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Sonderwirtschaftszone Nordkorea verweigert Verhandlungen über Kaesong

Nordkorea will nicht mit seinem südlichen Nachbarn über die Zukunft der gemeinsamen Sonderwirtschaftszone Kaesong sprechen. Das Angebot sei eine "leere politische Geste". Das Regime in Pjöngjang unterstellt Südkorea Pläne für einen Einmarsch.

Seoul/Hamburg - Die nordkoreanische Regierung in Pjöngjang hat das Angebot Südkoreas zu Gesprächen über die Zukunft der gemeinsamen Sonderwirtschaftszone Kaesong zurückgewiesen. Das Gesprächsangebot sei eine "leere" und "bedeutungslose" politische Geste, sagte ein Sprecher des nordkoreanischen Komitees für die friedliche Wiedervereinigung Koreas am Sonntag der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Damit wolle der Süden seine wahre Absicht verschleiern, in den Norden einmarschieren zu wollen.

Der Beamte nannte zudem die gemeinsamen Militärübungen Südkoreas mit den USA sowie die Forderungen nach einem Ende des nordkoreanischen Atomprogramms als Hindernisse für einen Dialog über Kaesong. "Wenn der Süden es ernst meint mit den Gesprächen, sollte er zunächst die konfrontative Haltung aufgeben", sagte der Sprecher.

Im Zuge der aktuell angespannten Lage auf der koreanischen Halbinsel hatte Nordkorea zunächst südkoreanischen Arbeitern die Einreise in die gemeinsam von beiden Staaten betriebene Sonderwirtschaftszone, die in Nordkorea liegt, untersagt. Anschließend zog Pjöngjang seine eigenen 53.000 Arbeiter aus dem Industriekomplex ab und kündigte die vorübergehende Schließung der Anlage an. Seoul forderte Pjöngjang am Donnerstag auf, an den Verhandlungstisch zu kommen. Seit der Einrichtung der Sonderwirtschaftszone im Jahr 2004 überstand der Komplex bislang beinahe jede Krise zwischen den verfeindeten Nachbarstaaten.

Kerry verhandelt in Tokio

Verhandelt wird derzeit vor allem über, aber nicht direkt mit Pjöngjang. Seit die Nordkoreaner ihre Nachbarn sowie die USA mit martialischen Drohungen eindeckten, die bis hin zur Androhung eines nuklearen Schlages gehen, läuft die Krisendiplomatie auf Hochtouren. Ganz im Zeichen der Nordkorea-Krise steht die Asien-Reise des neuen US-Außenministers John Kerry.

In Tokio will Kerry am heutigen Sonntag mit seinem Kollegen Fumio Kishida zusammenkommen, um den weiteren Umgang mit den anhaltenden Drohungen aus Nordkorea zu diskutieren. Der japanische Verteidigungsminister Itsunori Onodera erklärte, er erwarte eine klare Botschaft von Kerry und Kishida an Nordkorea. Das abgeschottete Land müsse sein Atom- und Raketenprogramm aufgeben.

Am Freitag drohte die Führung des kommunistischen Landes Japan mit einem Vergeltungsschlag, sollte sich Tokio in einen möglichen Konflikt auf der koreanischen Halbinsel einmischen. Zwar kündigte Pjöngjang bislang offiziell keinen Abschuss an, Beobachter rechnen aber mit einem Raketenstart in den Tagen rund um den Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung am Montag.

Das japanische Verteidigungsministerium wies die Armee angesichts der Krise an, jede nordkoreanische Rakete abzuschießen, die japanisches Territorium bedrohe. Mitten in Tokio wurden "Patriot"-Abwehrsysteme installiert.

Signale aus Peking: Die Schutzmacht ist irritiert

Tokio ist die dritte und letzte Station von John Kerrys Ostasien-Reise. Zuvor hatte er Gespräche in Südkorea und China über die Krise mit Nordkorea geführt. In Peking versicherten der US-Außenminister und der für Außenpolitik zuständige chinesische Staatsrat Wang Yi am Samstag, sich für eine atomare Abrüstung in Nordkorea einsetzen zu wollen.

"China und die USA müssen gemeinsame Schritte unternehmen, um das Ziel einer denuklearisierten koreanischen Halbinsel zu erreichen", sagte Kerry in Peking. "Von diesem Moment an sind wir zum Handeln entschlossen, um dieses Ziel umzusetzen." Kerrys Amtskollege äußerte sich allerdings zurückhaltender. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua erklärte er: "China bleibt bei seiner Forderung nach Denuklearisierung, Frieden auf der Halbinsel und Lösung der Themen durch Dialog."

Schon das aber wird als Signal an den Verbündeten in Pjöngjang gesehen, als dessen Schutzmacht sich Peking versteht. Für die Chinesen ist zwar auch die verstärkte amerikanische Präsenz in Südkorea, mit dessen Streitkräften US-Einheiten derzeit in einem gemeinsamen Manöver üben, eine Irritation.

Irritiert und frustriert ist man in Peking aber auch über das Verhalten des traditionellen Verbündeten Nordkorea - und das nicht erst seit den aktuellen Drohgebärden. Besonders die drei Atomwaffentests 2006, 2009 und im Februar dieses Jahres haben die Beziehungen belastet. Auch deswegen stimmte Peking den jüngsten Sanktionen des Uno-Sicherheitsrats gegen Pjöngjang zu.

Nordkorea verfügt über nukleare Sprengsätze sowie zwei Trägerraketensysteme, von denen eines beispielsweise Japan, das andere auch die US-Gebiete um Guam erreichen könnte. Unklar ist, ob die Miniaturisierung der Sprengsätze schon so weit gediehen ist, dass sie tatsächlich bereits auf Mittelstreckenraketen, deren Zuladungskapazitäten begrenzt sind, aufmontiert werden können.

pat/AFP/dpa
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