierung in Peking unterstützt die deshalb gegen Nordkorea verhängten UN-Sanktionen.

Auch die Regierung in Moskau zeigte sich angesichts der wachsenden Spannungen auf der koreanischen Halbinsel besorgt. Vizeaußenminister Sergej Rjabkow mahnte, es könne nur eine politische Lösung des Konflikts geben.

irb/AFP/dpa/Reuters
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