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09. Dezember 2013, 09:22 Uhr

Entmachteter Spitzenkader Chang

Nordkorea demütigt Kims Onkel

Der radikale Wandel in Nordkoreas Machtgefüge ist offiziell. Staatsmedien bestätigen die Entlassung eines Onkels von Regierungschef Kim und werfen ihm Kriminalität und Umsturzversuche vor. Das Staatsfernsehen zeigte, wie Chang bei einem Treffen des Politbüros abgeführt wurde.

Seoul/Pjöngjang - Im Normalfall berichten Nordkoreas Staatsmedien nicht, wenn ein führender Kader in Ungnade gefallen ist. Doch nun hat die amtliche Nachrichtenagentur des abgeschotteten Landes die Entlassung von Chang Song Taek bestätigt. Der Onkel von Staatschef Kim Jong Un sei wegen krimineller Machenschaften und "konterrevolutionärer" Umtriebe von seinen gesamten Ämtern entbunden worden, berichtete KCNA. Damit ist eine grundlegende Verschiebung im Machtgefüge der kommunistischen Diktatur offiziell.

"Chang Song Taek und seine Gefolgsleute haben kriminelle Handlungen begangen, die die Vorstellungskraft übersteigen, und sie haben unserer Partei und der Revolution enorme Schäden zugefügt", heißt es in dem Bericht. Die Entscheidung, Chang zu schassen, habe das Politbüro des Zentralkomitees der Partei getroffen. Er habe "hinter den Kulissen ein doppeltes Spiel betrieben" und das einheitliche Führungssystem der Partei unterlaufen.

Mit Chang wurden demnach auch seine Mitarbeiter entlassen, dem südkoreanischen Geheimdienst zufolge wurden einige von ihnen bereits wegen Korruption hingerichtet.

Das Staatsfernsehen zeigte zudem, wie Chang von uniformierten Männern aus einer Sitzung des Politbüros abgeführt wurde. Das Treffen sei von Staatschef Kim Jong Un geleitet worden. Die Sitzung habe am Sonntag stattgefunden.

Bereits aus Propagandafilmen getilgt

Bereits Anfang vergangener Woche hatte der südkoreanische Geheimdienst über die Entmachtung des 67-Jährigen berichtet. Seitdem Kim die Nachfolge seines Ende 2011 verstorbenen Vaters Kim Jong Il übernommen hatte, galt Chang eigentlich als graue Eminenz in Nordkorea. Bislang war er Vizevorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission, dem eigentlichen Machtzentrum des Landes.

Von dort aus soll Chang im Hintergrund die Fäden gezogen haben. Beobachter mutmaßten beim Antritt Kims, dass der noch junge neue Machthaber zunächst unter Changs Aufsicht stehen solle. In den vergangenen Jahren führte Chang zudem unter anderem Verhandlungen mit dem traditionellen und wichtigsten Verbündeten China.

Die genauen Hintergründe für Changs Demission sind aber noch unklar. So gibt es Gerüchte, Kims Onkel habe sich mit den übermächtigen Militärs angelegt, indem er ihnen die Kontrolle über das lukrative Bergbaugeschäft entzogen habe. Außerdem habe Chang sich für Wirtschaftsreformen und eine Verbesserung der Beziehungen zu China eingesetzt. Mit diesem Kurs habe er sich den Zorn des Ministeriums für Staatssicherheit zugezogen, das auf militärische Stärke und eine Forcierung des Atomprogramms setzt.

Anderen Beobachtern zufolge sind die Entwicklungen eher Beleg dafür, dass der rund 30 Jahre alte Kim Jong Un seine Stellung in Nordkoreas Machtgefüge ausgebaut und gefestigt habe.

In einer Propagandadokumentation habe das Staatsfernsehen Nordkoreas bereits sämtliche Sequenzen über Chang herausgeschnitten, berichteten am Wochenende südkoreanische Medien.

syd/fdi/Reuters/dpa

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