Notlandung Irak erbeutet "Apache"-Helikopter

Die US-Armee muss eine erneute Demütigung durch Bagdads Propaganda hinnehmen: Das irakische Fernsehen zeigte am Montag einen "Apache"- Kampfhubschrauber, der offenbar weitgehend intakt erbeutet wurde. Auch die amerikanischen Piloten sollen bald im Fernsehen vorgeführt werden.



Bagdad/Nassirija - Wie eine Trophäe präsentierte das irakische Fernsehen den Hightech-Hubschrauber, der äußerlich weitgehend unbeschädigt wirkte und noch Raketen unter den Tragflächen trug. Auch die Helme der beiden Piloten, die nach irakischen Angaben gefangen genommen wurden, waren in Großaufnahme zu sehen. Der Hubschrauber stand irakischen Angaben zufolge auf einem Feld bei Karbala rund 80 Kilometer südlich von Bagdad.

Der irakische Informationsminister Mohammed Said al-Sahaf sagte während einer live übertragenen Stellungnahme, Bauern hätten zwei "Apaches" abgeschossen. Ein Sprecher der US-Armee bestätigte den Verlust eines "Apache Longbow"-Helikopters über irakischem Gebiet. Das Schicksal der Besatzung sei unbekannt. Den vom Irak behaupteten Abschuss einer weiteren Maschine wollte er nicht kommentieren.

Al-Sahaf sagte, man werde den zweiten Hubschrauber und die gefangenen Piloten eventuell bald im Fernsehen zeigen. Er betonte, dass der Irak seine Kriegsgefangenen gemäß der Genfer Konvention behandeln werde. Vorwürfe der US-Regierung, Fernsehbilder amerikanischer Gefangener widersprächen der Konvention, wies al-Sahaf als "lachhaft" zurück, da die USA bereits irakische Zivilisten bei ihren Bombardements getötet hätten.

Helikopter gehört zu Einheit aus Illesheim

Der im irakischen Fernsehen gezeigte Helikopter gehört nach Informationen des Nachrichtensenders CNN zum 11. Kampfhubschrauber-Regiment der US-Armee, das in Friedenszeiten im bayerischen Illesheim stationiert ist. Die Einheit sei in der Nacht zum Montag bei einem Angriff auf die Republikanische Garde Saddam Husseins in schweres Abwehrfeuer geraten. Die Piloten hätten nach dem dreistündigen Feuergefecht, das rund 100 Kilometer südlich von Bagdad stattgefunden habe, "verwirrt und benommen" die Schäden an ihren Flugzeugen begutachtet, berichtete ein CNN-Reporter.

Der zweisitzige AH-64 "Apache" gilt als einer der schlagkräftigsten und modernsten Kampfhelikopter weltweit. Er ist bis zu 300 km/h schnell und unter anderem mit panzerbrechenden "Hellfire"-Raketen sowie einer 30-Millimeter-Maschinenkanone bewaffnet. Die elektronischen Systeme des Hubschraubers sind zum Teil geheim. Deshalb werden Waffen wie der "Apache" normalerweise von den USA zerstört, um zu verhindern, dass sie in feindliche Hände fallen.

Zehn tote US-Soldaten nach irakischem Angriff

Bei heftigen Kämpfen um die südirakische Stadt Nassirija wurde ein Truppentransporter der 2. US-Marinedivision von einer Panzerabwehrgranate getroffen, berichtet der Nachrichtensender CNN. Augenzeugenberichten zufolge seien dabei mindestens zehn Insassen getötet und ein Dutzend verwundet worden.

Ein US-Armeesprecher bestätigte den Vorfall, ging dabei aber von weniger als zehn Toten aus. Zudem seien zwölf Angehörige einer Reparatureinheit der US-Armee vermisst gemeldet, so der Sprecher. Sie seien wahrscheinlich in irakische Gefangenschaft geraten. Bei den Kämpfen am Sonntag seien die US-Soldaten auf den härtesten Widerstand im bisherigen Kriegsverlauf gestoßen.

Am Montagmorgen wurde Bagdad erneut von schweren Explosionen erschüttert. Augenzeugen berichteten laut CNN, dass ein Gebäude der irakischen Luftwaffe getroffen wurde. Auch Anlagen südöstlich der irakischen Hauptstadt seien erneut bombardiert worden.

Bei einem Anschlag im "Camp Pennsylvania" in Nordkuweit warf nach Fernsehberichten ein junger US-Soldat Handgranaten in Zelte von Offizieren der 101. US-Luftlandedivision. Er wurde sofort überwältigt und verhört. Der Soldat soll ein schwarzer Muslim sein und sich über Vorgesetzte geärgert haben.

Das britische Verteidigungsministerium teilte am frühen Montagmorgen mit, dass zwei britische Soldaten vermisst werden. Ihr Fahrzeug sei im Südirak angegriffen worden. Nähere Einzelheiten wurden mit Verweis auf die Sicherheit der Truppen in der Golfregion nicht bekannt gegeben. Es werde aber alles getan, um die Vermissten ausfindig zu machen, hieß es.

Britischer Minister: Straßenkampf um Bagdad möglich

Trotz der Gegenwehr könnten die alliierten Truppen nach Einschätzung des britischen Verteidigungsministers Geoff Hoon schon am Dienstag Bagdad erreichen. Möglicherweise werde es dort zu Straßenkämpfen kommen, vielleicht werde Saddam Hussein zur Verteidigung der Hauptstadt sogar chemische und biologische Waffen einsetzen, sagte Hoon dem BBC-Hörfunk.

Iraks Verteidigungsminister Sultan Haschim Achmed sagte, die irakische Armee habe drei alliierte Eroberungsversuche vor Nassirija zurückgeschlagen. Dabei seien 17 Panzer und Truppentransporter der Angreifer zerstört worden. "Unsere Situation ist sehr gut. Unsere Moral ist sehr hoch, unsere Kampferfolge sehr gut", sagte der General.

Saddam Husseins Taktik gehe bisher auf, den alliierten Truppen das flache Land zu überlassen. Doch um etwas zu erreichen, müssten die Angreifer in die Städte kommen, sagte Achmed. Die Entschlossenheit der Iraker werde die Angreifer dort überraschen. "Wenn sie Bagdad nehmen wollen, werden sie diesen Preis zahlen müssen."

Auch in der als eingenommen gemeldeten Hafenstadt Umm Kasr im Südirak leisteten irakische "Soldaten in Zivil hartnäckigen Widerstand", berichtete der britische Fernsehsender Sky News. Die nahe gelegene Millionenstadt Basra sei aber "gesichert", meldete die BBC. Um Bagdad brannten mit Öl gefüllte Gräben, um der feindlichen Luftwaffe die Sicht zu nehmen. Im Süden des Irak sollen kuweitische Spezialisten eingesetzt werden, um brennende Ölanlagen zu löschen.

Die US-Streitkräfte bombardierten erstmals Tikrit, die Geburtsstadt des irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Nach Meldungen des Senders al-Arabija wurden dabei vier Menschen getötet. Aus Tikrit stammt ein Großteil der Führungselite des Landes. Auch die nordirakische Stadt Mossul wurde wieder angegriffen. Laut al-Dschasira kamen dabei vier jordanische Studenten ums Leben.

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