Entmachteter Spitzenkader Chang Nordkorea demütigt Kims Onkel

Der radikale Wandel in Nordkoreas Machtgefüge ist offiziell. Staatsmedien bestätigen die Entlassung eines Onkels von Regierungschef Kim und werfen ihm Kriminalität und Umsturzversuche vor. Das Staatsfernsehen zeigte, wie Chang bei einem Treffen des Politbüros abgeführt wurde.


Seoul/Pjöngjang - Im Normalfall berichten Nordkoreas Staatsmedien nicht, wenn ein führender Kader in Ungnade gefallen ist. Doch nun hat die amtliche Nachrichtenagentur des abgeschotteten Landes die Entlassung von Chang Song Taek bestätigt. Der Onkel von Staatschef Kim Jong Un sei wegen krimineller Machenschaften und "konterrevolutionärer" Umtriebe von seinen gesamten Ämtern entbunden worden, berichtete KCNA. Damit ist eine grundlegende Verschiebung im Machtgefüge der kommunistischen Diktatur offiziell.

"Chang Song Taek und seine Gefolgsleute haben kriminelle Handlungen begangen, die die Vorstellungskraft übersteigen, und sie haben unserer Partei und der Revolution enorme Schäden zugefügt", heißt es in dem Bericht. Die Entscheidung, Chang zu schassen, habe das Politbüro des Zentralkomitees der Partei getroffen. Er habe "hinter den Kulissen ein doppeltes Spiel betrieben" und das einheitliche Führungssystem der Partei unterlaufen.

Mit Chang wurden demnach auch seine Mitarbeiter entlassen, dem südkoreanischen Geheimdienst zufolge wurden einige von ihnen bereits wegen Korruption hingerichtet.

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Nordkorea: Absturz der "grauen Eminenz von Pjöngjang"
Das Staatsfernsehen zeigte zudem, wie Chang von uniformierten Männern aus einer Sitzung des Politbüros abgeführt wurde. Das Treffen sei von Staatschef Kim Jong Un geleitet worden. Die Sitzung habe am Sonntag stattgefunden.

Bereits aus Propagandafilmen getilgt

Bereits Anfang vergangener Woche hatte der südkoreanische Geheimdienst über die Entmachtung des 67-Jährigen berichtet. Seitdem Kim die Nachfolge seines Ende 2011 verstorbenen Vaters Kim Jong Il übernommen hatte, galt Chang eigentlich als graue Eminenz in Nordkorea. Bislang war er Vizevorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission, dem eigentlichen Machtzentrum des Landes.

Von dort aus soll Chang im Hintergrund die Fäden gezogen haben. Beobachter mutmaßten beim Antritt Kims, dass der noch junge neue Machthaber zunächst unter Changs Aufsicht stehen solle. In den vergangenen Jahren führte Chang zudem unter anderem Verhandlungen mit dem traditionellen und wichtigsten Verbündeten China.

Die genauen Hintergründe für Changs Demission sind aber noch unklar. So gibt es Gerüchte, Kims Onkel habe sich mit den übermächtigen Militärs angelegt, indem er ihnen die Kontrolle über das lukrative Bergbaugeschäft entzogen habe. Außerdem habe Chang sich für Wirtschaftsreformen und eine Verbesserung der Beziehungen zu China eingesetzt. Mit diesem Kurs habe er sich den Zorn des Ministeriums für Staatssicherheit zugezogen, das auf militärische Stärke und eine Forcierung des Atomprogramms setzt.

Anderen Beobachtern zufolge sind die Entwicklungen eher Beleg dafür, dass der rund 30 Jahre alte Kim Jong Un seine Stellung in Nordkoreas Machtgefüge ausgebaut und gefestigt habe.

In einer Propagandadokumentation habe das Staatsfernsehen Nordkoreas bereits sämtliche Sequenzen über Chang herausgeschnitten, berichteten am Wochenende südkoreanische Medien.

syd/fdi/Reuters/dpa

insgesamt 47 Beiträge
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Baustellenliebhaber 09.12.2013
1. Ein Krimineller mehr oder weniger.....
...fällt in dem Land doch gar nicht auf. Die bringen sich dann alle gegenseitig um. Passt doch. Mir tun nur die Menschen leid, die in diesem Land leiden müssen und für die kleinste Kleinigkeit erschossen werden. Ein Drama
kettbach 09.12.2013
2. Räuberbande mit Atombomben.
Schade, dass man sich von solchen Wahnsinnigen erpressen lassen muß.
romanpg 09.12.2013
3. Es wird zeit
das die Chinesen diesem Wahnsinn endlich ein Ende setzten..
larkin888 09.12.2013
4. Die Geschichte hat immer erstaunliche Aehnlichkeit
Solche Ereignisse passierten viele Male in der Geschichte von Ostenstaaten von feudalistischem Machtsystem.
rainer_daeschler 09.12.2013
5. Grabenkämpfe in Nordkoreas Führung?
Statt stiller Entmachtung nun eine offizielle Anklage. Das ist eine ganz neue Qualität. Offensichtlich stehen dahinter tiefe Grabenkämpfe in Nordkoreas Führung. Normalerweise geschieht dies eher "leise" in Richtung Ausland.
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