Atomstreit Nordkorea testet erneut Rakete

Nordkorea hat erneut eine Mittelstreckenrakete abgefeuert - zum achten Mal in diesem Jahr. Japan legte Protest in Pjöngjang ein.

Raketentest vom 14. Mai 2017
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Raketentest vom 14. Mai 2017


Das Regime in Nordkorea hat nach Angaben der USA, Japans und des südkoreanischen Militärs erneut eine Mittelstreckenrakete abgefeuert. Sie sei am Sonntagnachmittag in der Nähe von Pukchang im Westen des Landes gestartet worden und etwa 500 Kilometer Richtung Osten geflogen. Dem japanischen Kabinettsminister Yoshihide Suga zufolge landete sie außerhalb der Wirtschaftszone des Landes. Damit habe die Reichweite unter der der jüngsten drei Tests gelegen, sagten Vertreter des Weißen Hauses, die sich derzeit mit US-Präsident Donald Trump in Saudi-Arabien aufhalten.

Das südkoreanische Militär teilte mit, man analysiere den Raketenstart gemeinsam mit den USA, um weitere Informationen zu erhalten. Das nordkoreanische Militär werde sorgfältig beobachtet. Bereits kurz nach dem Raketenstart hatte Südkorea ausgeschlossen, dass es sich um eine ballistische Interkontinentalrakete gehandelt habe. Ballistische Raketen können je nach Bauart mit konventionellen, biologischen, chemischen oder atomaren Sprengköpfen bestückt werden.

Es war bereits der achte Raketentest Nordkoreas in diesem Jahr, allen Uno-Resolutionen zum Trotz, die dem Land derartige Tests verbieten. Japan hat eigenen Angaben zufolge scharfen Protest bei der nordkoreanischen Regierung in Pjöngjang gegen den Verstoß gegen die Uno-Resolutionen eingelegt.

Erst am vergangenen Sonntag hatte Nordkorea eine Rakete getestet und damit internationale Proteste ausgelöst. Sie flog nach südkoreanischen Angaben 700 Kilometer weit und erreichte eine Höhe von mehr als 2000 Kilometern. Experten äußerten daraufhin die Einschätzung, dass Nordkorea offenbar Fortschritte bei der Reichweite seiner Raketen erzielt habe. Eine Berechnung ergab eine theoretische Reichweite von 4500 Kilometern. Zwei Wochen zuvor war der Test einer ballistischen Rakete nur wenige Minuten nach dem Start fehlgeschlagen.

US-Präsident Trump hatte nach seinem Amtsantritt einen Militärschlag gegen Nordkorea nicht ausgeschlossen und einen Flugzeugträger in die Region entsandt. Später hatte Trump allerdings angekündigt, auf eine diplomatische Lösung und nochmals verschärfte Sanktionen zu setzen. Am Freitag warnte US-Verteidigungsminister James Mattis, eine militärische Lösung in Nordkorea wäre "in einem unglaublichen Ausmaß tragisch". Die USA arbeiteten daher zusammen mit den Vereinten Nationen, China, Japan und Südkorea daran, eine politische Lösung zu finden.

fdi/Reuters/AP



insgesamt 20 Beiträge
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glissando 21.05.2017
1. Ab in den Weltraum ...
Also man muss kein Experte sein, um zu attestieren: Wenn die Rakete lt. Artikel mit 2000 Kilometern (sic!) Höhe schon im Weltraum verschwunden ist, dann hat Nordkorea ja tatsächlich einen mächtigen Fortschritt hingelegt. Abgesehen vom Fehler des Spon-Korrektorats (falls überhaupt vorhanden): Es ist schon beachtlich, wie konsequent sich Nordkorea weigert, die Reaktionen des Auslands wahrzunehmen. Nachdem auch China immer deutlicher Grenzen setzt, kann einem hier nur mulmig werden.
olwel 21.05.2017
2. Eine Minute nach dem Kollegen ...
... dennoch würde mich die Flughöhe interessieren. Ich vermute aber mal 200 km waren gemeint.
provencal 21.05.2017
3. Wer weiss das?
Wäre es völkerrechtlich zulässig, eine solche Rakete nach verlassen des Hoheitsgebietes abzuschiessen? Damit hätte man Nordkorea und seinem tollen Führer klargemacht, wo er steht.
mustermannfrau 21.05.2017
4. Doch!
Zitat von olwel... dennoch würde mich die Flughöhe interessieren. Ich vermute aber mal 200 km waren gemeint.
Nö, das mit den 2000 Km ist schon stimmig – ist ein Test, und kein Einsatz: http://38north.org/2017/05/hwasong051917/
rainer_daeschler 21.05.2017
5. 2000 stimmt schon
Zitat von olwel... dennoch würde mich die Flughöhe interessieren. Ich vermute aber mal 200 km waren gemeint.
Bei einer ballistischen Rakete kann die maximale Flughöhe durchaus höher sein, als das Ziel entfernt ist. Es handelt sich ja um Tests, wo die Funktion getestet wird, nicht die maximale Reichweite. Die könnte beeindruckend sein, aber auch blamabel. Es geht offensichtlich darum, damit dem eigenen Volk zu demonstrieren, was man könnte, dem Rest der Welt aber lieber nicht wissen lassen will, was man wirklich erreichen kann. Die Drohung, die hinter diesen Test steht, lebt auch von der Ungewissheit.
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