Konflikt mit Nordkorea US-Generalstabschef will militärische Optionen prüfen

Mitten im Konflikt mit Nordkorea hat der ranghöchste US-Militär den südkoreanischen Präsidenten in Seoul besucht. Generalstabschef Joseph Dunford betrachtet Krieg allerdings als letzte Wahl.

Joseph Dunford
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Joseph Dunford


Wenn Diplomatie und Wirtschaftssanktionen in Pjöngjang keine Wirkung zeigten, würden auch militärische Lösungen vorbereitet. Das sagte US-Generalstabschef Joseph Dunford am Rande eines Treffens mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in - und brachte damit ein militärisches Vorgehen im Konflikt mit Nordkorea ins Spiel.

Der ranghöchste Vertreter des US-Militärs traf den südkoreanischen Staatschef in Seoul, um mit ihm über die anhaltenden Spannungen mit Nordkorea zu sprechen. Nach Einschätzung von Präsident Moon Jae-in stelle die derzeitige Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel eine "schwerwiegendere, reellere und dringlichere Bedrohung als je zuvor" dar. Nordkorea störe mit seinen Raketentests den Frieden sowohl in der Region als auch weltweit, wurde Moon am nach dem Treffen mit dem US-Generalstabschef von einem Sprecher zitiert.

Nach einem Stopp in Südkorea will der General weiter nach China und zum US-Verbündeten Japan reisen.

Dunford war unter US-Präsident Barack Obama zum neuen Generalstabschef aufgestiegen. Er wurde 1977 Offizier, ab 2003 führte er eine Einheit der Marines im Irakkrieg. In dieser Zeit erwarb er sich den Beinamen "Fighting Joe".

Washington und Pjöngjang hatten die gegenseitigen Drohungen zuletzt immer weiter verschärft. Trump warnte, die USA würden "mit Feuer und Wut" auf weitere Provokationen reagieren. Nordkorea drohte daraufhin mit einem Angriff auf die US-Pazifikinsel Guam. Am Freitag richtete Trump eine neue Warnung an Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und drohte unverhohlen mit einem Militäreinsatz. Später sagte er, Kim würde einen Angriff auf die USA bereuen.

Mitglieder der US-Regierung hatten nach Schlagabtausch versucht, die Aussagen Trumps zu relativieren. Eine Sprecherin des US-Außenministers Rex Tillerson sagte, mit seinem "Feuer und Wut"-Zitat habe Trump eine Sprache gewählt, die der nordkoreanische Diktator verstehe. Tillerson selbst hatte sich bemüht, beruhigend aufzutreten. Er sagte bei einem Besuch auf Guam, dass von Nordkorea keine unmittelbare Bedrohung ausgehe.

US-Verteidigungsminister James Mattis hatte vor einem Krieg gewarnt. Eine militärische Auseinandersetzung wäre "katastrophal", sagte Mattis. Er setze auf Diplomatie. Es seien bereits "diplomatische Ergebnisse" zu verzeichnen, und diesen Weg wolle er fortsetzen.

mho/Reuters

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