US-Angaben Neuer Raketentest von Nordkorea schlägt fehl

Das US-Militär spricht von einer Provokation: Das Regime in Nordkorea hat erneut eine Mittelstreckenrakete getestet - und erneut ging der Versuch daneben.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (Archivbild)
REUTERS

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (Archivbild)


Neue Uno-Sanktionen gegen Nordkorea werden derzeit vorbereitet, doch das scheint die Regierung im nordkoreanischen Pjöngjang nicht zu interessieren - oder sogar anzuspornen. Denn das kommunistische Land testete nun erneut eine Mittelstreckenrakete. Allerdings erfolglos. Die ballistische Rakete vom Typ "Musudan" sei am Samstag erfolglos abgeschossen worden, teilte das US-Militär mit.

Das Strategische Kommando der US-Armee (US-Stratcom) registrierte den fehlgeschlagenen Raketenstart nach eigenen Angaben um 12.03 Uhr Ortszeit (05.33 Uhr MESZ). Er ereignete sich demnach in der Stadt Kusong im Nordwesten Nordkoreas. Für Nordamerika habe keine Gefahr bestanden, hieß es weiter.

Normalerweise werden derartige Raketentests binnen Stunden oder auch Minuten vom südkoreanischen und vom US-Militär gemeldet. Dieses Mal erfolgte die Erklärung des US-Stratcom aber deutlich später, und es gab zunächst keine Bestätigung durch Südkorea.

Nordkorea hatte die "Musudan"-Rakete erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Sie hat theoretisch eine geschätzte Reichweite zwischen 2500 und 4000 Kilometern. Bei der Reichweite von 4000 Kilometern könnte sie den US-Stützpunkt auf der Insel Guam im Westpazifik erreichen, ansonsten zumindest jegliche Ziele in Südkorea und Japan.

Nach fünf gescheiterten Tests war Nordkorea im Juni der erfolgreiche Abschuss einer "Musudan"-Rakete gelungen. Sie flog 400 Kilometer weit ins Japanische Meer. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un feierte dies als Beweis, dass sein Land US-Stützpunkte im Pazifik treffen könne.

Kim Jong Un auf einer älteren Aufnahme
REUTERS

Kim Jong Un auf einer älteren Aufnahme

Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Gary Ross, erklärte in Washington, der Test vom Samstag sei eine klare Verletzung von Uno-Resolutionen gegen Nordkorea. "Diese Provokation führt nur dazu, die Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft zu verstärken, verbotenen Aktivitäten (Nordkoreas) entgegenzuwirken." Die USA seien weiter "vorbereitet, uns und unsere Verbündeten gegen jeden Angriff oder jede Provokation zu verteidigen", versicherte der Pentagon-Sprecher.

Die USA sollen "einen hohen Preis zahlen", warnt Pjöngjang

Nachdem Nordkorea im September seinen fünften und bislang stärksten Atomwaffentest vorgenommen hatte, berät der Uno-Sicherheitsrat derzeit über weitere Sanktionen gegen Pjöngjang. Nach Einschätzung von Experten aus den USA und Südkorea könnte das international isolierte Land bereits unmittelbar vor seinem nächsten Atomwaffentest stehen. In diesem Jahr gab es außerdem trotz Verbots bereits rund 20 Raketentests in Nordkorea.

In den nordkoreanischen Staatsmedien war am Samstag keine Rede von einem neuen Raketentest. Allerdings verbreitete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA eine Mitteilung des nordkoreanischen Außenministeriums, in dem die USA gewarnt wurden, sie würden "einen hohen Preis" für ihr feindseliges Verhalten zahlen, das "die Würde der höchsten Führung verletzt" habe.

Der bald aus dem Amt scheidende US-Präsident Barack Obama "wird die Bedeutung des Preises verstehen, bevor er das Weiße Haus verlässt", erklärte ein Ministeriumssprecher laut KCNA.

yes/Reuters



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