Nordkorea Uno prangert Kim Jong Ils Grausamkeiten an

Nordkoreas Eliten bereichern sich rücksichtlos an ihrem Land. Millionen Menschen hungern und leben in ständiger Angst - vor Überwachung, Folter und Hinrichtungen. Der Uno-Berichterstatter geißelt die "entsetzliche Lage" und fordert von Pjöngjang eine unabhängige Justiz.

REUTERS

New York - Hinter der bedrohlichen Fassade darbt ein ganzes Land. Während Nordkoreas Diktator Kim Jong Il die Welt mit Raketentests und der Atomdrohungen erschreckt, leiden Millionen Bürger in dem Land unter seiner "grausamen und unterdrückerischen" Herrschaft. Das zeigt ein aktueller Bericht der Vereinten Nationen.

Mit erschütternden Details hat Uno-Berichterstatter Vitit Muntarbhorn auf die massiven Menschenrechtsverletzungen vor einem Ausschuss der Vereinten Nationen am Donnerstag hingewiesen. Die Nordkoreaner werden demnach ausgebeutet, verfolgt und diskriminiert.

Seine Schreckensherrschaft sichere Kim Jong Il mit Sippenhaft, mit Folter und öffentlichen Hinrichtungen, heißt es. Obwohl Nordkorea kürzlich die Wahrung der Menschenrechte in seine Verfassung aufgenommen habe, würden die Menschen systematisch unterdrückt - sie lebten "in ständiger Angst", so Muntarbhorn.

Der Staat überwache das Volk umfassend. Kollegen würden am Arbeitsplatz dazu angehalten, andere zu bespitzeln und zu verraten. "Über die Jahre haben die Behörden eine Kultur des Misstrauens und der Spaltung geschaffen, die Familien und Kommunen durchdringt", sagt Muntarbhorn. Medien würden stark zensiert. Es gelte als Verbrechen, Bücher aus Südkorea zu lesen und ausländische Videos zu schauen.

Atomare Aufrüstung statt Hilfe fürs Volk

Lokale Komitees bürdeten den Menschen außerdem ohne ordentliche Gerichtsprozesse Strafen auf und ordneten Umerziehungsmaßnahmen an. Außerdem seien die Behörden an Entführungen beteiligt. Die Situation sei "entsetzlich", warnt Muntarbhorn.

Der thailändische Professor befasst sich seit fast sechs Jahren mit Nordkorea. Am Donnerstag legte er seinen Bericht in New York vor einem Uno-Ausschuss für humanitäre Angelegenheiten vor, in dem er auch auf die wirtschaftliche Situation hinwies.

Die Eliten Nordkoreas bereicherten sich demnach systematisch. Das Land verfüge über große Bodenschätze, das Exportvolumen und der Handel seien im vergangenen Jahr um mehrere Milliarden Dollar gewachsen. "Das Land ist nicht arm", sagte Muntarbhorn. "Doch wohin fließt das Geld?" Statt den Bürgern zu helfen, investiere Pjöngjang in die atomare Aufrüstung und den Waffenhandel. Nicht die Menschen des Landes, sondern das Militär habe oberste Priorität.

Fast einem Drittel ihrer 24 Millionen Bürger verwehre die Regierung in Pjöngjang eines der wichtigsten Menschenrechte: das Recht auf Nahrung. Das Welternährungsprogramm könne dort nur 1,4 Millionen Hungernde versorgen, was laut Muntarbhorn auch an der nachlassenden internationalen Hilfe liege.

Der Staat hingegen investiere nicht eine nachhaltige Landwirtschaft - und verhindere zugleich ein funktionierendes wirtschaftliches System: "Die Menschen müssen an Gewinnen aus der Landwirtschaft beteiligt werden, aber das geschieht nicht."

Frauen werden besonders unterdrückt

Besonders Frauen würden diskriminiert. Kleine Beispiele zeigten, wie die Unterdrückung funktioniere: Frauen dürften erst ab einem bestimmten Alter überhaupt Handel treiben. Sie dürften kein Fahrrad fahren, was für den Weg zur Arbeit aber wichtig sei. Außerdem würden sie in einigen Fällen gezwungen, statt Hosen Röcke zu tragen.

Muntarbhorn fordert, langfristig müsse eine unabhängige Justiz und ein funktionierende Gewaltenteilung aufgebaut werden, um den Machtmissbrauch zu vermeiden. Öffentliche Hinrichtungen müssten endlich beendet werden, das Budget fürs Militär dem sozialen Sektor zugute kommen. Nordkorea verletzte nicht nur die Menschenrechte, sondern bedrohe auch den internationalen Frieden und Stabilität, warnte der Experte.

Der stellvertretende nordkoreanische Uno-Botschafter Pak Tok Hun wies alle Vorwürfe zurück. Der Bericht sei ein mit Lügen gespicktes Dokument politischer Verzerrung und Verschwörung. Druck auf das Land auszuüben sei "absolut nutzlos und wird eher dazu führen, den Stolz auf unser System zum Schutz der Menschenrechte zu fördern", sagte der Botschafter.

kgp/dpa/AP/AFP



insgesamt 3545 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
aat 23.10.2009
1.
Zitat von sysopScharfe Worte: Bei ihrem Antrittsbesuch in Südkorea hat US-Außenministerin Clinton die "Tyrannei und Armut" im Norden des geteilten Landes gegeißelt. Sie forderte das Regime auf, seine Provokationen zu beenden. Ist eine politische Verständigung mit Nordkorea noch möglich?
War eine sinnvolle Verständigung mit Nordkorea jemals möglich ?
maan, 23.10.2009
2. Nordkorea gegen den Rest der Welt?
Zitat von sysopScharfe Worte: Bei ihrem Antrittsbesuch in Südkorea hat US-Außenministerin Clinton die "Tyrannei und Armut" im Norden des geteilten Landes gegeißelt. Sie forderte das Regime auf, seine Provokationen zu beenden. Ist eine politische Verständigung mit Nordkorea noch möglich?
Erst dann, wenn sich China und Russland durch den Hasardeur selbst bedroht fühlen. Wichtig wäre es, China und Russland wegen der Unterstützung Nordkoreas in der Weltgemeinschaft zu ächten. Ohne Unterstützung hätte der Spuk schnell ein Ende.
Ghost12 23.10.2009
3. Tolle Ausgangsfrage
Zitat von sysopScharfe Worte: Bei ihrem Antrittsbesuch in Südkorea hat US-Außenministerin Clinton die "Tyrannei und Armut" im Norden des geteilten Landes gegeißelt. Sie forderte das Regime auf, seine Provokationen zu beenden. Ist eine politische Verständigung mit Nordkorea noch möglich?
Nein. Die provozieren schon wieder mit ihrer Passivität. Direkt Bomben abwerfen. Für Frieden und Demokratie.
tao chatai 23.10.2009
4.
Zitat von aatWar eine sinnvolle Verständigung mit Nordkorea jemals möglich ?
Na klar,vor dem ersten Ueberfall durch die USA,etwa 1864(ohne zu googeln)
Andreas Henn, 23.10.2009
5.
Zitat von sysopScharfe Worte: Bei ihrem Antrittsbesuch in Südkorea hat US-Außenministerin Clinton die "Tyrannei und Armut" im Norden des geteilten Landes gegeißelt. Sie forderte das Regime auf, seine Provokationen zu beenden. Ist eine politische Verständigung mit Nordkorea noch möglich?
Mit Nodkorea schon, warum auch nicht? Mit dem aktuellen Regime, nein, wie denn auch?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.