Annäherungsgespräche Nordkorea und Südkorea üben Entspannungskurs

Noch vor ein paar Monaten drohte Nordkorea dem südlichen Nachbarn mit Krieg. Doch jetzt hat sich die Regierung in Pjöngjang mit Südkorea auf Annäherungsgespräche geeinigt. Spitzenvertreter sollen sich bereits diese Woche treffen.

Industriepark Kaesong: Seit zwei Monaten Stillstand
Getty Images

Industriepark Kaesong: Seit zwei Monaten Stillstand


Seoul - Entspannungskurs auf der koreanischen Halbinsel: Nach den heftigen Spannungen seit Jahresbeginn haben sich Süd- und Nordkorea auf Annäherungsgespräche zwischen hochrangigen Regierungsvertretern verständigt.

Auf das Treffen einigten sich beide Länder nach 17-stündigen Marathonverhandlungen auf Arbeitsebene im Grenzort Panmunjom. Die Gespräche würden am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche in Seoul stattfinden, teilte das südkoreanische Vereinigungsministerium am Montag mit.

Bei den Gesprächen soll es aber vor allem um die Zukunft von Kaesong gehen. Der Norden hatte die in seinem Staatsgebiet liegende Sonderwirtschaftszone im April geschlossen und die 53.000 südkoreanischen Manager und Arbeiter ausgewiesen. In dem Industriekomplex nahe der Grenze zum Süden sind seit dem Jahr 2004 mehr als 120 südkoreanische Firmen angesiedelt. Der Komplex ist eine wichtige Devisen-Einnahmequelle für das verarmte Nordkorea.

Weitere Themen der Gespräche in Seoul sollen laut der amtlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA die Wiedervereinigung von im Krieg getrennten Familien sowie die Wiederaufnahme von Reisen südkoreanischer Touristen ins Kumgang-Gebirge sein. Südkoreaner meiden das auch als Diamantgebirge bekannte Ziel, seit dort Mitte 2008 ein südkoreanischer Tourist von einem nordkoreanischen Soldaten erschossen wurde.

Unklar war jedoch zunächst noch, wen Nordkorea schicken werde, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Seoul werde voraussichtlich durch Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae vertreten sein. Südkorea hatte ursprünglich Gespräche auf Ministerebene vorgeschlagen. Die bisher letzten Gespräche zwischen Ministern beider Länder liegen schon sechs Jahre zurück.

Bei der Abstimmung der Themen habe es aber auch Differenzen gegeben, sagte die Sprecherin in Seoul. Die nordkoreanische Seite wolle unter anderem auch gemeinsame Feierlichkeiten zum Jahrestag der Erklärung des ersten Gipfeltreffens zwischen beiden Staaten am 15. Juni 2000 in Pjöngjang besprechen. "Weitere Einzelheiten sollen vor dem Treffen am Mittwoch noch ausgehandelt werden."

Nach dem dritten nordkoreanischen Nukleartest im Februar hatte sich der Streit über das nordkoreanische Atomprogramm zugespitzt. Pjöngjang hatte angesichts der Ausweitung von Uno-Sanktionen und gemeinsamer Militärübungen Südkoreas und der USA mehrfach Kriegsdrohungen gegen die beiden Länder ausgestoßen. Die Drohungen hatten aber schon in den vergangen Wochen nachgelassen.

als/dpa/AFP



insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Sgt.Moses 10.06.2013
1. optional
Südkorea wäre blöde sich darauf einzulassen! Wird es wohl aber tun, da südkoreanische Unternehmen auf die billigen Arbeitskräfte wohl nicht verzichten wollen. Nordkorea wird sich das ganze noch gut bezahlen lassen und sich ins Fäustchen lachen. Was soll's Geld kommt vor Moral. Und wir kaufen ja auch alle chinesische Waren...
Steuerzahler0815 10.06.2013
2.
Wofür braucht NK eig so dringend Devisen? Ich glaube die paar Luxusgüter können sie auch über China importieren und für westliche Ware fürs Volk reichen die 60 Dollar im Monat die SK zahlt sicher nicht
dorstdavid 10.06.2013
3. Minister
Ist Ryoo Kihl Jae inzwischen wirklich Verteidigungsminister und nicht der Minister des "Ministry of Unification"? Die meisten Artikel zu Nordkorea sind ja echt schlecht recherchiert und auch Südkorea wird mit Ignoranz gestraft, aber etwas genauer könnte es schon sein. "53.000 südkoreanischen Manager und Arbeiter" Klingt, als seinen die Arbeiter auch Südkoreaner, aber natürlich nur ein sehr kleiner Teil davon in Wirklichkeit. Die wirtschaftliche Bedeutung und Vorteile von Nordkorea werden herausgestellt, aber nicht erwähnt, wie Südkoreas beteiligte Firmen auch wirtschaftlich davon profitieren und das keine Art uneigennützige "Almosen" für die nordkoreanische Wirtschaft sind. Bei den Mini-Löhnen (wobei ja kritisiert wird, dass die Arbeiter von diesen Löhnen noch etwas an den Staat abgeben müssen). Der Vollständigkeit halber könnte das deutlich besser dargestellt werden, auch wenn ich Nordkorea in keiner Weise unterstüzten möchte.
Hermes75 10.06.2013
4.
Zitat von Steuerzahler0815Wofür braucht NK eig so dringend Devisen? Ich glaube die paar Luxusgüter können sie auch über China importieren und für westliche Ware fürs Volk reichen die 60 Dollar im Monat die SK zahlt sicher nicht
Westliche Luxusprodukte sind unter der Führungsschicht NKs heiß begehrt. Leider bekommtz man die eben nur gegen harte Währung, also muss Little-Kim seine Arbeitssklaven wohl wieder beim Klassenfeind anschaffen lassen gehen, sonst werden seine Lakaien unzufrieden. An Stelle der Südkoreaner würde ich den kleinen Wüterich einfach am ausgestreckten Arm verhungern lassen...
adal_ 10.06.2013
5. "Wandel durch Annäherung"
Zitat von Sgt.MosesSüdkorea wäre blöde sich darauf einzulassen! Wird es wohl aber tun, da südkoreanische Unternehmen auf die billigen Arbeitskräfte wohl nicht verzichten wollen. Nordkorea wird sich das ganze noch gut bezahlen lassen und sich ins Fäustchen lachen. Was soll's Geld kommt vor Moral. Und wir kaufen ja auch alle chinesische Waren...
Diese paranoiden Steinzeit-Stalinisten fürchten alles mögliche, nur nicht ihr Volk, egal wie dreckig es ihm geht. Unter der Voraussetzung ist neben der militärischen Abschreckung eine Politik nach dem Muster "Wandel durch Annäherung" das einzig Sinnvolle was man tun kann.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.