Nordkorea Sicherheitsrat verurteilt Kims neuen Raketentest

Der Sicherheitsrat rügt Nordkorea für den Raketentest, sogar China verurteilte sein Nachbarland ungewöhnlich scharf. Das Regime um Kim Jong Un weist die Kritik zurück - und droht mit neuen militärischen Schritten.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un
REUTERS

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un


Die 15 Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats haben den erneuten Raketentest Nordkoreas einstimmig verurteilt und weitere "bedeutsame Maßnahmen" gegen Pjöngjang angekündigt. Auch China, Nordkoreas wichtigster Verbündeter, stimmte am Freitag in New York für die Erklärung. Die nordkoreanische Führung reagierte darauf am Sonntag mit der Ankündigung, sie werde als "vollwertige Militärmacht" weitere Schritte ergreifen.

Obwohl Uno-Resolutionen es Pjöngjang verbieten, hatten die nordkoreanischen Streitkräfte am Mittwoch von einem U-Boot aus eine ballistische Rakete abgefeuert. Die Rakete wurde nordöstlich des Hafens Sinpo abgeschossen und flog mit 500 Kilometern deutlich weiter als frühere Flugkörper. Japan beklagte eine Verletzung seiner Luftverteidigungszone durch den Raketentest.

Die USA, Japan und Südkorea verurteilten den Raketentest in aller Schärfe. Peking kritisierte seinen Verbündeten ebenfalls mit ungewöhnlich deutlichen Worten. Derzeit gibt es verstärkt Spannungen auf der koreanischen Halbinsel wegen des jährlich stattfindenden Militärmanövers der USA und Südkoreas.

Ein Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums nannte die Erklärung des Sicherheitsrats ein "Produkt der Banditentaten der USA". Washington sei davor gewarnt worden, Nordkoreas Würde zu verletzen. Die USA hätten diese Warnung ignoriert und das Existenzrecht der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) infrage gestellt. Pjöngjang werde als "vollwertige Militärmacht" weiterhin eine Reihe von Schritten unternehmen.

"Augenblicklich in Schutt und Asche"

In den von der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Ausführungen des Sprechers hieß es weiter: "Die DVRK verfügt über umfangreiche Mittel, um die Angriffstruppen auf dem US-Festland und im Einsatzgebiet des Pazifiks augenblicklich in Schutt und Asche zu legen."

Das US-Korea Institute an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore erklärte unterdessen auf seiner Internetseite, der erfolgreiche Test vom Mittwoch lege nahe, dass das nordkoreanische Raketenprogramm schneller vorankomme als ursprünglich erwartet. "Das bedeutet aber nicht, dass es nächste Woche, nächsten Monat oder auch nächstes Jahr einsatzbereit ist", hob das Institut hervor. Eine Verwendung der Rakete "in einer anfänglichen Einsatzbereitschaft" sei "frühestens im zweiten Halbjahr 2018" zu erwarten.

Nordkorea sind Raketenstarts unter Verwendung ballistischer Raketentechnik per Uno-Resolutionen untersagt. Ungeachtet dessen hat das Land in den vergangenen Monaten zahlreiche Fluggeschosse abgefeuert, darunter auch Mittelstreckenraketen. Im April dieses Jahres verbreitete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA Fotos vom Start einer U-Boot-Rakete. Diese war nur etwa 30 Kilometer weit geflogen. Im Januar hatte Nordkorea eine Atombombe getestet. Der Sicherheitsrat beschloss deshalb Anfang März die bislang schärfsten Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen das isolierte Land.

Washington und Seoul versichern, das derzeitige Großmanöver "Ulchi Freedom" habe einen rein defensiven Charakter. Die Beteiligten spielen bei der zweiwöchigen Übung das Szenario eines Einmarschs der Streitkräfte Nordkoreas in den Süden durch. Die Übung ist zu großen Teilen computersimuliert, doch wirken dabei 50.000 südkoreanische und 25.000 US-Soldaten mit.

Das nordkoreanische Außenministerium nannte das Manöver einen "unverzeihlichen kriminellen Akt", der die koreanische Halbinsel "an den Rand des Krieges" bringen könnte. Die Volksarmee stufte das Manöver als eine Übung für einen atomaren Überraschungsangriff gegen Nordkorea und für eine Invasion in das Land ein.

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cpa/dpa



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