Nordsyrien Kurdische Milizen verlassen Grenzregion - russische und syrische Kräfte rücken vor

Kurdische Kämpfer haben mit ihrem Rückzug aus der Grenzregion zwischen Syrien und der Türkei begonnen. Bundesaußenminister Maas will nach Ankara reisen, um für eine dauerhafte Waffenruhe zu werben.
Syrien, Ain al-Arab: Russische Streitkräfte patrouillieren mit gepanzerten Fahrzeugen an der syrischen Grenze

Syrien, Ain al-Arab: Russische Streitkräfte patrouillieren mit gepanzerten Fahrzeugen an der syrischen Grenze

Foto: DPA/AP

Erst hatten die Kämpfer die kurdischen YPG-Miliz in Nordsyrien einen verzweifelten Pakt mit dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad geschlossen - dann folgte der Deal zwischen Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin. Die großen Verlierer in der Region sind die kurdischen Milizen, die jetzt mit dem geforderten Abzug begonnen haben.

"Wir stellen mit Zufriedenheit fest, dass die in Sotschi erzielte Vereinbarung umgesetzt wird", sagte der russische Vizeaußenminister Sergej Werschinin der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete vom Abzug der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). Die russische Militärpolizei und syrische Regierungstruppen rückten ihrerseits in das Grenzgebiet vor, hieß es weiter.

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Gemäß der Vereinbarung von Sotschi sollen sich die YPG-Truppen nun aus dem restlichen Gebiet westlich von Tal Abjad und östlich von Ras al-Ain zurückziehen. Den 120 Kilometer langen Grenzabschnitt dazwischen hatte die türkische Armee seit ihrem Einmarsch vor gut zwei Wochen bereits erobert.

Kurden werfen Türkei Bruch der Waffenruhe vor

Die von der YPG angeführten Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) warfen der Türkei einen Bruch der Waffenruhe vor, die am Dienstag verlängert worden war. Die türkische Armee und ihre lokalen syrischen Verbündeten hätten drei Orte in der Nähe der Stadt Al-Hassaka angegriffen, erklärte SDF-Sprecher Mustafa Bali auf Twitter.

Auch die Beobachtungsstelle berichtete von Kämpfen in dieser Region. Von türkischer Seite gab es zu den Vorwürfen zunächst keine Informationen.

Bundesaußenminister Heiko Maas kündigte im Bundestag an, am Samstag nach Ankara reisen zu wollen, um auf eine dauerhafte Waffenruhe in Nordsyrien zu dringen. Zum Vorstoß von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, in Nordsyrien eine international kontrollierte Schutzzone einzurichten, äußerte Maas sich erneut kritisch. "Entscheidend ist im Ergebnis, worauf wir uns mit unseren internationalen Partnern in dieser Situation verständigen können", sagte er. "Davon wird abhängig sein, welche Pläne wir weiterverfolgen und welche nicht."

Kramp-Karrenbauer dämpfte am Rande eines Nato-Verteidigungstreffens in Brüssel die Hoffnung auf eine schnelle Lösung. Erste Gespräche seien aber ermutigend gewesen, sagte die CDU-Chefin. Deutschland sei sich mit Großbritannien und Frankreich einig, "dass die Situation mit dem Abkommen von Sotschi nicht befriedet ist".

Unterdessen beschloss der Bundestag, dass sich die Bundeswehr noch bis zum 31. März 2020 mit "Tornado"-Aufklärungsjets und Tankflugzeugen am Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und im Irak beteiligen wird. Danach soll der Einsatz der in Jordanien stationierten Flieger beendet werden.

mes/AFP/Reuters/dpa
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