Nordsyrien Juncker fordert Türkei zum Stopp der Militäroffensive auf

Wie positioniert sich die EU zum türkischen Militäreinsatz in Nordsyrien? Der bereits gestartete Einsatz solle gestoppt werden, verlangt EU-Kommissionspräsident Juncker. Derweil werden neue Details der Operation bekannt.

Mitglieder der syrischen nationalen Armee nahe der türkischen Grenze: "Einsatz stoppen"
EPA-EFE/ REX

Mitglieder der syrischen nationalen Armee nahe der türkischen Grenze: "Einsatz stoppen"


"Ich fordere die Türkei und andere Akteure auf, mit Zurückhaltung zu handeln und den bereits gestarteten Einsatz zu stoppen": Mit deutlichen Worten hat sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker an die Türkei gewandt. Er rief Präsident Recep Tayyip Erdogan dazu auf, den Militäreinsatz gegen kurdische Milizen in Nordsyrien zu stoppen. Sollten die Pläne der Türkei die Einrichtung einer "Sicherheitszone" beinhalten, werde die EU sich daran finanziell nicht beteiligen.

Bundesaußenminister Heiko Maas verurteilte die türkische Offensive am Mittwoch "auf das Schärfste": "Die Türkei nimmt damit in Kauf, die Region weiter zu destabilisieren und riskiert ein Wiedererstarken des IS", sagte er in Berlin. Es drohe eine weitere humanitäre Katastrophe sowie eine neue Fluchtbewegung. "Wir rufen die Türkei dazu auf, ihre Offensive zu beenden und ihre Sicherheitsinteressen auf friedlichem Weg zu verfolgen." Zuvor hatte die Bundesregierung bereits deutlich vor einer Militäroffensive in Nordsyrien gewarnt.

Im Video: Türkei-Offensive bedroht Sicherheit in Europa

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach den Kurden die Unterstützung Frankreichs zu. Bei einem Treffen mit der Kurdenvertreterin Ilham Ahmed am Dienstagabend in Paris habe Macron bekräftigt, dass Frankreich an der Seite der kurdisch geführten Syrisch-Demokratischen Kräfte (SDF) stehe, hieß es aus Élyséekreisen.

Der Uno-Sicherheitsrat soll sich am Donnerstag bei einer Sondersitzung mit dem Thema befassen. Dies teilten Diplomaten in New York mit. Deutschland und Frankreich hatten die Dringlichkeitssitzung zusammen mit Polen, Belgien und Großbritannien beantragt.

Erdogan hatte am Mittwoch den Start der Operation verkündet. Unsere Streitkräfte haben zusammen mit der syrischen nationalen Armee im Norden Syriens die Operation Quelle des Friedens gegen die Terrororganisationen PKK/YPG und DEAS begonnen", schrieb er bei Twitter. Ziel ist die kurdische YPG-Miliz, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und begreift die Angehörigen der Miliz als Terroristen.

An der neuen Offensive sollen auch tausende syrische Milizionäre teilnehmen. Ein Sprecher der Brigade Anwar al-Hak sagte, an der ersten Phase der Offensive sollten sich 18.000 Kämpfer beteiligen. Tausende Kämpfer der Syrischen Nationalarmee warteten in der türkischen Grenzstadt Akcakale in einem früheren Flüchtlingslager auf ihren Einsatz.

Wie der Sprecher Abdelrahman Ghasi Dadeh sagte, würden 8000 Kämpfer die gegenüber von Akcakale gelegene syrische Grenzstadt Tal Abjad angreifen, während 10.000 weitere die weiter östlich gelegene Stadt Ras al-Ain attackieren würde. Eine nicht genannte Zahl von Kämpfern sollte demnach für einen späteren Angriff auf die Stadt Kobane mobilisiert werden. Alle drei Städte werden bisher von der YPG-Miliz kontrolliert.

vks/AFP



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recepcik 09.10.2019
1. Es reicht nicht
Wenn Juncker sagt, dass sich die EU nicht an der Errichtung ein Schutzzone finanziell beteiligt. Es müssen Sanktionen her. Beendigung der Beitrittsverhamdlungen und Ausschluss aus der Zollunion.
Pixelpu 09.10.2019
2. Quelle des Friedens
Zynischer geht es fast nicht mehr. So sieht also die Quelle des Friedens für den Sultan vom Bosporus aus. Und der rosa Präsident der USA macht in seiner großartiger Weisheit vorher den Weg frei.
spontanistin 09.10.2019
3. Unreif für die EU!
Nun ist es mehr als offensichtlich, dass die gewählte Regierung der Türkei und damit das Land nicht Teil des Friedensprojektes EU sein kann. Deutlicher kann man es nicht demonstrieren. Und angesichts der fehlenden Abstimmung mit der NATO sollte ein Ausschluss der Türkei aus der NATO die erste Konsequenz sein!
spon-1178958794633 09.10.2019
4. Die Türkei kann für Europa kein Partner sein
EU-Kommissionspräsident Juncker müsste umgehend dafür sorgen, dass das Verhältnis zur Türkei bis auf Weiteres auf ein unvermeidliches diplomatisches Minimum reduziert wird. Es kann nicht angehen, dass ein größenwahnsinniger "Herrscher" seine eigene Agenda ohne Rücksicht auf die betroffenen Menschen durchzieht. Die EU könnte z.B. umgehend die PKK von der Terrorliste streichen und die AKP dort einsetzen....
haumti 09.10.2019
5. Merkel muß den Mund aufmachen
und ihrem "Freund" Erdogan mal ein bischen energischer kritisieren um zu verhindern das die Türkei in das Souveräne Land Syren einmarschiert. Dies ist ein eindeutiger Verstoß gegen das Völkerrecht und als kriegerischer Akt zu werten. Die USA machen den Weg frei, die Russen schweigen und die Türken marschieren (auch) mit unseren Panzern ein. Deutschland tut fast nichts wenn ein Nato Mitglied ein anderes Land angreift. Das hier wieder Flüchtlinge entstehen und ein großer Teil davon dann wieder bei uns landet dürfte jedem klar sein.
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