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29. November 2018, 20:49 Uhr

Kollision in Norwegen

Crew der Fregatte verwechselte Tanker mit Ölterminal

Die Schiffe hatten Radar, waren über Funk in Kontakt: Wie konnten sie in einem Fjord bei Bergen kollidieren? Die Havariekommission glaubt: Auf der Fregatte hielt man den Tanker für ein stationäres Objekt.

Drei Wochen nach der erstaunlichen Kollision eines norwegischen Kriegsschiffs mit einem Tanker hat die Staatliche Havariekommission am Donnerstag einen vorläufigen Bericht zum Unglücksverlauf vorgelegt. Demnach hat die Brückenbesatzung der "Helge Ingstad" den Tanker für ein stationäres Objekt gehalten.

Bei dem Unglück am 8. November wurde die Fregatte so stark beschädigt, dass sie auf Grund lief und fast völlig versank. Bislang konnte sie nicht gehoben werden. Die Besatzung von 137 Soldaten war rechtzeitig vom Schiff geborgen worden.

Der 250 Meter lange und 44 Meter breite Tanker "Sola TS" hatte beim Ablegen vom Ölterminal in der Nähe von Bergen die Deckbeleuchtung eingeschaltet, wodurch die Navigationslichter nicht zu erkennen gewesen seien, heißt es in dem Bericht. "Aus der Ferne war es schwierig, zwischen dem Licht an Bord und dem Licht des Terminals zu unterscheiden". Warum der Tanker nicht auf dem Radar erkannt wurde, konnte die Havariekommission allerdings nicht beantworten.

Missverständnisse im Funkverkehr

Auch beim Funkverkehr zwischen den beiden Schiffen und der Seeverkehrszentrale gab es offenbar Missverständnisse. Der Rudergänger des Tankers hatte drei Minuten vor dem Crash bei der Seeverkehrszentrale "Fedje VTS" nachgefragt, um welches Schiff es sich handele, das direkt auf ihn zukomme. Dort hatte man zunächst keine Informationen und vermutete, dass es sich um das Kriegsschiff "Helge Ingstad" handelte, das vor einer Weile von Norden her in den Fjord gefahren war.

Die "Sola TS" funkte die Fregatte direkt an und forderte diese auf, sofort den Kurs zu ändern. Die Antwort: "Dann kommen wir den Blöcken zu nahe." Auf dem Tanker konnte man mit dieser Antwort nichts anfangen; die Brücke der "Sola TS" appellierte noch einmal auf Norwegisch:

Als die "Sola TS" immer drängender vor einer Kollision warnte, glaubte die Besatzung der Fregatte offenbar, mit einem anderen Schiff zu sprechen. Erst Sekunden vor dem Zusammenstoß erkannte man auf der Brücke die Situation und versuchte auszuweichen.

Unglücksstelle in den Fjorden bei Bergen - die Fregatte liegt auf Grund

Nach dem Vorfall wolle die Havariekommission unter anderem den Funkverkehr noch intensiver untersuchen, hieß es bei einer Pressekonferenz. Außerdem habe die Kommission bei der Fregatte bauliche Sicherheitsmängel festgestellt, über die sie den Hersteller informiert habe.

oka/dpa

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