Nordkorea Souvenirs von der gefährlichsten Grenze der Welt

Diese Mauer markiert die Waffenstillstandslinie, denn zwischen Nord- und Südkorea herrscht noch immer Krieg. Wachtürme, Kanonen und Stahlhelme: Es ist die gefährlichste Grenze der Welt - auch wenn sie auf beiden Seiten von Touristen bestaunt wird.

Von , Peking


Vom Norden führt eine leere Autobahn zur Demarkationslinie. Wer vom Süden kommt, fährt über eine belebte Straße, an der schon kurz hinter der südkoreanischen Hauptstadt Seoul die ersten Wachtürme mit Soldaten stehen. Am Ende versperren Mauern, Panzersperren, Stacheldrahtzäune den Weg.

Willkommen am 38. Breitengrad, der wohl gefährlichsten Grenze der Welt. Die Linie trennt seit 1945 die koreanische Halbinsel. In Nordkorea sitzt "Genosse General" Kim Jong Il auf der Atombombe, in Südkorea sind nach wie vor amerikanische Truppen stationiert. Beide Hauptstädte, Pjöngjang und Seoul, liegen in Reichweite der feindlichen Artillerie.

Hier herrscht kein Durchkommen, nur selten dürfen Delegationen die Grenze passieren. Eine Ausnahme bildet die Wirtschaftszone Kaesong, eine südkoreanische Enklave im Norden, in denen Südkoreas Firmen in ihren Fabriken Kleidung und Elektronik von rund 40.000 nordkoreanischen Arbeitern produzieren lassen.

Offiziell herrscht noch Krieg. Der 38. Breitengrad ist eine Waffenstillstandslinie. Der Hintergrund: 1950 attackierte der kommunistische Norden den Süden, eroberte sogar Seoul. Von Amerikanern geführte Uno-Truppen griffen ein. Als sie durch den Nordteil der Halbinsel bis zur chinesischen Grenze vordrangen, kam Mao Zedong den Nordkoreanern mit einer sogenannten Freiwilligenarmee zu Hilfe.

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Mauer in Nordkorea: Die gefährlichste Grenze der Welt
Der Krieg blieb ohne Sieger, und er endete dort, wo er angefangen hatte: am 38. Breitengrad. Aber 1,5 Millionen Soldaten waren tot oder verletzt, zwei Millionen Zivilisten verloren ihr Leben. Beide Seiten konnten sich nicht auf einen Friedensvertrag einigen, also zogen sie eine Demarkationslinie, 248 Kilometer lang und vier Kilometer breit. Auch auf See wurde eine Grenze festgelegt, die Nordkorea bis heute nicht anerkennt und die immer wieder für Konflikte sorgt.

Die Südkoreaner haben aus der Landgrenze ein Touristenziel mit Karussells und Souvenirbuden gemacht, sie zeigen auch den "Tunnel Nr. 3", durch den 1978 nordkoreanische Soldaten den Süden infiltrieren wollten und der gerade noch rechtzeitig entdeckt wurde.

Auch ihre Kontrahenten im Norden bringen Touristen an die Grenze, genauer in den Ort Pamunjong. Sie präsentieren zum Beispiel die kargen Gebäude, in denen 1953 der Waffenstillstand unterschrieben wurde.

Ein paar hundert Meter davon entfernt stehen sich amerikanische und südkoreanische sowie nordkoreanische Soldaten nur ein paar Zentimeter von einander getrennt gegenüber. Die Südkoreaner, breitbeinig, sehen mit ihren glitzernden Stahlhelmen und gespiegelten Sonnenbrillen aus wie aus einem "Star Wars"-Film, ihre braun uniformierten Gegenüber trugen lange Zeit große Tellermützen, erst in letzter Zeit stülpen auch sie sich Stahlhelme über.

In der mittleren der drei blau gestrichenen Baracken direkt auf der Demarkationslinie treffen sich die Militärs beider Seiten, wenn sie miteinander über Konfliktfälle reden. Gäste der Nordkoreaner dürfen die mittlere Baracke an jedem zweiten Tag besichtigen. Dieser Teil lässt manchen Besucher einen Schauer über den Rücken laufen. Denn südkoreanische Soldaten starren bedrohlich durch die Fenster und filmen die Anwesenden. Wenn die Südkoreaner mit ihren Besuchern kommen, läuft das gleiche Ritual umgekehrt ab.

Es scheint, als ob diese Albernheit der Weltgeschichte noch ewig so weitergehen wird. Frieden zwischen den koreanischen Landsleuten ist jedenfalls nicht in Sicht.



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
fessi1 08.08.2011
1. wie peinlich ist das denn...
Sehr geehrter Herr Lorenz, ich hänge mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass das Bild 5 (Mauer in Nordkorea: Die gefährlichste Grenze der Welt) mitnichten "Mauertouristen in Nordkorea" zeigt, sondern in China aufgenommen wurde. Das Hinweisschild neben den beiden Touristen ist ausschließlich in Chinesisch gehalten. Dürfte trotz "großer Bruder" in Nordkorea ungewöhnlich sein. Sieht eher nach ziemlich normalen Touris irgendwo in China aus. Oder schauen diese zwei dort von China nach Nordkorea? Sie werden es uns wissen lassen Herr Lorenz!?
Rainer Daeschler, 08.08.2011
2. Falsches Bild
Zitat von fessi1Sehr geehrter Herr Lorenz, ich hänge mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass das Bild 5 (Mauer in Nordkorea: Die gefährlichste Grenze der Welt) mitnichten "Mauertouristen in Nordkorea" zeigt, sondern in China aufgenommen wurde. Das Hinweisschild neben den beiden Touristen ist ausschließlich in Chinesisch gehalten. Dürfte trotz "großer Bruder" in Nordkorea ungewöhnlich sein. Sieht eher nach ziemlich normalen Touris irgendwo in China aus. Oder schauen diese zwei dort von China nach Nordkorea? Sie werden es uns wissen lassen Herr Lorenz!?
Finde das Bild nicht, oder ist es inzwischen entfernt, bzw. ausgewechselt worden?
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