Nordkorea USA geben im Gegenzug für AKW-Stilllegung Geld frei

Mit der Verhängung von Sanktionen gegen Nordkorea hatten die USA auch Guthaben Nordkoreas eingefroren. Nun soll das blockierte Geld in Höhe von 25 Millionen Dollar ins kommunistische Land fließen. Pjöngjang soll dafür einen Atomreaktor schließen.


Seoul - Die möglicherweise kurz bevorstehende Freigabe eingefrorener Guthaben Nordkoreas könnte den USA zufolge den Weg zur Schließung des umstrittenen Atomreaktors Yongbyon frei machen. Das US-Finanzministerium erklärte, Macau sei bereit, das bei einer dortigen Bank liegende Geld frei zu geben. US-Unterhändler Christopher Hill sagte, die Freigabe der Gelder werde ein "sehr großer Schritt" für den Abrüstungsprozess sein, "wenn sie geschieht". Die Nordkorea gesetzte Frist für die Abschaltung läuft am Samstag ab. China erklärte jedoch, auch deren Verstreichen bedeute aber nicht das Scheitern der Gespräche.

Hill sagte in Seoul, einen Termin für die mögliche Freigabe der Gelder gebe es noch nicht. Er rechne aber damit, dass dies "sehr, sehr bald" sein werde. In den Sechs-Nationen-Gesprächen über sein Atomprogramm hatte das kommunistische Regime in Pjöngjang die Freigabe der Gelder in Höhe von 25 Millionen Dollar (rund 19 Millionen Euro) als eine Bedingung für das Abschalten von Yongbyon genannt. Das Geld war im Zuge von US-Sanktionen in Macau eingefroren worden. Als Washington die Sanktionen im März aufhob, blockierten verwaltungstechnische Hürden die Freigabe. Erst kürzlich hatte die US-Regierung nach eigenen Angaben aber eine technische Lösung gefunden.

Hill zeigte sich angesichts der Verzögerung bei der Gelderfreigabe skeptisch, dass Nordkorea die Frist zur Abschaltung am Samstag einhalten könne. Der Finanzstreit habe das Verfahren aufgehalten, und "das macht es schwierig, den exakten Termin einzuhalten", sagte Hill nach Gesprächen in Tokio. Ein chinesischer Regierungssprecher erklärte, Komplikationen seien "ganz natürlich". Die Sechser-Gespräche seien nie reibungslos verlaufen. Dennoch würden die Verhandlungen aus Sicht Pekings wegen einer nicht eingehaltenen Frist nicht scheitern.

Nordkorea hatte sich am 13. Februar gegenüber Südkorea, China, Russland, den USA und Japan bereit erklärt, den Reaktor binnen 60 Tagen abzuschalten. Außerdem erklärte sich Pjöngjang bereit, erstmals seit 2002 wieder Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ins Land zu lassen.

Hunderte nordkoreanische Regimegegner protestierten heute in Südkorea gegen die Hilfsleistungen der Regierung in Seoul für den kommunistischen Norden: Damit finanziere Pjöngjang Atomwaffen, die sich letztlich gegen Südkorea richteten, sagte ein Sprecher der Regimekritiker.

asc/AFP



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