Ballon-Abwurf von "Interview"-DVDs Seoul stoppt Satire-Attacke auf Nordkorea

Die umstrittene Nordkorea-Satire "The Interview" sollte tausendfach über der asiatischen Diktatur abgeworfen werden. Nun untersagt die südkoreanische Regierung das Unterfangen - aus Angst vor Racheakten.

"The Interview"-Filmplakat (in Colorado): Kein DVD-Abwurf über Nordkorea
REUTERS

"The Interview"-Filmplakat (in Colorado): Kein DVD-Abwurf über Nordkorea


Der Plan von südkoreanischen Aktivisten war so simpel wie provokant: Eine halbe Millionen Propaganda-Flugzettel und 10.000 DVD-Filme wollten sie mit Ballons über nordkoreanischem Staatsgebiet abwerfen, darauf: der Satirefilm "The Interview", in der es um ein fiktives Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un geht. Daraus wird nun aber wohl nichts.

Denn die südkoreanische Regierung hat erklärt, die Aktion zu stoppen, wie der britische "Guardian" berichtet. Es gebe auch Grenzen für die Freiheit der Meinungsäußerung, hieß es demnach aus dem südkoreanischen Wiedervereinigungs-Ministerium.

"Wenn solch eine Aktion im Vorhinein entdeckt wird, wird die Regierung die notwendigen Maßnahmen dagegen treffen", sagte ein Ministeriumssprecher demnach - "denn die Sicherheit von Bewohnern" entlang der innerkoreanischen Grenze könne gefährdet werden.

Die nordkoreanische Führung in Pjöngjang hat Aktionen dieser Art schon vor Monaten verurteilt. Auch haben Südkoreaner, die nah an der Grenze zur Diktatur im Norden der Halbinsel leben, eine Gefährdung ihrer Sicherheit durch solche Provokationen beklagt. Im Oktober hatten nordkoreanische Soldaten zuletzt Ballone aus dem Süden abgeschossen und so ein Feuergefecht mit Grenzbeamten aus dem Süden ausgelöst.

Angst vor einem neuen Koreakrieg

Der US-Film "The Interview" hatte Ende des vergangenen Jahres zu erheblichen Spannungen zwischen den USA und Nordkorea geführt. Bei einem Cyberangriff auf die US-Produktionsfirma Sony Pictures waren Ende November Firmenunterlagen sowie persönliche Daten und E-Mails gestohlen worden.

Der Sony-Konzern stoppte daraufhin vorerst die Veröffentlichung der Komödie. Die Gruppe, die sich zu dem Angriff bekannte, hatte zudem mit Anschlägen auf Kinos gedroht, in denen der Film gezeigt wird.

Die ohnehin angespannte Beziehung zwischen Nordkorea und dem Westen hat sich zudem weiter zugespitzt: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un rief die Armee seines Landes erst vor Kurzem dazu auf, sich für einen "Krieg" mit den USA und deren Verbündeten zu rüsten. Alle Einheiten der Volksarmee müssten sich "politisch und ideologisch, militärtechnisch und materiell" vollständig auf einen Konflikt vorbereiten, zitierte ihn die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Eine aktuelle Studie warnt davor, dass Nordkorea sein Atomwaffenprogramm massiv ausweiten könnte.

mxw



insgesamt 8 Beiträge
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cato_91 20.03.2015
1. DVDs in Nordkorea?
Besitzt der durchschnittliche Nordkoreaner eigentlich einen DVD-Player? Und wenn ja welchen Regionalcode? d.h. könnte er eine südkoreanische DVD überhaupt abspielen? Und versteht er nach 70 Jahren flacher Propaganda überhaupt Satire? Fragen über Fragen. Mit Sicherheit nicht gut durchdacht das ganze
aurichter 20.03.2015
2. Wer im Kimland
hätte die DVDs schauen sollen oder haben die Initiatoren tatsächlich geglaubt, daß es in dem von Hunger gebeutelten Land diese Geräte in der Anzahl tatsächliche gibt? Wohl kaum. Also war dies auch nur ein Werbegag, aber ein schlechter.
Trondesson 20.03.2015
3.
Zitat von cato_91Besitzt der durchschnittliche Nordkoreaner eigentlich einen DVD-Player? Und wenn ja welchen Regionalcode? d.h. könnte er eine südkoreanische DVD überhaupt abspielen? Und versteht er nach 70 Jahren flacher Propaganda überhaupt Satire? Fragen über Fragen. Mit Sicherheit nicht gut durchdacht das ganze
Was die Südkoreaner "Satire" nennen, ist auch nichts anderes als Propaganda, nur eben von der anderen Seite, in deren Augen sie ebenso gerechtfertigt ist wie die Propaganda des Nordens in den Augen vieler Nordkoreaner, die nichts anderes kennen. Daß der durchschnittliche Nordkoreaner einen DVD-Player besitzt, würde mich allerdings auch wundern. Wahrscheinlich waren 10 000 DVDs zu hoch gegriffen, 100 hätten auch gereicht.
andreas.plefka 21.03.2015
4. Regionalcode???
@cato_91 Sie glauben, die schicken denen Original DVDs? Wohl eher den Film 10 mal in allen gängigen Dateiformaten auf einer DVD. Was den Film angeht, da gibt es tausende bessere, die auch schon in Nordkorea verfügbar sind, zumindest ein paar davon. oder halt Serien aus Südkorea, das hat eine viel grössere Wirkung.
k70-ingo 21.03.2015
5.
Zitat von cato_91Besitzt der durchschnittliche Nordkoreaner eigentlich einen DVD-Player? Und wenn ja welchen Regionalcode? d.h. könnte er eine südkoreanische DVD überhaupt abspielen? Und versteht er nach 70 Jahren flacher Propaganda überhaupt Satire? Fragen über Fragen. Mit Sicherheit nicht gut durchdacht das ganze
Ja, das tut er. Darauf steht zwar offiziell die Todesstrafe -die auch deswegen gelegentlich vollstreckt wird-, aber generell ist die (illegale) Versorgung in Nordkorea mit DVDs und DVD-Recordern gut. Es ist alles da. Üblichereise kommen die Geräte aus China, manchmal aus Deutschland, aber aus Servicegründen -die Kundschaft wünscht es so- wird darauf geachtet, daß der südkoreanische Ländercode vorhanden ist.
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