Nordkorea Sabotageakt gegen Kim Jong Uns Geburtstagszug?

Die Fracht soll erlesen gewesen sein: teure Uhren und schicke TV-Geräte für den anstehenden Geburtstag von Nordkoreas Diktatoren-Spross Kim Jong Un. Doch nun verlautet aus Südkorea, dass die Geschenke Pjöngjang nicht erreicht haben - der Zug sei entgleist. Die Rede ist von Sabotage.


Seoul - Aus Nordkorea dringen nur selten Nachrichten nach draußen - das kommunistische Regime schirmt sich ab. Fotos etwa des jüngsten Diktator-Sohns Kim Jong Un, der künftiger Herrscher von Nordkorea werden soll, gibt es nur wenige. Über das Leben der Diktatoren-Familie ist kaum etwas bekannt.

Von einer pikanten nordkoreanischen Anekdote hat jetzt aber anscheinend ein südkoreanischer Radiosender erfahren. Ein Zug mit Geschenken für den jüngsten Sohn von Machthaber Kim Jong Il sei womöglich infolge eines Sabotageakts entgleist, berichtet das Offene Radio für Nordkorea in Seoul unter Berufung auf den nordkoreanischen Geheimdienst.

Demnach entgleiste der Zug am 11. Dezember kurz nach seiner Abfahrt in Sinuiju an der Grenze zu China. Laut dem Sender vermutet der nordkoreanische Militärgeheimdienst Sabotage von Regimegegnern hinter dem Zwischenfall. Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un gilt als designierter Nachfolger des schwerkranken 68-jährigen Machthabers.

"Die Bahnlinien im Norden sind veraltet, doch in diesem Fall waren die Schienen so schwer beschädigt, dass es so aussieht, als seien sie kurz vor der Vorbeifahrt des Zugs bewusst zerstört worden", zitierte der Sender einen Vertreter des militärischen Geheimdienstes aus der nordkoreanischen Provinz Nord-Pjöngjang. Seinen Angaben zufolge waren an Bord des Zugs eine Reihe teurer Uhren und Fernseher für Kim Jong Uns Geburtstag am 8. Januar.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Kim Jong Il Luxusgegenstände nach Nordkorea schaffen lässt. Ein Gericht in Wien befand vor kurzem einen Österreicher für schuldig, Luxusgegenstände an Nordkorea verkauft zu haben, die für Kim Jong Il bestimmt gewesen sein sollten. Bei dem Geschäft sollen mehrere teure Autos sowie ein Steinway-Flügel an Nordkorea gegangen sein. Nach einer Resolution der Vereinten Nationen bezüglich des nordkoreanischen Atomprogramms ist es Uno-Mitgliedstaaten verboten, Luxusgüter an Pjöngjang zu exportieren.

In Nordkorea hatte Diktator Kim Jong Il in den vergangenen Monaten Vorsorge für eine Machtübergabe an seinen Sohn Kim Jong Un getroffen. Unter anderem wurde der vermutlich 27-Jährige während des KP-Kongresses zum Vier-Sterne-General ernannt. Angesichts von Bedenken wegen seines jungen Alters wies das Regime alle Diplomaten an, Kim Jong Un nicht länger mit "Junger General" anzureden, sondern mit "Verehrter Genosse", wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf nordkoreanische Quellen berichtete.

anr/AFP/Reuters

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